Montag, 6. Juni 2016

Erfahrungen

Schreiben als Lebenselexier

Maschine Dieter Birr tut es, Gregor Gysi tut es und auch von Wolfgang Lippert haben wir schon Gedanken über ihren Lebensweg vernommen. Aufarbeiten der eigenen Geschichte ist eine durchaus lohnende, weil die Neugier befriedigende Selbstdarstellung des Lebens. Ich kann jedem nur dazu raten, denn die Kinder und Enkelkinder erfahren daraus Hintergründe aus der eigenen Familie, die sonst, weil ungeschrieben, mit ins Grab wandern. Es gibt, wenn der Bedarf besteht, preiswerte Druckverlage wie die epubli GmbH Berlin, die den verfassten Text in ein brauchbares Buch verwandeln.
Meine Mutter hat ihre Geschichte schon vor Jahren mit der Bemerkung aufgeschrieben, dass sie Vergessen verhindern wollte. Es war für mich allerdings schon lange kein Geheimnis mehr, dass sie während des 2. Weltkrieges einen langen Weg von Kaunas (Litauen) bis nach Köthen in Sachsen Anhalt zurück gelegt hatte. Nur was sie auf ihrem Weg alles erlebte, die Mühsalen einer Flüchtlingsfamilie im zerstörten Deutschland, die Ablehnung aber auch Hilfe, die ihr zuteil wurde, habe ich erst aus ihren Analen erfahren.


Schreiben fordert den Kopf zum Arbeiten auf und ist insofern eine Stimuli gegen das Versiegen der geistigen Kräfte. Wer allerdings hofft, dafür einen Publikumsverlag zu finden, dem kann ich um seiner Bemühungen Willen nur abraten. Ob die Memoiren der genannten Prominenten wirklich lesenswert sind, vermag ich nicht zu entscheiden, sie haben aber eine Fan-Gemeinde, die einen gewissen Umsatz der Bücher garantiert. Das weiß auch ein Verlag und misst dergleichen immer am Erfolg seiner Unternehmung. Als Privatmensch muss man sich mit der Gewissheit begnügen, dass die Aufzeichnungen der eigenen Familie oder Freunden und Bekannten manch der Sonderlichkeiten erklären, die ihnen im Umgang mit dem Schreiber der Lebensgeschichte begegneten. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

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