Freitag, 2. September 2016

Gedanken

Eingebucht

Gustav Freytag formuliert in "Die verlorene Handschrift" bemerkenswerte Absätze über Bücher, die nach meinem Dafürhalten in jedes Schul-Lesebuch gehörten:
"Die hier stehen, sind doch nur ein unendlich kleiner Teil der Bücher, welche je gedruckt wurden. Denn seit sie erfunden sind, liegt in ihnen fast alles, was wir wissen und Bildung nennen. Aber das ist es nicht allein" fuhr er(Prof. Felix Werner)geheimnisvoll fort, "wenige denken daran, daß ein Buch mehr ist als ein Werk des schaffenden Geistes, das er von sich absendet, wie der Tischler einen bestellten Sessel. Zwar an jedem Menschenwerk bleibt etwas von der Seele des Menschen hängen, der es anfertigt. Das Buch aber schließt zwischen seinen Deckeln in Wahrheit den Geist des Menschen ein. Was ein Mann für andere bedeutet, der beste Teil seines Lebens, bleibt in dieser Form für die nächsten Geschlechter, vielleicht bis in ferne Zukunft. Sowohl die, welche ein gutes Buch schreiben, als auch solche, deren Leben und Tun im Buche dargestellt wird, sie beharren in der Tat lebendig unter uns. Wir verkehren mit ihnen als mit Freunden und Gegnern, wir bewundern und bekämpfen, wir lieben und verabscheuen sie nicht weniger, als wenn sie leibhaftig unter uns weilten. Der Menschengeist, der zwischen solche Deckel eingeschlossen ist, wird dadurch auf Erden unvergänglich, und deshalb dürfen wir sagen, im Buche dauert das geistige Leben des einzelnen, und nur der Geist, welcher eingebucht wird, hat sichere Dauer auf Erden." Und weiter:"... Aber alle Bücher, die geschrieben wurden, vom ältesten bis zum jüngsten, stehen in einem geheimnisvollen Zusammenhang. Denn sieh, keiner, der ein Buch geschrieben, ist durch sich selbst geworden, was er ist, jeder steht auf den Schultern seiner Vorgänger. Alles, was vor ihm geschaffen wurde, hat irgendwie dazu geholfen, ihm Leben und Geist zu bilden."
Das ist, was ich sagen wollte mit all meinen Geschichten über die Bücher.

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