Mittwoch, 21. März 2018

Werkstattnotizen - 29

07.05.18
Kapitel 1 zu Lion ... - Die Gedanken sammeln sich - ist beendet. 8.860 Wörter -




05. Mai 2018
Teil 4 – Das Phänomen der fliegenden Gedanken

Es gibt etwas Seltsames in der Beziehung zwischen zwei, nicht unbedingt vertrauten, Menschen, wenn sich plötzlich eine Situation einstellt, in der jeder meint, der andere habe ihm das Wort aus dem Munde genommen. Dann vermeint die betreffende Person, man habe ihr die Gedanken gestohlen, die so punktgenau einen Vorgang, eine Meinung oder Beobachtung beschreiben, wie man sie augenblicklich selbst soeben gedacht hatte....



30.04.18
Teil 3 - Der Erfahrungsspeicher

Das menschliche Gehirn ist ein riesiger Erfahrungsspeicher, vergleichbar den digitalen Medien, die der Mensch mit seinem Wissensdrang künstlich erschaffen hat. Denn alles Tun ist ein Abbild des Gehirns, dass nur zulässt, was ihm guttut. Der Mensch weiß nur noch nicht, was Lebendiges er da unter seiner Schädeldecke mit sich herumträgt. Und wenn sich bisweilen seltsame und unerklärliche Dinge im Alltag des Menschen ereignen, sind dies unwillkürliche Handhabungen eines Geistes, der seine kombinatorischen Fähigkeiten kurz hat aufblitzen lassen. Mit anderen Worten, er wollte Schlimmeres verhindern. Man kann auch Gedankenkern dazu sagen, der in jedem Menschen vorhanden ist und der alles lenkt und leitet und nach dem sich sowohl der Charakter als auch alle Ziele im Leben richten.


12. April

Lebenslauf des Caspar H.
„Wie beginnt man eine Beschreibung seines Lebensweges, wenn der Anfang des Pfades im Dunkel des Bewusstseins liegt. Aus den Fotos und Erzählungen der Angehörigen lassen sich keine wirklich wichtigen Fakten herstellen, die unsere Gedanken und den Charakter prägten. Obgleich es für das Verstehen unseres Lebens von Belang wäre, was mit uns in den ersten Lebensjahren geschah, gibt es dafür keine sicheren Beweise. Und so setzen unsere Erinnerungen meist erst dann ein, nachdem unsere Seele schon ihre Formen aber auch Verformungen erfahren hatte. Gelegentlich lassen sich vielleicht aus den Erinnerungen unserer Eltern und deren charakterlichen Veranlagungen manches erraten, das zu der Persönlichkeit führte, mit der herumzuschlagen uns dann ein Leben lang vergönnt ist....Zwar schrieb schon Somerset Maugham, dass man mit Literatur keinen Leser zu erziehen vermochte, weil er im Grunde genommen von ihr nur unterhalten sein will, doch das war mir zu wenig für meine Fähigkeit, den Menschen, mit wohlüberlegten Texten, einen Spiegel vorzuhalten. Aber man wünschte keine Späne im Getriebe des Umsatzes.


08. April

Teil 2: Über geheimnisvolle Gedankenströme

Wie der Flügelschlag eines Vogels wallen die Gedanken eines Menschen hinter seiner Stirn. Von äußeren Reizen, wie Bildern oder Eindrücken und Informationen inspiriert, erhalten sie Anregungen, sich zu orientieren. Und da entstehen mitunter Situationen, bei denen man meint, sie seien zielbestimmt auf eine Beschäftigung gerichtet, die in ihrem Tun zwangsläufig nur so hätte von statten gehen können. Denn als ginge ihr eine bewusste Überlegung voraus, vereinen sich in solchen Augenblicken Sinn und Zweck zu einem Ergebnis, dass wie von einer Festlegung berufen sich planmäßig einstellt. Doch stattdessen zeigt sich Überraschung. Wie konnten wir so plötzlich wissen, dass genau jene Umstände notwendig waren, ein Ergebnis zu zeitigen, dem Zufriedenheit und Sicherheit anhaften. Geneigt, einer göttlichen Vorsehung Anerkennung zu schenken, besteht in solchen geheimnisvollen Momenten die Gefahr, dass man eine Vorstellung mit der Wahrheit vertauscht und einem gottgleichen Erschaffer allen Lebens seinen Glauben schenkt. Mag vielleicht vor Unzeiten, als die Menschen noch nicht so kenntnisreich um ihre Natur und Umwelt waren, aus solchen unheimlichen Momenten die Religion erstanden sein, der zum Nachdenken fähige Zeitgenosse sollte darin eine Aufgabe erkennen, sich seinen Gedanken mit unverhohlener Fantasie zu stellen.


07. April 2018

Aus dem Lebenslauf der Marion W.
...Lion suchte über das Internet alle möglichen Informationen über die Unbekannte zu erfahren.
Die Datenflüsse der Neuzeit gaben dazu reichlich Nahrung her, denn was ein Nutzer den elektronischen Medien einmal anvertraut hatte, lag dort für immer und ewig in einem Speicher, den abzurufen nur ein wenig Geschick und Ausdauer bedurfte, bis man sich ein Bild von scheinbar jeder beliebigen Person machen konnte.

02. April 2018
Schule der Gedanken

Teil 1 - Einführung
Als einen Gedanken betrachten wir einen Einfall oder eine Idee, ein Konstrukt eben, das im Prozess des Denkens entsteht. Interessant für meine Betrachtungen sei der Umstand, was dieser Prozess für unser Tun und Handeln bewirkt.
Zwar ist die Literatur voll von Beispielen, die ich zur Untersuchung heranziehen könnte, ich will hier aber einen besonderen Versuch wagen, der nahe am okkulten gelegen ist, wenig Beweisbares beinhaltet und zu jenen Dingen des Lebens gehört, denen atmosphärische Illusionen anhaften. Ich bemühe mich zwar hier des Begriffes der Übersinnlichkeit, meine allerdings etwas anderes zu beschreiben, bei dem kein Gespräch zu einer verborgenen Welt gesucht wird, sondern eine bestimmte Handlung vermittels von Gedanken gesteuert werden kann. Wer schon einmal den Versuch unternommen hat, das Verhalten eines Menschen durch Manipulation, d.h. gezielte Einflussnahme durch Vorbilder oder Versprechungen, zu bewirken, weiß in einem ersten Ansatz worauf ich hinauswill. Im Gegensatz dazu soll allerdings die Einflussnahme nicht durch ein verbales Geschick erreicht, sondern mit stummer Vorstellungskraft eine Handlungsfolge zu einem bestimmten Ergebnis herbeiführt werden. Pauschal ausgedrückt soll untersucht werden, auf welche Weise Gedanken dazu beitragen können, dass ein Ereignis zu einem gewünschten Augenblick führt.
Es ist hier nicht der Platz für einen philosophischen Exkurs und wir wollen zudem einem Allgemeinverstand mit diesem Artikel Rechnung tragen, weshalb Wert auf eine populäre Ausführung gelegt sei, dass in Folge seiner Veröffentlichung ein Diskurs unter meinen Lesern möglich werden kann. Zweifelsohne werden nicht alle Leser die Schule der Gedanken verstehen. Und wie es unterschiedliche Charaktere unter dem Geschlecht der Menschen gibt, die den Ansichten und dem Tun andersgeartete Verhaltensweisen entgegenbringen, so kann eine Schule der Gedanken nicht auf einen jeden Menschen maßgeschneidert werden. Es muss zu ihrer Fähigkeit eine Seele gehören, die zu den Unwahrscheinlichkeiten des Lebens bereit und nicht schon durch die strikte Logik alles Beweisbaren verfestigt ist.
Wir ahnen, dass, wie es dem Magnetismus eigen ist, unsichtbare Kräfte in der Natur vorhanden und physikalisch nachweisbar sind, doch darüber hinaus hält sie möglicher Weise noch einen Einfluss bereit, für dessen Wirksamwerden geheimnisvolle Kräfte erforderlich sind. Eine Mutmaßung als Zusammenspiel zwischen einem Medium und dem Menschen ist gemeint, der bestimmte empirische Voraussetzungen und Empathie eigen sind.
Fortsetzung folgt: Über Geheimnisvolle Gedankenströme


26.03.2018
Von der Demut des Dienens

Es soll hier nicht von der inneren Einstellung eines Menschen gegenüber irgendeinem Herren, Gott oder Schöpfer die Rede sein, sondern jener Haltung von Mensch zu Mensch das Wort verleihen, die als Brücke des Verständnisses über charakterliche Eigenarten zu schlagen ein Verhalten unterstützen sollte. Wie die Überschrift schon andeutet, geht es nicht um eine Anbetung, sondern sucht ein Tun zu beschreiben, dem positive wie auch negative Eigenschaften anhaften können und dem gelegentlich ein Sinnbild der Unterwürfigkeit vor dem geistigen Auge aufsteigt. Dem gegenüber steht eine andere Art des Verhaltens, die sich umkehrt und vom Wort her erhöht, der Hochmut. Anders als deren kleine Schwester, die Demut, hat er wenig mit dem Dienen gemein und fühlt sich auf eine Weise erhaben, die Ursache für manche, vielleicht sogar viele Probleme zwischen den Menschen ist. Aus ihr, der Hochmut, ragt ein Stachel, dem des Skorpions gleich, der einen Menschen vergiften und unter Umständen töten kann. Im Glauben, der Allwissende, alles Könnende zu sein, wird Ehrfurcht vor den natürlichen Dingen des Lebens von ihm mit Füßen getreten. Obgleich damit wenig geeignet, Vertrauen unter einen gesellschaftlichen Gemeinsinn zu säen, bestimmt Hochmut schon lange den Geist der Menschen und negiert alle Folgen, die sich aus seinem Tun gegenüber schwindenden Ressourcen ergeben. Doch kehren wir zum Grund und Boden zurück, dorthin, wo die Demut ihren Ursprung hat.
Der Philosoph Kant sagt über die Demut: Sie „ist so indirekt Indikator für die eigentliche Würde des Menschen als eines freiheitlichen Vernunftwesens.“ Als ein solches sich verstehen und begreifen ist angeraten, wenn der Mensch sich um die übermächtige Natur bemüht, weil sie ihm das Leben mit all ihren Schön- und Prächtigkeiten erlaubt.


„…magische Zuflucht, in die ich, so oft
ich geistig dazu bereit war, für Stunden
eingehen konnte, und wohin kein Ton
aus der aktuellen Welt drang.“
Hermann Hesse an Martin Hesse, 03.12.1943



21.03.2018
Das neue Projekt steht unter dem Motto, dass ich bereits in einem unveröffentlichtem Artikel als Schlusssatz gewählt hatte:
... dass sich der Mensch in erster Linie selbst verändern muss, bevor er seine Lebensbedingungen umgestalten kann.
Das Projekt enthält auch eine "Schule der Gedanken" und Gruppengespräche über das Zeitgeschehen. Ich weiß, dass ich damit vermutlich wieder wenig auf Gegenliebe stoßen werde, aber ich kann mich dem Geplauder der heutigen Literatur einfach nicht mehr anschließen. Unsere Lage auf diesem Erdenrund ist ernst, wann endlich beginnt die große Politik das zu verstehen. Für mich dient dieses Projekt der Selbstverständigung, mehr wird es nicht bieten können.

Das größte Glück auf Erden ist geliebt zu werden, schreibt Victor Hugo und ich ergänze, dass Glück zu bereiten, die eigentliche Bestimmung des Menschen sein sollte. Die Demut des Dienens.

22.03.18
Gilt auch für mich:
Je weniger man endgültig, je mehr man nur vorläufig, der Erinnerung und des Nachdenkens halber schreibt, desto mehr wird die Formulierung der verbindlichen Geschichte und der endgültigen Sätze zum Inbegriff des Glücks. (Aus Marbacher Magazin - Hermann Hesse Diesseits des Glasperlenspiels).

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