Sonntag, 24. Mai 2020

Buchempfehlungen VII

Buchempfehlung: - 81
Arthur Schopenhauer – Die Welt als Wille und Vorstellung II. Teil

Insel Verlag – 22-24. Tausend, Jahr k. A., – 14 Seiten

Das Werk selbst mit eigenen Vorstellungen zu empfehlen, ist ein Vorhaben, dass sich allein durch Selbstgenügsamkeit für den Leser erschließt, denn die Gedankengänge des Autors sind so unübertrefflich, dass es ein waghalsiges Unternehmen wäre, sich an einer Beurteilung zu versuchen. Das Buch sei aber für meine Unternehmung, Bücher von Wert für einen Leser zu empfehlen, unerlässlich, denn zu einen ist der Stil dazu angetan und zum anderen der gedankliche Inhalt von lehrhafter Schwere, dass ich nicht auf die Erwähnung dieses Buches in meiner Reihe verzichten möchte. Eine Buchstelle aus dem 15. Kapitel des zweiten Buches möge meine Aussage bestätigen, die mir zudem vom Inhalt her passend auf das Anliegen meiner Bücherempfehlungen erscheint: „Könnte dem Publiko die selbsteigene Einsicht hierin verliehen werden; so würde es nicht mehr die ihm zu seiner Bildung kärglich zugemessene Zeit vergeuden an den Produktionen gewöhnlicher Köpfe, also an den zahllosen Stümpereien in Poesie und Philosophie, wie sei jeder Tag ausbrütet; es würde nicht mehr, im kindischen Wahn, dass Bücher, gleich Eiern, frisch genossen werden müssen, stets nach dem Neuesten greifen; sondern würde sich an den Leistungen der wenigen Auserlesenen und Berufenen aller Zeiten und Völker halten, würde suchen sie zu kennen und verstehen zu lernen, und könnte so allmälig zu ächter Bildung gelangen. Dann würden auch bald jene Tausende unberufener Produktionen ausbleiben, die wie Unkraut dem guten Weizen das Aufkommen erschweren.“
Kann man treffender die zu Tausenden pro Jahr den Buchhandel überschwemmender Publikationen charakterisieren, die dem Leser aus marktwirtschaftlichen Gründen, das wohltuende Lesen erschweren? Von Bildung ganz zu schweigen. Doch kommt es unserer Gesellschaft überhaupt darauf an, kluge Geister zu unterstützen, wo doch Umsatz so notwendig wie das Blut im menschlichen Körper ist, dem Wachstum des Kapitals mit allen Mitteln zu dienen. Diese Frage möge jeder Leser für sich beantworten. 24.05.2020

Sonntag, 26. April 2020

Ein Kleinod der DDR-Buchkultur

Textauszug zum Buchprojekt "Stickelberger"


Ein sonderbares Verhalten hat sich meiner Person bemächtigt, dass darin besteht, dass ich ehemalige kostengünstige Buchausgaben, die in der DDR erschienen sind, zu erhalten suche. Insonderheit sind das vor allem die Reclam-Bändchen, die bb-Taschenbuchausgaben, Taschenbücher der Weltliteratur (TdW) oder die schwarzen Spektrum-Ausgaben des Verlages Volk und Welt. Schon füllen diese Bände ein halbes Bücherregal und ich nehme sie wieder gerne zur Hand und fühle dabei eine Vergangenheit, die mir vor vielen Jahren mit solchen Büchern meine Liebe zu den Büchern geweckt hatte. Mit Bedauern, aber auch mit Scham gedenke ich meiner Entscheidungen, gerade diese kleinen, schmalen Zeugnisse der DDR-Bücherwelt nach dem Öffnen des bundesdeutschen Buchmarktes aus meiner Bibliothek verbannt zu haben. Nun ist ein neues Sehnen nach ihnen entstanden und ich frage mich, was wohl die Ursache dieses Wunsches ist, gerade diesen Büchern wieder habhaft zu werden. Entstanden und verlegt zu einer Zeit, die meine Vergangenheit war und die ein gesellschaftliches System wiederspiegelt, dass in der Geschichte versagt und manch Ungerechtigkeit verursacht hatte, sind diese Bücher doch unschuldig daran, dass ihre Herren einer Befreiung der Menschheit vom Joch der Ausbeutung nicht gewachsen waren.
Aber vielleicht ist es genau dieser Ansatz, angesichts der gegenwärtigen Situation in der Welt, in der dringend nach Alternativen zur Bewahrung der Menschheit gesucht wird, die sich mit ihrem Fortschritt auf der Basis der Marktwirtschaft derart übernommen hat, dass die auf der Erde verfügbaren Ressourcen schon heute eine Leihgabe aus dem Erbe nachfolgender Generationen ist. Der Autor Cibulka hat es vor Jahren schon auf den Punkt gebracht, als er feststellte, dass die neue Generation es fertigbringen muss, umzudenken, denn wenn sie es nicht kann, seien die Tage der zivilisierten Menschheit gezählt.
Sei es, dass ich vermittels der Bücher eines gescheiterten Systems darauf verfallen bin, den Ansatz, den das System der DDR im Schilde führte damit zu rechtfertigen, dass ein humanes System, bei dem die Menschlichkeit im Vordergrund und nicht der monetäre Gewinn im Fokus steht, eine Alternative zum Abgrund darstellt, auf den der Kapitalismus unweigerlich zusteuert. Und ich frage mich, warum ich dieses bb-Taschenbuch „Das Impressum“ der Nummer 438, dass ich vor wenigen Stunden aus einem öffentlichen Bücherschrank gefischt habe, wie eine Offenbarung in meinen Händen hin- und herwende. Vielleicht ist es der Sinn des Wortes Impressum, was besagt, dass es die Verantwortlichen eines Buches, hier respektive eines Gesellschaftssystems, aufzählt und mir kommt dabei in den Sinn, wie die Geschichte des kleinen unbedeutenden Landes DDR wohl verlaufen wäre, wenn in seinem verantwortlichem Gremium solche Menschen wie Thomas Morus, Alexander von Humboldt, Friedrich Bülow, Mahatma Gandhi oder Albert Einstein gesessen hätten. Aber das ist eine Fiktion, vielleicht auch nur ein Wunschdenken oder einfach die Sehnsucht nach einer Zeit, die noch immer ihren Beweis schuldig geblieben ist. Ihre Bücher aber sind und bleiben hingegen beredets Zeugnis einer Epoche, die eine Chance in den Händen gehalten hatte. Dergestalt sind diese meist schmalen Bände in Softcover nur ein Denkmal, mit dem ich mein Verhalten vor mir selbst entschuldige und Enttäuschungen zu kaschieren suche. Vielleicht aber sind sie auch eine Flucht vor der Wirklichkeit, wie man vor Dingen und Problemen flieht, auf deren Grund die Hilflosigkeit lauert.

Donnerstag, 23. April 2020

Buchempfehlung VI

Ein Buch aus gegebenen Anlass

Buchempfehlung: - 71
Waldemar Bonsels – Himmelsvolk
Schuster & Löffler Berlin – 111.-120. Auflage, 1996, – 215 Seiten
„Der ganze Zustand unserer zivilisierten Welt drängt zu einer Erneuerung des Lebens von Grund auf. Da bedeutet es eine wahre Erlösung, auf einen Menschen zu stoßen, der ohne Blindheit und Lebensscheu, ohne falsche Romantik und Weltflucht, als Dichter ein Reich der Schönheit und Reinheit über dem Reich der Lebensnot aufbaut, dem Dichtung, Deutung und Gestaltung ganz gegenwärtigen Lebensstoffes ist, und dem aus der Not der Zeit das Erlebnis der Natur als Stoff seines Dichtens zuwächst. Weil in ihm die Sehnsucht nach Erneuerung des Lebens Stimme wird und er zugleich als wirklicher Dichter seine Sehnsucht zu gestalten zu zwingen vermag – deshalb grüßen wir Waldemar Bonsels als einen Pfadfinder zu neuen Zielen, zu Menschlichkeit und Natur, dem durch die Größe seiner Empfindung ein Hymnus auf die Allmacht des menschlichen Herzens erwächst. (Münchner Zeitung ca. 1915)

Sonntag, 29. März 2020

Corona

Gerne auch zum Kopieren und weiterverbreiten

Denn was nützt es den Menschen, so er die ganze Welt gewänne, und nähme doch Schaden an seiner Seele (und seinem Körper).
Gustav af Geijerstam 1910

Der Bote
Zu lesen war unlängst in einer hiesigen Zeitung der Artikel eines Apothekers aus Dippoldiswalde über die derzeitige Pandemie, der darin fragte, ob es normal ist, regelmäßig Fernreisen zu machen und ob es nicht manchmal einfach ausreichend wäre, in der näheren Heimat, zum Beispiel in der Sächsischen Schweiz, zu wandern. Dem muss man allerdings die Realität entgegensetzen, dass der wirtschaftliche Markt eine Globalität geschaffen, die jeden Winkel der Erde erschlossen und erreichbar gemacht hat. Dem Menschen in seiner grenzenlosen Neugier und seinem Willen vom in Besitz nehmen-, muss haben-, muss sehen- und muss erleben wollen, was ihm diese Globalität nutzbar gemacht hat, ist somit kein Ziel zu weit, sich dort für wenige Tage aufzuhalten. Wenngleich er meist wenig oder fast nichts von den dort vorherrschenden Kulturen versteht, so genügt ihm doch der einmalige Anblick und ein Foto als Beleg, dass er den Gran Canyon, die Pyramiden oder den roten Felsen der Aborigines betrachtet, am Nordkap weilte oder das Taj Mahal aus der Nähe gesehen hat. Reisen in ferne Länder ist dem Menschen zur zweiten Natur geworden und so nimmt es nicht Wunder, dass er seinen Körper den jeweilige klimatischen Gegebenheiten aussetzt und sich mit ihnen infiziert und, wie geschehen, einen Virus in seinem Organismus mit nach Hause bringt und zur weiteren Verbreitung beiträgt.
Nun ist ihm dieses Verhalten nicht anzukreiden, denn verantwortlich dafür ist das globale System, dass ihm diese Möglichkeiten geschaffen und entwickelt hat, ein System, dass ohne Rücksichtnahmen zur Mehrung von Reichtum alle Register seiner Fähigkeiten zieht und dabei Verbindungen knüpft, die die Erdkugel mit einem Netz zur Ausbeutung von Ressourcen und Arbeitskräften überzieht.
Nun hat die Natur der Menschheit einen Boten geschickt und es ist vielleicht nicht verwunderlich, dass der Bote zuerst im fernen China auftauchte, jenem Land, dass in den letzten Jahren eine über alle Maßen wirkende Entwicklung genommen und die ihren wirtschaftlichen Einfluss auf alle Teile der Welt ausgestreckt hat. Dieser Bote, ein winzig kleiner Virus hatte es leicht von dort seinen Weg über alle Teile der Welt zu nehmen, denn zahlreich waren und sind die Konsumenten, die sich der globalen Logistik bedienen und den Boten in all ihre Herkunftsländer transportieren. Ein System, dass die Forschung erbarmungslos für ihre Zwecke der Bereicherung ausnutzt, achtete bislang wenig oder gar nicht auf mögliche Folgeerscheinungen und hat den Ausbreitungswillen der Menschheit bisher uneingeschränkt unterstützt. Nun ist ein kleiner Virus in die Zentrale ihres Wirtschaftssystems eingedrungen und hat das Räderwerk erstmals empfindlich an seinem Funktionieren gestört. Die Menschen haben oder mussten darauf reagieren, ihre Gesundheit geriet in Gefahr und mit ihr der Konsum ins Wanken.
Aber was ist nun die Nachricht des Boten? Wünsche werden laut, die davon erzählen, was der Bote in die Gegenwart trägt und bewirkt und eine nie gekannte Bescheidenheit bei den Menschen in ihren tagtäglichen Gewohnheiten erzwingt. Das Leben hat sich plötzlich verlangsamt und Formen angenommen, die dem Miteinander der Menschen eine neue, nie erahnte Form der gegenseitigen Abhängigkeit verleiht. Von einem Tag auf den nächsten muss es anspruchsloser zugehen und das Leben der Menschen wurde in allen Bereichen ihrer Wünsche eingeschränkt. Sie müssen mit weniger zufrieden sein und ihr Aktionsradius wurde auf die Heimat begrenzt.
Geben diese neuen Bedingungen den Menschen eine neue Chance und begreifen sie vielleicht, dass die Ursachen von allem, im Gesellschafts-System begründet liegen und die viel gerühmte Marktwirtschaft versagt hat, der Menschheit eine Zukunft zu garantieren. Die gnadenlose Ausbeutung der Natur mit seiner Ausweitung über den gesamten Erdball bringt Verstrickungen mit sich, die scheinbar nicht mehr beherrschbar sind und Probleme erzeugen, die durch die Globalisierung in alle Teile der Erde getragen werden.
Nun, da eine Pandemie ausgebrochen und das Leben der Menschen bedroht ist, beginnen sie darüber nachzudenken, ob ihr Tun und Streben von sinnvollem Inhalt ist und war. Plötzlich zählen wieder ganz normale Werte, Werte von so einfachem Inhalt, die kaum aufwendig, aber dafür umso ehrfürchtiger sind.
Die Wortbedeutung von Corona heißt Kranz, bedeutet aber auch eine Gruppe von Bekannten und Freunden. Über diese Beziehungen wird der Mensch im Grunde genommen zum wirklichen Gesellschafter und wenn er sich in Zukunft auf diese Bedeutung und Solidarität beruft, dann hätte er vielleicht den Willen des Boten verstanden.

Dienstag, 10. März 2020

Buchempfehlungen IV

Nachfolgend ein paar Lesermeinungen zu meinem Buch "Das Vermächtnis der Bücher" - einfach klasse. Auf Amazon sind leider nur noch zwei gebrauchte Exemplare erhältlich


Dieses Buch macht süchtig
- In diesen nicht einmal 126 Seiten Buch, steckt so viel Handlung wie in einem über 1000 Seiten Wälzer! Das Buch hat mich aufgrund seines Covers angesprochen und ich habe es nicht bereut es gelesen zu haben. Es ist eines dieser Bücher die einen in den Bann ziehen und jedes Bücher Herz höher schlagen lassen. Dieses wirklich dünne Buch hat so viel Handlung, Spannung und Gänsehaut Feeling, einfach nur der Wahnsinn. Es ist vergleichbar mit Charts Dickens Weihnachts-Geschichte nur das es hier nicht um den Geister der Weihnacht geht, nein viel mehr um den Geist der Bücher und dessen Seele und Botschaften. Es ist nicht religiös und auch nicht spirituell geschrieben, keines Wegs, es ist einfach ein Buch mit Seele in dem es um Geschichten und ihre Einbände geht und um einen mysteriösen Mord Fall. Ganz Klasse

- In 3 Kapiteln legt der Autor, aus dessen Feder hier u.a. schon "Der Bibliophilen-Abend" und "Die Magie der Bücher" vorgestellt werden konnte eine umfangreiche Erzählung vor, welche nicht nur für den Krimileser, den Freund der Historienliteratur oder einfach den Buchliebhaber von Interesse ist, sondern auch für den Freund guter Gedanken zum Gedruckten. Hier erhält der Leser ein Buch, welches sich vor allem durch die geistreichen Anmerkungen zum Einfluss des Buches auf den kulturellen und wissenschaftlichen Fortschritt, wie auch auf die Persönlichkeit des Lesers auszeichnet. Diese Mischung aus der Schilderung des Werdegangs eines Calvin Radoldt zum Bibliothekar, über dessen späteren Tod durch den Dolch der Leser gleich im ersten Satz in Kenntnis gesetzt wird und den philosophischen Betrachtungen zum Geist der Bücher machen dieses Buch lesenswert - selbst die Enthüllung über seinen Tod findet, wie auch über den Tod seines Amtsvorgängers, eine originelle, antizipierende Aufklärung. Wie das gemeint ist? Lesen Sie selbst!

Montag, 2. März 2020

Stickelberger

Das Vorwort zu meinem jüngsten Buchprojekt über Buchempfehlungen

Nachfolgend werden eine Reihe von Buchempfehlungen aufgeführt, die ich in den letzten Jahren für mich entdeckt, aber auch zur geistigen Beschäftigung ausgewählt hatte. Ich hielt mich dabei zum Teil an die Bemerkung von Emanuel Stickelberger, dem ich nur zustimmen kann, denn eine Beschäftigung mit unserer Klassischen und Altvorderen-Literatur erst gibt dem gebildeten Menschen das nötige Grundgerüst, seine und die Geschichte seiner Zeit zu verstehen. Denn eines baut auf das andere auf und wie schon Goethe bemerkte, hängt alles in dieser Welt auf geheimnisvolle Weise miteinander zusammen. Der Mensch bildet sich ein, durch seinen gewonnenen technischen Sachverstand und die Hilfsmittel, die er sich damit geschaffen hat, der Erde ihre Geheimnisse entrissen zu haben, doch das ist weit gefehlt. Zwar hat er sich manche Bequemlichkeit dadurch geschaffen, dass er die Natur ausbeutete, doch ihre innersten Zusammenhänge hat er dabei grob fahrlässig außer Acht gelassen. Nur auf sich, als der scheinbar größten Errungenschaft des Lebens auf dieser Erde bedacht, hat er seinen Fortschritt aus den Ressourcen dieser Welt gezogen, ohne die Folgen seines Tuns zu bedenken. Dabei hat es in der Weltgeschichte genug aufgeschlossene Geister gegeben, die manche Grundlage für diesen Fortschritt bedachtsam in den Fokus menschlicher Erkenntnis gezogen haben. Und anstatt ihnen weiterhin bedachtsam zu begegnen, hat der Mensch des Neuzeitalters eine Fantasie des Wachstums entwickelt, der von maßloser Gier nach Reichtum begleitet jegliche Vorsicht in den Wind schlägt. Vergessen sind alles Geruhsame, Besinnliche und Ehrfürchtige, das einen ruhigen Lebensfluss gewährt, wozu auch das Lesen jener Autoren gehört, die mit ihren Werken den Grundstein für den geistigen Reichtum der Völker geschaffen haben. An diese zu erinnern, habe ich mich mit diesen Empfehlungen zu einem Vorhaben emporgeschwungen, das der Hoffnung auf eine Kehrtwendung der Gedanken ein wenig Nahrung anheimstellen will. Denn, wie schon Hermann Hesse geschrieben hat, befindet sich die beste aller Welten, die der Mensch geschaffen hat, in der Welt der Bücher.

Mittwoch, 26. Februar 2020

Textauszug

Ein Flugblatt, gegen den Technikwahn der Menschheit

Viel Kraft, Mühen und vor allem finanzielle und natürliche Ressourcen wendet die Menschheit dafür auf, den für sie lebensfeindlichen Weltraum zu erkunden und sich dabei gleichzeitig zum Ziel setzt, auf dem Mond oder dem Nachbarplanten des Mars beispielsweise, eine Kolonie für die Menschheit einzurichten. Wer, so fragen wir, würde bereit sein, dort seine Zelte aufzuschlagen, wo kein Baum, kein Strand, eine Wiese und vieles Klein- und Großgetier das Menschenherz mit ihrem Anblick erfreuen und stattdessen nur eisige Kälte, Ödnis und Staub eine Umwelt zum Leben bilden.
Die von Menschenhand und vom Geist des Menschen erschaffene Technik, gerät mit dem Fortschritt seiner Vervollkommnung immer mehr außer Kontrolle seiner Beherrschung, denn wie in einem Fieberwahn sucht der Mensch sich dabei als ein Gott zu verwirklichen, der Leben schaffen, verändern oder zu kontrollieren seinem Willen anheimstellt. Nur wenige Geister vermögen in das Innere dieses Mechanismus zu schauen, die Mehrheit der Menschen wird zu ihren Probanden oder Konsumenten gestuft, die in jeder Phase ihres Lebens überwacht und dann manipuliert werden. In ihrer Folge wird auch deren Psyche zerstört und die Menschen werden aggressiv, intolerant gegen ihre Mitmenschen und gläubig einer technischen Religion, die nur ihre Abhängigkeit zum Inhalt hat.
Die Politik wurde dabei längst ihrer bestimmenden Aufgabe enthoben, denn ihr Einfluss auf das Wohl der menschlichen Gesellschaft wurde ihnen von einer Lobby abgekauft, einer Lobby, die im Hintergrund als die eigentlichen Machthaber und Entwickler einer Zukunft agieren, die nur von ihren Zielen bestimmt sind. Als Frontfiguren haben die Politiker, wenn sie nicht gerade mit Grabenkämpfen beschäftigt sind, den Menschen ein Leben zu konfigurieren, dass ihnen Zufriedenheit und einen Wohlstand zubilligt, der ihr Denken im Zaum hält und ihren Ehrgeiz nach Selbstverwirklichung befriedigt. Auch dazu dient vor allem der Technikwahn, der den Menschen einen Fortschritt suggeriert, der in Wirklichkeit mit dem Lebensraum erkauft wird, der allen Menschen auf dieser Erde von ihrer Evolution gegeben, beziehungsweise geschenkt wurde. Mit der Digitalisierung wird eine Computerwelt geschaffen, die den Anfang vom Ende menschlicher Selbstbestimmung einleitet.