Mittwoch, 7. Juni 2017

Werkstattnotizen - 26




22.01.18 Rezension zum Darwin-Projekt oder das Boa-Manuskript


Harald Kuglers Roman „Darwin-Projekt oder Das Boa-Manuskript“ ist eine faszinierende Geschichte, die dem Leser nicht nur eine spannende Lesezeit, sondern auch Gedankenanstöße liefert, die zum Nachdenken über alle Lebensbereiche anregen.
Zwei junge Männer finden bei ihren Gebirgswanderungen aus Zufall einen Teil eines Manuskripts, das sich als Protokoll von Sitzungen gewisser „GEOs“ entpuppt, die in sechs Sitzungen, den sogenannten „Boas“, über die mögliche Einflussnahme auf die gesellschaftliche Entwicklung und die Evolution des Menschen reden. Dabei verfolgen diese einflussreichen Persönlichkeiten ihre eigennützigen Zwecke. Über die Unglaublichkeit dieses Vorhabens erschüttert, begeben sich die Finder auf die Suche nach den weiteren Teilen und stoßen dabei nicht nur auf neue Verbündete, sondern auch auf Verfolger, die nicht vor illegalen Mitteln zurückschrecken, um ebenfalls in Besitz des Manuskripts zu gelangen. Je mehr die inzwischen kleine Gruppe von Wissbegierigen erfährt, umso unglaublicher und unfassbarer wird das, was sie zu lesen bekommen. Doch auch ihre Verfolger bleiben nicht untätig …
Das „Darwin-Projekt oder Das Boa-Manuskript“ hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Schon das erste gefundene Boa lässt den Leser erahnen, dass die weiteren Teile von einer Brisanz sein werden, die in der heutigen Zeit für einen immer größer werdenden Kreis von Menschen von immenser Bedeutung sind. Denn die Frage nach bewusster Manipulation der Massen stellt sich immer mehr.
Bis zum Schluss bleibt es jedoch spannend, wie die „GEOs“ ihre Pläne weiter ausbauen und dabei zur Einflussnahme auf die Entwicklung des Menschen keinen Lebensbereich auslassen. Das vom Autor brillant entwickelte und erdachte Zusammenspiel von menschlichem Entwicklungsdrang, dem Wunsch nach geistiger Erfüllung und materieller Sicherheit auf der einen Seite und den Lebensbereichen Kunst und Kultur, Werbung, Marktwirtschaft, Politik und Gesundheitswesen auf der anderen Seite ist für den Leser so gut nachvollziehbar, dass das entwickelte Szenario durchaus genauso stattgefunden haben könnte. Dies führt nicht nur zu einem Leseerlebnis, bei dem die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht erhalten bleibt, sondern auch zum ausführlichen Nachdenken über die heutige Gesellschaft, deren Einflüsse und Werte sowie der Frage: „Was wäre, wenn …“
„Darwin-Projekt oder Das Boa-Manuskript“ ist ein überaus empfehlenswertes Buch, das im Leser noch lange nachklingt und bei bewusstem Umgang mit dem Inhalt eine Gesellschaft hinterfragt, die ihrem selbst erschaffenen „Gott“ folgt und dabei allzu oft vergisst zu hinterfragen, wem sie eigentlich dient.

Petra Liermann

In der Sächsischen Zeitung vom letzten WE (20./21.01.18) war ein interessanter Artikel über Modrow, dem ehemaligen Bürgermeister von Dresden, der jetzt 90 Jahre alt wird und die ehemaligen Machthaber der DDR gut kannte. Er schreibt zum Schluss etwas über die Chinesen, was sehr aufschlussreich ist und mich mit meinem Buch bestätigt:
"China, ...zeigt heute eine Alternative zum Kapitalismus von heute (Li Xinping sagt, er wolle ein Land schaffen mit einem mittlerem Reichtum - mit dem Ansatz, ein schöneres Leben für alle Bürger zu entwickeln). Ob das die Chinesen in der Mitte diesen Jahrhunderts dann Sozialismus nennen oder anders, wird sich zeigen. Worum es mir geht: Angesichts der globalen und auch der deutschen Situation reicht es nicht, immer nur in den Kategorien eines besseren Kapitalismus zu denken, sondern in Kategorien einer grundsätzlich alternativen sozialeren Gesellschaft vorzustoßen. Es geht schließlich um das Leben und Überleben auf unserer Erde." Einen Text wie diesen, habe ich versucht in meinem Roman auszumalen. MfG von H. Kugler



Aus dem 3. Boa
Finch Schön: Was gilt mir alle Theorie, wenn mein Gefallen auf dem Spiel steht. Ändern vermag ich das Große und Ganze ohnehin nicht, was soll ich da rühren und in ein Getriebe eingreifen, dessen Mechanismus mir fremd ist. Nach der Gier kommt das Genießen, und ich werde einen Teufel tun, meine Pfründe zu beschneiden. Mit Brot und Spielen wird zudem die Langeweile genommen und sie erfüllen die Seele mit Freude und Lust.

Aus dem 4. Boa
Lexus Baader: Werte sind flüchtig und unbestimmt wie der Wind, weshalb ihr Charakter dem Fließen des Wassers gleicht. Man glaubt sie mit den Händen greifen zu können, da rinnen sie schon wie Sand durch die Finger. Es gibt nichts, was treuloser ist. Das ist zugleich eine große Herausforderung für Schaffende, ständig neue Ideen zu haben, dass den Menschen ihre Neugier erhalten bleibt. Das beste Mittel dazu sind Vorbilder, die in der Öffentlichkeit etwas darstellen. Dies reiht sich an unsere vorige Sitzung, in der wir über Brot und Spiele sprachen. Womit ich gleichzeitig anzudeuten suche, dass all unsere Sitzungen ein Ganzes zu einem bestimmten Zweck sind.






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