Freitag, 18. Oktober 2019

Buchempfehlungen II

18. Oktober 2019

Buchempfehlung: - 9
Franz Werfel – Der Abituriententag
Aufbau Verlag Berlin u. Weimar -1965 – 1. Auflage – 275 Seiten
Die Schilderung eines späten Klassentreffens ist eine Genusslektüre, wenn einer der Beteiligten feststellt, dass erst die Zeit allein das wahre Talent zur Reife bringt. Aus Kindern wurde eine Zweiklassengesellschaft, deren Mitglieder sich seltsam zueinander hingezogen fühlen, Eitelkeiten, wichtigtuerische Einfalt oder brütende Schlaffheit an den Tag legen. Man prahlt und schwindelt, was die Gedanken hergeben und wäre da nicht der eingebildete Jurist Doktor Ernst Sebastian, der einen Mitschüler zu verurteilen hat und an seinem Schicksal die Fassade einer Gesellschaft aufblättert, dann wäre das Hohle einer solchen Zusammenkunft schon hinreichend charakterisiert.
Aber die Handlung wendet sich, als der Rechtsanwalt Sebastian, vom Abituriententreffen nach Hause zurückgekehrt, sich an seinen Schreibtisch setzt und seine Jugend schriftlich aufarbeitet. Nach und nach entwickelt sich dabei die Erkenntnis, dass aus dem einst erfolgreichen Mitschüler Franz Adler ein Verbrecher wurde, während aus dem Betrüger Ernst Sebastian, der sich Plagiate für seinen Ruhm bediente, ein Rechtsvertreter geworden war. Es ist dies die fiktive Aufarbeitung einer Jugendschuld, die eine frappante Aufklärung nimmt, bei der Sebastian einen der unwiederholbaren, unwiedervorstellbaren Augenblick unseres Daseins erlebt, in denen es zur Zündung kommt zwischen Gott und Mensch. Man sollte sich seines Verhaltens immer eingedenk sein, denn manchmal holt uns die Gegenwart in die Vergangenheit zurück.

Deutscher Buchpreis 2019

Ich bin ein ewig Gestriger und habe vielleicht noch 15 Jahre Lebenszeit vor mir. Was das Lesen anbelangt, so möchte ich in dieser Zeit noch den Felix Krull, Siebenkäs, die Nonne, Witiko, Haus ohne Hüter und die Wahlverwandtschaften lesen, um nur einige zu nennen und halte es da mit Maxim Biller, der auch mit der deutschen Gegenwartliteratur nicht mehr viel anfangen kann und der in einem Artikel über den neuen Deutschen Buchpreisträger damit zitiert wird, dass sie fade und bissarm daherkommt. Apropos deutscher Buchpreisträger, ich empfinde es als unpassend, ja beschämend für den Preisträger des Deutschen Buchpreises Sasa Stanisic, dass er in seiner Dankesrede den aktuellen Nobelpreisträger Peter Handtke angreift und ihm Lüge und Verklärung zu einem Jahre zurückliegenden Text vorwirft. Damit werden zugleich die Juroren des Nobelpreiskomitees an den Pranger gestellt und ich weiß nicht, ob das für einen intelligenten Menschen angemessen ist. Man sollte doch das eine, die zurückliegenden Geschehnisse in Bosnien, nicht gegen literarischen Leistungen aufwiegen. Peter Handtke ist ein verdienstvoller Schriftsteller, der auf ein ansehnliches Werk zurückgreifen kann. In Ihrem Artikel vom 15.10.19 wird das neueste Werk des Buchpreisträgers Sasa Stanisic kurz vorgestellt, was mir nicht erlaubt dieses Buch "Herkunft" und seinen Autor zu beurteilen. Aber sein Verhalten, dass des Buchpreisträgers während der Dankesrede in Frankfurt, halte ich für eine Festveranstaltung anlässlich der Verleihung des Deutschen Buchpreises nicht für angemessen. Auf der Fettbrühe einer Buchpreisverleihung schwimmend, einen Nobelpreisträger anzugreifen, kommt mir einem unausgewogenem und unüberlegtem Verhalten gleich, und ich frage mich, ob das Komitee für den Deutschen Buchpreis die richtige Wahl getroffen hat.

Montag, 30. September 2019

Buchempfehlung

15.Oktober 2019

Buchempfehlung: - 8
Erich Kästner – Fabian – Die Geschichte eines Moralisten
Aufbau Verlag Berlin -1979 – 2. Auflage – 242 Seiten
Den Roman hat Erich Kästner bereits im Jahr 1931 erstveröffentlicht und er enthält folgende interessante Passagen:
„Wir werden nicht daran zugrunde gehen, dass einige Zeitgenossen besonders niederträchtig sind, und nicht daran, dass andere besonders dämlich sind. Und nicht daran, dass einige von diesen und jenen mit einigen von denen identisch sind, die den Globus verwalten. Wir gehen an der seelischen Bequemlichkeit aller Beteiligten zugrunde. Wir wollen, dass es sich ändert, aber wir wollen nicht, dass wir uns ändern.“ Und über die Presse schreibt er: „Glauben Sie mir, mein Liebster, was wir hinzudichten, ist nicht so schlimm wie das, was wir weglassen.“ Und, „Mein Charakter ist meinem Verstand in keiner Weise gewachsen.“
Der Fabian ist ein Buch, dass zynisch und satirisch zugleich daherkommt und dass in seiner versteckten Kritik den Reformwunsch an einem System zur offenkundigen Notwendigkeit stempelt. Der Autor sagt über sein Buch, dass es im Grunde genommen kein unmoralisches, sondern ein moralisches Buch sei, mit dem er seine Zeitgenossen aufrütteln und mit dem er ein bestimmtes Ziel verfolgte. Er wollte vor dem Abgrund warnen, auf den sich Deutschland zubewegte. Heute nun, achtzig Jahre später, ist der Inhalt des Buches nach wie vor aktuell. Man stehe am Krankenbett des Kapitalismus, meine ich beim Lesen zu empfinden, wegen einer Krankheit, die scheinbar 1931 schon ausgebrochen und sich nun dem Endstadium nähert. Und zu seiner Erklärung und Genesung dieser Krankheit nimmt die Politik und Wissenschaft Zuflucht zum Klimawandel, den zu bekämpfen die systembedingten Ursachen vertuschen soll. Aber das bürgerliche Gedankengebäude bröselt, denn es hat sich als ein fataler Irrtum erwiesen, dass der Mensch gut wird, wenn es ihm gut geht, weil, er will daran partout nichts mehr ändern und es ist ihm im Grunde genommen gleichgültig, was sein Tun fürderhin zeitigt, wenn nur die Kasse stimmt.


11. Oktober 2019

Buchempfehlung: - 7
Anatole France – Aufruhr der Engel
Aufbau Verlag Berlin -1986 – 1. Auflage – 279 Seiten
Ein in jeder Beziehung lustvoller Roman des Nobelpreisträgers von 1921. Zunächst wird die Handlung in der Bibliothek von René d’Esparvieu durch das heimliche Verschwinden wertvoller Bücher aufgeregt, worüber sein Konservator Sariette nahezu den Verstand verliert. Ein noch unsichtbarer Engel hat die Büch zu seinem Studium der Religionen entführt. Im weiteren Verlauf der Handlung kommen Engel kommen in Scharren auf die Erde, um von dort ihren Protest gegen die oberen Götter im Himmel anzuzetteln. Der eine und andere Engel sind zudem als Schutzengel tätig und als dem jungen Maurice d’Esparvieu der Schutzengel Arcade abhandenkommt, fühlt er sich wie ein Körper ohne Seele. Die Engel sind von den Zärtlichkeiten der irdischen Frauen überaus angetan, so dass selbst der Engel Arcade seinen Herren mit dessen Geliebten Gilberte betrügt.
Zu guter Letzt erobert der Satan den Himmel und der alte Gott Jaldabaoth stürzt in den Hades hinab. Doch alles war nur ein Traum, denn „Der besiegte Gott wird zum Satan werden, der siegreiche Satan wir zum Gott. Jeder Krieg zeugt neuen Krieg und der Sieg die Niederlage. Aber was nützt es, das die Menschen Jaldabaoth nicht mehr unterworfen sind, wenn der Geist Jaldabaoths noch in ihnen ist, wenn sie nach seinem Ebenbild eifersüchtig, gewalttätig, streitsüchtig und habgierig sind…“ Mit diesen Fragen endet das lesenswerte Buch.


10. Oktober 2019

Buchempfehlung: - 6
Christa Wolf – August
Suhrkamp Verlag Berlin - 2013 – 5. Auflage – 40 Seiten
Lesung von Jutta Hoffmann SLUB Dresden am 07.10.19
August ist eine Erzählung, die Christa Wolf im Jahr 2011 ihrem Mann zum 60. Hochzeitstag schenkte. Erzählt wird darin von den Erlebnissen des kleinen August, der nach Kriegsende in einem Krankenhaus, genannt „Mottenburg“ weilte, während der erwachsene August einen Bus mit Rentnern von Prag nach Berlin kutschiert. Es ist zugleich ein Portrait dieses Busfahrers, der sich seiner Kindheit erinnert und Christa Wolf schildert ihn mit den Eigenschaften eines ehrlichen und zuverlässigen Mannes, wie sie es wohl auch an ihrem Gerhard geschätzt hat. Ein leise Erzählung, voller Humor und Lebensweisheit.


09.Oktober 2019

Buchempfehlung: - 5
Nikos Kazantzakis – Alexis Sorbas
Verlag Neues Leben Berlin -1974 – 1. Auflage – 583 Seiten
Ein Schriftsteller trifft auf den einfachen Mann Alexis Sorbas, der ihn das Leben zu lieben und den Tod nicht zu fürchten lehrt. Vermittels der Sprache des Tanzes zeigt er ihm die einfachen Dinge des Lebens, die Liebe, das Spiel und die Arbeit zu wertschätzen. Auch wenn manches dabei zu Bruch geht, wie die von ihm geplante und gebaute Seilbahn zum Befördern von Holz in das Tal, verlässt ihn der Gleichmut nicht. Wenn man am Ende das Buch schließt, hat man einen neuen imaginären Freund gewonnen, und wer die wundervolle Verfilmung mit Anthony Quinn in der Hauptrolle des Alexis Sorbas gesehen hat, bekommt dazu auch noch ein Gesicht geschenkt. Das Buch gelegentlich immer mal wieder zu lesen, ist wie ein freudiger Funke, der auf das Gemüt überspringt und zur Quelle neuer Toleranz gedeiht.


04. Oktober 2019

Buchempfehlung: - 4
Brigitte Reimann – Franziska Linkerhand
Verlag Neues Leben Berlin -1974 – 1. Auflage – 583 Seiten
In diesem Buch geht es um die Architektin Franziska Linkerhand, die sich mit ihrem Vorgesetzten Schafheutlin um die Prämissen des sozialistischen Aufbaus reibt. Das Buch ist sehr detailverliebt formuliert und mit vielem Kleinklein versehen, was ihm den Eindruck verleiht, dass ihm doch die letzte Überarbeitung der Autorin fehlt. Brigitte Reimann ist am 20. Februar 1973 in Folge einer Krebserkrankung verstorben und konnte das Buch nicht mehr beenden.
In dem Roman kommen viele bekannte Details zur Sprache, die einem gelebten DDR-Bürger vertraut sein müssen und ihm eine Zeit lebendig werden lassen, die ein Gefühl für die damaligen Lebensumstände wecken. Wer sich dessen einmal wieder erinnert sein will, der lese dieses Buch und wer diese ihm unbekannte Zeit kennenlernen möchte, dem sei es gleichfalls empfohlen.


Buchempfehlung: - 3
René Descartes – Philosophische Abhandlungen u. a. Abhandlung über die Methode, die Vernunft richtig zu gebrauchen …
H.H. Tillgner Verlag -1924 – Auflage o. A. – 182 Seiten
Ein Buch, das uns die Vernunft zu gebrauchen ans Herz legt und dazu aufruft, den Wissenschaften zu misstrauen. Technische Errungenschaften sind für alle Menschen nicht immer von Vorteil, denn sie dienen mitunter nur einigen Privilegierten. Und weiter zeigt es auf, dass Gesundheit unser höchstes Gut im Leben und dass sie die Grundlage für alle anderen Güter ist. Die Abhandlung ist überaus gemeinverständlich verfasst und liest sich locker und leicht, wie eine spannende Erzählung. Zudem ist sie schon in den Jahren 1637 bis 1644 in einem Stil formuliert, der uns Heutige beschämen lässt. Ein Lehrbuch der deutschen Sprache, das vor dem Vergessen zu bewahren ist.


03. Oktober 2019

Buchempfehlung: - 2
Thomas Bernhard – Auslöschung, ein Zerfall
Verlag Volk & Welt Berlin -1989 – 1. Auflage – 520 Seiten
Franz Josef Murau erbt nach dem Unfall seiner Eltern und seines Bruders ein großen Gut als Alleinerbe, um das er sich nun zu kümmern hat. Er reist dazu widerwillig aus Rom, wohin er schon vor Jahren geflohen war, nach Wolfsegg, um sich dort um die Formalitäten und Beerdigung zu kümmern. In teilweise ausschweifenden Erinnerungen belebt er sein früheres Leben in Wolfsegg was von hasserfüllten Monologen, wie jenem, begleitet wird: „Mit der Erfindung der Fotografie, also mit dem Einsetzen dieses Verdummungsprozesses vor weit über einhundert Jahren, geht es mit dem Geisteszustand der Weltbevölkerung fortwährend bergab. Die fotografischen Bilder, habe ich zu Gambetti gesagt, haben diesen weltweiten Verdummungsprozess in Gang gebracht und er hat diese tatsächlich für die Menschheit tödliche Geschwindigkeit in dem Augenblick erreicht, in welchem diese fotografischen Bilder beweglich geworden sind. Stumpfsinnig betrachtet die Menschheit heute und seit Jahrzehnten nichts anderes mehr, als diese tödlichen fotografischen Bilder und ist wie gelähmt davon.“ Das Buch entwickelt zum Teil brillante Gedanken und entlarvt dabei zugleich die Borniertheit, Niedertracht und Eitelkeit einer Gesellschaft, deren geistige Ungebundenheit auf den Privilegien des Reichtums beruhen.


30. September 2019

Buchempfehlung:
William Golding – Pincher Martin
Reclam Verlag Band 850 -1980 – 1. Auflage – 168 Seiten
Der Roman erzählt vom Todeskampf des Marineoffiziers Christopher Hadley Martin, der nach einer Schiffskatastrophe auf einem kahlem, aus dem Atlantik ragendem Felsen, eine Woche um sein Leben ringt. Ein Orkan beendet schließlich diesen ungleichen Kampf. Der Roman kann als ein Gleichnis angesehen werden.


Mittwoch, 18. September 2019

Klimaschutz-Farce

Das stinkt einen doch bis zum Himmel,
möchte man aufschreien, wenn man die Bemühungen um den Klimaschutz mal ernsthaft unter die Lupe nimmt.
Da rennen Schüler jeden Freitag auf die Straße und meinen, etwas für den Klimaschutz zu tun und dann geht einen ganze Klasse von Gymnasiasten zur ihrer Abschlussfahrt auf Kreuzfahrt nach Oslo.
Da reden die Politiker Tagelang um die Einhaltung von Klimaschutzvorgaben und jeder einzelne von ihnen fährt in einem großen, PS-starken Fahrzeug durch die Lande. Zahlreiche Inlandsflüge eingeschlossen.
Da entwickeln Autobauer eifrig neue Modelle und vor allem durch Batterien angetriebene, die Strom zum Aufladen benötigen, der scheinbar so ohne weiteres in einer Steckdose zur Verfügung steht.
Da werden Windkraft-Kraftwerke abgeschaltet, weil sie geräuschvoll und der Vogelwelt hinderlich sind, die Kohleförderung in den nächsten Jahren eingestellt, wo doch der Energieverbrauch in den nächsten Jahren um beinahe 30 % steigen wird. Ein Widerspruch in sich, bei wachsenden Bedürfnissen.
Und der Alltagsmensch selbst, was tut er wirklich? Es muss mindestens einmal, besser zweimal im Jahr eine Urlaubsreise in ferne Länder sein, seinen Kaffee möchte er natürlich weiterhin unterwegs in Bechern trinken wollen, packt am besten jede Banane im Markt einzeln in einen Plastikbeutel ein, fährt die lieben Kleinen doch lieber die 400 Meter bis zur Kindereinrichtung oder Schule mit seinem protzigen SUV. Zu Silvester ballern sie tonnenweise Stickoxide in die Luft und bei jedem runden Geburtstag gehört heutzutage standesgemäß ein minutenlanges Feuerwerk dazu. Die Reihe der Lustbar- oder Sinnlosigkeiten ließe sich beliebig fortsetzen.
Was mich zu der Schlussfolgerung treibt, weder die Politik, die Konzerne noch der Alltagsmensch sind wirklich ernsthaft an einer Veränderung interessiert. Hören wir also auf uns zu belügen.

Freitag, 30. August 2019

Erziehung

Erziehung
Lessing hat einige Schriften zur Erziehung des Menschengeschlechtes verfasst und auch Friedrich Schiller war mit seiner Briefschrift zur ästhetischen Erziehung um das gleiche Thema bemüht. Doch sowohl die Schriften Lessings als auch die von Goethes Zeitgenossen ist ein jahrhundertelanger Dornröschenschlaf beschieden, während sich die Menschheit auch ohne ihre Hinweise weiterentwickelt hat. Nun da die ersten Rufe laut werden, dass gar die schulische Ausbildung von Kindern abgeschafft werden soll, weil, wie es in einem Artikel über dieses Thema heißt, die Kinder auch darüber in unserem aufgeklärten globalen, von digitalem Wahn durchsetztem Zeitalter, selbst darüber entscheiden können oder sollen, was sie lernen wollen, ist es an der Zeit, einmal darüber zu resümieren, was aus unserem Menschengeschlecht geworden ist. Um eine Persönlichkeit zu werden, wie es eine Gesellschaft zu ihrer Weiterentwicklung braucht, sind intelligente Menschen von Nöten, die selbstbewusst den Geist der Zeit verinnerlicht haben. Ohne Schule und mit Eltern an ihrer Seite, die meist selbst noch Kinder sind, braucht es viel Optimismus zu glauben und zu verstehen, dass ohne fachliche Anleitung eines Tages aus Kindern Persönlichkeiten werden, die dem Geist der Zeit, um mit C. G. Jung zu sprechen, einen widerstandsfähigen, kraftbegabten und seelisch ausgeglichenen Charakter entgegenzusetzen in der Lage sind. Betrachten wir nur einmal die Elterngeneration und suchen ihre Errungenschaften unter das Licht der o. g. Persönlichkeitsmerkmale zu stellen, dann werden wir feststellen, dass es umfangreich am Widerstandswillen gemangelt hat, um sich gegen die Ausblutung von natürlichen Ressourcen zu stemmen. Diese Generation verbraucht zudem pro Jahr Ressourcen für mehrere Generationen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus, weil das Klima durch unreife technische Entwicklungen künstlich angeheizt wird. Polkappen und viele Gletscher in den Gebirgen schmelzen dahin und damit nicht genug, werden täglich mehrere Fußballfelder große Waldgebiete dem irrsinnigen Konsum der Industrieländer geopfert. Ist solch ein Verhalten einer Persönlichkeit würdig, ich sage klar nein, und wer selbst keine Persönlichkeit ist, kann niemals den Keim im Kinde wecken, aus dem sich dann später eine Persönlichkeit entwickeln kann. Und so ist es nur folgerichtig, dass es Autoren gibt, die sich gegen eine Schule aussprechen, wenn sie sprichwörtlich selbst darin sitzengeblieben sind.

Sonntag, 28. Juli 2019

Die Aktualität des Erich Fromm

31.07.2019
Aus den Fragmenten IV der Notizen des Andre Hope:

Die Chance zu einem sozial gesellschaftlichem Leben hat die Menschheit bereits im Mittelalter verspielt, denn zu den mittelalterlichen Idealen zählte vor allem die feste Überzeugung, dass alle Nationen und Völker eine große Gemeinschaft bilden. Goethe fasst das treffend in seiner Bemerkung: „Über den Nationen steht die Menschheit“ zusammen.
Hätte sich die europäische Geschichte im Geiste des 13. Jahrhunderts weiterentwickelt, stünde die Menschheit möglicher Weise heute anders da. Aber stattdessen begann die Vernunft zu manipulativer Intelligenz und der Individualismus zur Selbstsucht abzusinken, schreibt Erich Fromm in seinem Buch „Haben oder Sein.“ Und die Habgier macht die Menschen dumm und in jeder Hinsicht beeinflussbar. Mein Buch, „Lion oder die Schule der Gedanken“, dass mit seinem Inhalt dort ansetzt, wo jede Veränderung ihren Anfang nehmen muss, wird von den Verlagen hartnäckig ignoriert. Macht, Umsatz, Gewinn und Wachstum sind die vier Grundpfeiler einer auf Kapitalherrschaft beruhenden Gesellschaftsformation und Vertreter derselben werden alles zu verhindern suchen, dass jemand diese Pfeiler ins Wanken bringen kann.


28.07.2019
Das Blaubuch, eine Kompendium unterschiedlicher Geschichten, befasst sich inhaltlich u. a. mit dem, was Erich Fromm an den Anfang seines Buches vom „Haben oder Sein“ stellt:

Das Ende einer Illusion
„Die große Verheißung unbegrenzten Fortschritts – die Aussicht auf Unterwerfung der Natur und auf materiellen Überfluß, auf das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl und auf uneingeschränkte persönliche Freiheit – das war es, was die Hoffnung und den Glauben von Generationen seit Beginn des Industriezeitalters aufrechterhielt. … Bis zur Ablösung des menschlichen Verstandes durch den Computer bestärkte uns der industrielle Fortschritt in dem Glauben, auf dem Wege zur unbegrenzten Produktion und damit zu unbegrenztem Konsum zu sein, durch die Technik allmächtig und durch die Wissenschaft allwissend zu werden. Wir waren im Begriff, Götter zu werden, mächtige Wesen, die eine zweite Welt erschaffen könnten, wobei uns die Natur nur die Bausteine für unsere neue Schöpfung zu liefern brauchte."

Und nun zum Heute:
"Es werden nahezu keinerlei ernstzunehmende Maßnahmen ergriffen, um einer drohenden Katastrophe auf diesem Erdball zu entgehen. Während im Privatleben nur ein Wahnsinniger bei der Bedrohung seiner gesamten Existenz untätig bleiben würde, unternehmen die für das öffentliche Wohl Verantwortlichen praktisch nichts, und diejenigen, die sich ihnen anvertraut haben, lassen sie gewähren.
Wie ist es möglich, dass der stärkste aller Instinkte, der Selbsterhaltungstrieb, nicht mehr zu funktionieren scheint? Eine der naheliegendsten Erklärung ist, dass die Politiker mit vielem, was sie tun, vorgeben, wirksame Maßnahmen zur Abwendung der Katastrophe zu ergreifen. Endlose Konferenzen, Resolutionen und Abrüstungsverhandlungen erwecken den Eindruck, als habe man die Probleme erkannt und unternehme etwas zu ihrer Lösung. De facto geschieht aber nichts.“

Und so wird kommen, was kommen muss, wenn man einer Flut nicht Einhalt gebietet.

Dienstag, 23. Juli 2019

Lesung

Am 07. August 2019 liest die
Lektorin Petra Liermann
auf Facebook bzw. Youtube
aus dem Darwin - Manuskript