Freitag, 12. Februar 2016

Werkstattnotizen - 6

Der Umriss auf mein neues Buchprojekt "Nirgendwoland"

Prolog


Als Frucht meiner Fantasie mögen diese Beschreibungen eines dreisten Lebens ihre Fahrt unter die Augen einer interessierten Leserschaft aufnehmen, dass sie erkennen möge, was Unbekümmertheit verrichten kann und wie unwichtig all der betuliche Ernst in einer strebsamen Gesellschaft ist. Wir werden Wieland und seinen Sohn Anton kennen lernen, die der Autor in seiner Fantasie geboren hat und die sich mit dem Lesen und dem Verlauf des Buches zu vertrauten Personen entwickeln werden. Wie der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, so wird Anton zu einem Ebenbild seines Vaters, gleichsam voller Froh- und keckem Eigensinn. Eines bestimmten Buches wollen wir an dieser Stelle noch Erwähnung tun, denn es spielt in beider Lebensgeschichten eine nicht unbedeutende Rolle und neigt schon vom Titel her zur Bereicherung dieser Erzählung. Die Rede ist von Rousseaus  „Bekenntnisse“, dessen Freimütigkeit in der Ausführung viel zur Formung der Charaktere von Wieland und Anton beigetragen hat. Was dem Christen die Bibel, war den beiden die Selbstdarstellung des erwähnten Autors, eine Anleitung zur offenherzigen Rede. Und deren Fluss wollen wir nun folgen und lauschen ihrem fantasievollen Klang.
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Das Buch erzählt von der Familie Stammvater, die mit ihrer Geschichte gelebte Wirklichkeit und ideelle Sehnsüchte nach einer solidarischen Gesellschaft widerspiegelt.
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Epilog

Nachdem mein Vater aus Senftenberg zurück gekehrt war, fand ich ihn am Nachmittag in nachdenklicher Stimmung in seiner leeren Gaststube sitzen. Als er mich erblickte, hellte sich sein versonnener Gesichtsausdruck für einen Moment auf und er schlug mir einen Spaziergang zum Rand des nördlichen Tagebaus vor.

Das schwarzbraune riesengroße Erdloch erstreckte sich soweit das Augen schauen konnte ringsum jene kleine Enklave, auf der sich Kremmlau bislang als Dörfchen erhalten konnte. Große Schaufelradbagger und Tagebauableger krochen in weiter Entfernung nahezu unbeweglich wie Stahlmonster über die Sohle und schaufelten ein schwärzliches Rinnsal auf bereitstehende Waggons. Menschen waren keine zu sehen.

„Es tut mir leid mein Junge“ begann Wieland plötzlich zu erzählen, „dass, was sich hier vor uns ausstreckt, ist die Aussicht auf eure Zukunft. Wir haben es leider nicht geschafft, dass es besser ausschaut, denn wir kämpften wie einst Don Quichotte und Sancho Panza gegen Windmühlen. Vielleicht war dieses Buch schon bei seiner Entstehung im 16. Jahrhundert Ausdruck eines weitsichtigen Fantasten, dass sich das Leben auf diesem schönen Erdenrund auf seinen Untergang zubewegt. Und es wird auch nicht der Umstand hinwegtäuschen, wenn hier später nach der Re-Naturalisierung vielleicht wieder blühende Landschaften entstanden sein werden. Unsere Generation hat schon einen schlimmen Krieg nicht verhindern können, nun zwingt uns der Fortschritt in die Knie, weil wir uns das Leben schön damit reden, es im Grunde aber wieder nur um Machtspielchen geht, wie unsere ganze Geschichte voll davon ist. Unsere Zukunft kann nur in einem gemeinsamen Handeln liegen, frei von jeglichem privaten Dünkel. Wir haben heute in Senftenberg nichts erreicht und man warf uns verweigerte Mithilfe vor, weil wir uns nicht unterordnen wollten. Scheinbar ist die Zeit noch nicht reif, dass aus dem Individuum ein Multividuum wird, Menschen eines noch fernen Landes, nennen wir es „Nirgendwoland“, so wie es der Bernhard schon mal geheißen hat.

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