Dienstag, 14. Mai 2019

Die Blendung

Aus dem Blaubuch

Eine Buchempfehlung

Die Blendung
Dieses Buch von Elias Canetti schildert den Selbstbetrug eines Menschen, dem die Wirklichkeit unerträglich geworden ist. Professor Kien schaut weg, wo immer ihm der Alltag begegnet und vergräbt sich tagein tagaus hinter Büchern oder studiert vergilbte altertümliche Papiere. Dieses Verhalten symbolisiert gleichsam ein Ignorieren der Gegenwart und lässt ihr seinen Lauf und ihre Entwicklung, ohne sich mit ihr kritisch auseinanderzusetzen. Das Buch, 1934 erschienen, ist mit dieser Beschreibung eines Menschen, den das Zeitgeschehen gleichgültig sein lässt, von einer aktuellen Brisanz und erklärt sich mit seiner symbolträchtigen Figur des Professor Kien zu einem favorisierten Zeitgenossen. Menschen der Gegenwart handeln so, als ob es keine gesellschaftsrelevanten Probleme gibt, währenddessen die scheinbare Verselbständigung von Wissenschaft und Technik in einem rasantem Tempo fortschreiten und zusehends außer Kontrolle geraten. Immer mehr gestalten sie sich zu einem Selbstzweck und aus Wissen wird Macht, die kaum mehr zu bremsen, geschweige denn zu beherrschen ist. Angesiedelt in riesigen Konzernen ist ihre Macht vergleichbar königlichen Regentschaften, die sich alles zum Untertan machen und auch die Politik zu ihrem Kultdiener berufen. Eine humane Lenkung und Kontrolle von Wissenschaft und Technik gilt damit so gut wie ausgeschlossen, weil die Macht des Geldes alles in ihren Bann schlägt.
Der einfache Mensch, so wie auch im Buch von Canetti, Professor Kien, bekümmert sich derweil kaum darum, wie und woher sein Brot oder sein Fleisch stammen und wenn seine „Ordnungswelt“ nicht verrückt wird, dann gibt er sich damit zufrieden, dass alles so ist, wie es ist. Und die Welt nimmt ihren verheerenden Lauf.
Canetti resümiert in seinen „Aufzeichnungen“ über die Prägekraft poetischer Entdeckungen, dass die wirklichen Dichter ihren Figuren erst entdecken, nachdem sie geschaffen worden sind. Und fährt fort: „Was du entsetzt erfunden hast, stellt sich später als schlichte Wahrheit heraus.“ Womit diese dann endet haben die Ereignisse um den Faschismus schmerzvoll bescheinigt. Was steht nun unseren Kindern und Enkelkindern bevor, wenn sich die Macht der Konzerne nicht brechen lässt? Einen Krieg, wie ihn der Autor Lukas Rietzschel in seinem Buch vorschlägt, ist keine zündende Idee, wenn auch das Pulverfass, auf dem wir sitzen, so etwas erwarten ließe. Die Idee gestaltet sich viel einfacher und unrühmlicher, liegt ihre Heimstatt doch unter unser aller Schädeldecke. Und wir sollten einmal mehr nicht nur auf solche Autoren wie Elias Canetti, sondern auch auf den Wissenschaftler Albert Einstein hören, der postulierte, dass man ein Problem nicht mit den gleichen Denkansätzen lösen kann, unter deren Gedankenstrukturen sie entstanden sind.

Donnerstag, 4. April 2019

Offene Worte


Es deucht mir verständlich, dass meine Bücher nicht zur Veröffentlichung gelangen, denn Kritik am marktwirtschaftlich orientiertem Rechtsstaat findet nun mal keinen Beifall. So ist mein Buch "Darwin-Projekt oder das Boa-Manuskript" eine Art Manifest, dass dem Leser die Mechanismen der Marktwirtschaft in seinen fiesen und raffinierten Ausprägungen zu erklären versucht und dabei den spannenden Weg dreier junger Leute auf ihrem Weg zur Erkenntnis beschreibt.

Desweiterem habe ich in "Lion oder die Schule der Gedanken" den Versuch zu erklären und beschreiben unternommen, dass ein gesellschaftlich wirksames Umdenken nur durch eine Änderung der Herangehensweise an situierte und überkommene Denkweisen erreicht werden kann. Aber auch dieses Buch ist eine Fehlanzeige und kann sich nicht gegen marktwirtschaftliches Umsatzdenken behaupten. Die Schlange beißt sich nun mal nicht in den Schwanz. Aber vielleicht kommt Zeit und Rat aus einer unerwarteten Richtung. Habt Geduld mit mir.

Freitag, 22. Februar 2019

Zeitschriftenartikel National Geographic


Platz machen für Neues (Text Harald Welzer – National Geographic Heft 3 / 2019)

Sie machen es sich da etwas zu einfach Herr Welzer, mit Ihren Gedanken über das Aufräumen, sprich Althergebrachtes wie ein Auto, einfach aus der Welt zu schaffen. Hinter der Autoindustrie steht eine starke Lobby, die sich nicht so einfach mundtot machen lässt, weil ein immenses Finanzpolster ein ähnliches Machtinstrument darstellt, wie es einst große Armeen waren, die einem Herrschaftssystem den Rückhalt gaben. Und die Marktwirtschaft ist nicht einfach ein Keller oder Boden, auf und in denen bei einem Umzug aufgeräumt werden muss. Eine Gesellschaft und ihre Errungenschaften bestehen vor allem aus Menschen, die mit ihren Köpfen das schaffen, was unsere Gegenwart und Zukunft ausmacht. In diesem Körperteil muss eine Veränderung stattfinden, dass nicht Gier, Bequemlichkeit und Ehrgeiz zum Maß aller Dinge einschließlich ihres Wachstums fokussieren, sondern ein Gemeinnutzen die bisherigen Visionen von einer Beherrschung der Natur ersetzen. Erst wenn die Gedanken der Menschen diese Schule durchlaufen haben, werden sie bereit sein, sich von liebgewordenen Gegenständen wie das Auto zu trennen. Und dann hat auch ihr Vorschlag von einem perfekt choreografierten öffentlichen Verkehr eine Chance zu seiner Verwirklichung.
Harald Kugler, Pirna

Freitag, 25. Januar 2019

Brief eines Enkel an seinen Großvater im Pflegeheim


Brief eines Enkels an seinen Großvater im Pflegeheim, datiert auf den 29. Februar 2050

Mein lieber Großvater, als wir jetzt beim Packen unserer Umzugskisten waren, fielen mir einige verstaubte Zeitungen auf unserem Dachboden aus dem Jahre 2019 in die Hände, und ich versank darin aus purer Neugier ins Lesen der damaligen Artikel. Je länger ich darin blätterte und las, desto nachdenklicher gestalteten sich meine Gedanken und in meiner Seele ballten sich immer deutlicher und spürbarer Wut und Ärger zu einem Vorwurf zusammen, der nun aus vielen Warum-Fragen besteht, die ich dir gerne in diesem Brief stellen möchte.
Warum habt ihr damals die Warnungen von Klimaexperten nicht ernst genommen, die davon berichteten, dass es bereits zwei Minuten vor Zwölf sei, dem weiteren Leben auf unserem Erdball noch eine Chance einzuräumen. Und weiter, schon damals herrschten in Teilen der Welt katastrophale Hitzeperioden von um die 45 Grad Celsius und in Deiner Heimatstadt Dresden, war die Elbeschifffahrt wegen Niedrigwasser zum Erliegen gekommen. Jetzt liegen diese wundervollen Schaufelraddampfer schon seit einigen Jahren wegen der anhaltenden niedrigen Pegelstände auf dem Trockendock und ihre Betriebsamkeit ist uns eine alte Mär. Warum also habt Ihr es geduldet, dass, statt den öffentlichen Nah- und Fernverkehr kostengünstig zu entwickeln, immer mehr Fahrzeuge auf Euren Straßen zugelassen wurden. Auch die Kreuzfahrtflotte hatte, wie man liest, zu unsinnigen Reisen die Weltmeere durchpflügt und mit ihren immer größer werdenden Pötten mit ihrem Schmutz und den Abgasen die Umwelt auf den Meeren belastet, von den für die einheimische Bevölkerung belastenden Touristenströmen in den Anliegerstädten einmal ganz abgesehen. Denn konsumiert wurde von den Passagieren vor allem auf den Schiffen und der tägliche Wechsel in ein anderes Land brachte ohnehin nur flüchtige Kenntnisnahme landestypischer Sehenswürdigkeiten und Gewohnheiten für die Touristen mit sich. Wenn ich schon den Konsum anspreche, warum ist Euch eines Tages die Vernunft abhandengekommen, dass auch dem Wachstum Grenzen gesetzt sind, wenn es dazu Ressourcen bedurfte, die auf Zeit nicht unbegrenzt verfügbar waren. Wie ich gelesen haben, wurde schon von Deinen Zeitgenossen ein Mehrfaches dessen verbraucht, was nie wieder erhältlich sein wird. Warum also habt Ihr diesen scheinbar grenzenlosen Konsum mit Euren Bedürfnissen erwünscht, der letztendlich jene Logistik bedurfte, die ein Verkehrsnetz rund um den Erdball mit Schiffen Flugzeugen und Lastkraftwagen spannte. Warum also mussten Früchte aller Herrenländer auf Euren Tischen liegen, wenn er auf einen solchen energetischen Aufwand angewiesen war. Die Fahrzeugindustrie hat es Euch gedankt, denn sie wuchs Dank Eurer ständig wachsenden Bedürfnisse nach immer neuen Innovationen ins Unermessliche und erstarkte zu einer Lobby, die wie ein Krake in allen Bereichen der Wirtschaft ihre Fänge ausstreckte, dass eines Tages nichts mehr ohne Ihre Zustimmung geschehen konnte. Selbst die Politiker wurden zu ihrem Spielball und dafür mit hohen Einkünften und Pensionen versehen, dass ihre Entscheidungen niemals zum Nachteil von Wachstum und neuen Entwicklungen wurden. Wieder frage ich, warum habt Ihr Vertreter einer Demokratie gewählt, die Kraft ihrer Entscheidungsbefugnisse dazu in der Lage gewesen wären, einen Gemeinschaftssinn vor das Gewinnstreben zu setzen und statt Kapitalrendite zum alles entscheidenden Streben zu machen und stattseiner der Vernunft Tür und Tor zu ihrer Verbreitung aufzureißen. Und versagt haben die gleichen Volksvertreter als es darum ging, der zweiten großen Lobby, der Pharmaindustrie, in ihrem Gewinnstreben Einhalt zu gebieten. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass technischer Fortschritt nicht nur ein Segen für die Menschheit ist, sondern auch zum Leid geraten kann, wenn man Gewinnstreben vor eine vernünftige Lebenserhaltung setzt. Das Ergebnis erlebst Du am eigenen Leibe und in Deinem Umfeld, wo immer mehr Menschen auf Grund ihrer künstlich erzeugten Lebenserwartung auf Pflege angewiesen sind. Gesundheit ist schon vor vielen Jahren zu einem maßlosen Geschäft geworden, wo nicht allein nur die Lebenserhaltung, sondern Auslastung von Krankenbetten und Dotierungen das Maß aller Dinge geworden sind. Eine letzte Frage habe ich noch an Dich, mein lieber Großvater, der Du so viel Lebenserfahrung gesammelt hast, warum setzt der Mensch, der sonst so ängstlich um seine Sicherheit und Vorsorge bedacht ist, seine Lebensgrundlage, die Natur dieser wundervollen Erde, aufs Spiel, wenn ihm doch eine Intelligenz gegeben ist, kleinste Elementarteilchen sichtbar zu machen und dabei das Große und Ganze seiner Umwelt aus dem Auge zu verlieren. Wenn es dem Affen gegeben wäre, mit einem Werkzeug den Ast, auf dem er sitzt abzuschneiden, er würde es nicht tun.

Montag, 17. Dezember 2018

Let’s pretend

(Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte)

Für diese kleine Erzählung möchte ich einen Ausdruck aus dem wunderbaren Buch „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll zur Einführung verwenden, der besagt, ‚tun wir mal so als ob‘. Und um auch noch ein Bild für diesen Ausdruck vor Augen zu führen, wähne ich eine Stelle aus dem Buch von Louis Aragon „Spiegelbilder“ zu verwenden. Er schreibt: „Oder wir werden eine Unterhaltung führen, wie der weiße König mit der weißen Königin – die Schachfiguren, versteht sich-, wenn der König ihr erzählt, welch Entsetzen ihn packte, als er von Daumen und Zeigefinger der unsichtbaren Alice ergriffen wurde: „Ich versichere Ihnen, meine Liebe, ich bin bis in die Spitzen meines Backenbartes erstarrt“. Worauf die Königin entgegnet: „Sie haben ja gar keinen Backenbart.“ – „Nie“, fährt der König fort, „nie werde ich den Schrecken dieses Augenblicks vergessen können.“ – „Das wird dennoch geschehen“, sagte die Königin, „wenn sie das nicht aufzeichnen.“
Aus Kindertagen ist dem Leser bestimmt das Spiel der Heranwachsenden vertraut, wenn sie beide Hände vor ihre Augen halten und damit den Eindruck zu erwecken suchen, sie sind für einen Erwachsenen nun nicht mehr sichtbar. Davon will ich erzählen, von jenem Tun als ob, dass die Wirklichkeit willentlich oder aus Mangel an Kenntnis einfach ausschließt. Es ist in Kinderzeiten ein belustigendes Spiel, aber ohne Fantasie ein todernstes Verfahren. Zu letzterem neigt der Kapitalismus, wenn er sich den Auswirkungen seiner Entwicklung verantwortungsschmähend versagt. So einfach ist das also, zu tun, als ob es immer so weiter geht und wie in Kindertagen durch verdecken der Augen sich der Wirklichkeit zu entziehen. Aber machen wir eine Geschichte daraus.
Der kleine Daniel zählte sieben Jahre, als er eines Tages seine Mutter überraschend fragte: „Wir beten nun regelmäßig jedes Mal vor unseren Mahlzeiten ein Vaterunser, dass er das Essen, was wir zu uns nehmen wollen seligspricht. Ich wollte gerne einmal diesen Mann, der so viel Güte besitzt kennenlernen. Mutter, wo kann ich ihn finden, denn er muss sich ja irgendwo aufhalten, wenn von ihm so oft die Rede ist?“
Erstaunt hörte die Mutter ihren Sohn an und besann sich dann in ihren Gedanken, wie sie ihrem Kinde eine verständige Antwort dazu geben könnte. Liebevoll erwiderte sie den Blick ihres Kindes, aus dessen Augen ihr so viel Vertrauen entgegenleuchtete. Augenblicklich wurde ihr in diesem Moment das Ausmaß dieser Situation bewusst, die für das weitere Leben von Daniel eine schwerwiegende Bedeutung haben konnte. Aber es kam ihr die Erinnerung an ihre eigene Kindheit zu Hilfe, als sie das erste Mal das Umfängliche des menschlichen Glaubens am eigenen Leibe erfuhr. Ihr Vater war seinerzeit schwer erkrankt und ärztliche Hilfe an den Rand ihres Vermögens geraten. Ihr wurde deshalb bedeutet, dass sie fest an die Genesung ihres Vaters glauben sollte, so fest, als ob diese Krankheit überhaupt nicht vorhanden sei. Und zur Hilfe für die Festigkeit ihres Willens war ihr vom Arzt angeraten worden, sich einer Vorstellung von der Kraft ihres Willens in Form eines Wesens hinzugeben, dass man Jesus Christus hieß und der den Menschen als Abbild seiner Person etwas Außerordentliches, was man Demut nannte, bedeutete. Zum Preisen seines auf sich genommenen Leides hatte man ihm weltweit Kirchen errichtet, in denen die Menschen zu ihren Problemen Aufsehen und sich in Ruhe besinnen konnten. Ein Ort der Zurückgezogenheit, wie ihn der Mensch immer dann benötigt, wenn er allein mit sich und seinen Gedanken sein möchte. Und so antwortete die Mutter ihrem Sohn: „Immer wenn wir vor Beginn der Mahlzeiten eine kurze Andacht halten, suchen wir Halt ganz bei uns durch den Glauben an unsere heimische Gemeinsamkeit und konzentrieren für einen Augenblick unsere Gedanken auf die Ruhe, mit der wir unserem Körper die Mahlzeit zuführen wollen. Und zur geistigen Vorstellung dieses Augenblicks nehmen wir Zuflucht zu jenem Jesus Christus, der in diesem Moment unseren Willen verkörpert. Und um es dir einfach zu sagen, wir tun nur so als ob, denn es gibt keinen Ort wo sich jener jetzt leibhaftig aufhält, außer in deinen Gedanken oder zur Lobpreisung seiner demutsvollen Taten in den vielzähligen Kirchen.“
Dreißig Jahre später.
Aus Daniel war inzwischen ein erfolgreicher Unternehmer geworden, der im Automobilbau sein nicht unbeträchtliches Auskommen gefunden hatte und als Entwicklungsingenieur für die Neuwagenmodelle zuständig war. Das Geschäftsfeld war nicht mehr einfach, denn der Konkurrenzdruck nahm beständig zu und Wachstum war schließlich Programm des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Neu hinzukamen Auflagen, um die Umweltbelastungen zu reduzieren. Ein schieres Ding der Unmöglichkeit allerdings bei immer kräftigeren Motoren und zunehmender Bevölkerungszahlen. In diesen Zeiten erinnerte sich Daniel gerne des Gespräches mit seiner Mutter, dass ihm sehr einprägsam etwas vermittelt hatte, womit die Menschheit bislang sehr gut zurechtgekommen war. Die Menschen strömten zu Weihnachten und nicht nur während dieser Festtage eifrig in die Kirchen, um dort Andacht zu nehmen, für etwas, das im Grunde genommen nicht vorhanden war. Die Menschen benahmen sich so, als ob es dort etwas gab, dass ihnen ihre Sünden abnehmen konnte. Und sie glaubten fest daran, dass sie ihre Verfehlungen bei jemanden abladen konnten, der keine Institution, kein Gericht und kein Gesetz, sondern nur eine geistige Vorstellung war. Weshalb also sollte sich da die Entwicklungsabteilung nicht auch an dieses let’s pretend halten können und so tun, als ob es keine Umweltkatastrophen und keine Klimaerwärmung gab. Schließlich ging auch die Politik mit gutem Beispiel voran, wenn sie tagelang tagte und Papier vollschrieb, dass ebenso geduldig war, wie so zu tun, als ob es das alles gar nicht gab. Es schien ein menschliches Prinzip zu sein, dass er für Dinge, die ihm unabänderlich oder störend waren, eine Erklärung beziehungsweise einen Schuldigen brauchte, dem er sein Fehlverhalten anhängen oder übertragen konnte. Und um diesen Zuständen zu entfliehen, schuf sich die menschliche Gesellschaft Ungeheuer, Phantome und Horrorgestalten, die ein skurriles Abbild ihrer Seelen waren, unfähig, die Wirklichkeit so zu verändern, dass die Erde eine Zukunft hatte. Schon Bert Brecht hatte herausgefunden, dass der Planet durch diejenigen, die er erzeugt hat, vernichtet wird.
Aber kommen wir auf Daniel zurück, der eines Tages wieder Mal seine alte Mutter besuchte.
„Erinnerst du dich noch an unser Gespräch vor dreißig Jahren, mein Junge?“
Daniel wusste in diesem Moment genau, wovon seine Mutter sprach und er antwortete: „Du hattest recht Mutter, solch einen Ort, wo der Leibhaftige zu Hause ist, gibt es nicht. Aber es ist ungemein beruhigend so zu tun als ob. Inzwischen habe ich auch das Buch von Lewis Carroll „Alice im Wunderland“ gelesen und kann bestätigen, dass eine Welt hinter dem Spiegel mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat, aber es ist gut zu wissen, dass es einen Ausweg durch die Fantasie gibt, auch wenn dahinter der Tod lauert. Wir Menschen sind nur Gast auf dieser Erde, was danach kommt, entzieht sich gottseidank unserer Vorstellung.“

Sonntag, 2. Dezember 2018

Bekenntnis



Abschied

In den frühen Samstagmorgenstunden wurden die Einwohner von Elbingen durch den lauten Singsang von Sirenen aus dem Schlaf gerissen. Lichterloh brannte in der Altstadt ein einzeln stehendes Wohnhaus. Eine Stunde später bereits hatte sich die Gewissheit über die Ursachen und Folgen des Brandes wie ein Lauffeuer durch den Ort verbreitet.
Wolf Köber kannten die Bewohner Elbingens schon von Kindheit an. Am Ortsrand wuchs er mit seinen Eltern auf, die ihr bescheidenes Auskommen über den Handel mit Topfwaren einbrachten. Diesem Handwerk, mit den stets tonbeschmierten Händen und der schweren Arbeit an der Töpferscheibe, konnte er keine Freude abgewinnen und unterließ zum Gram seines Vaters die häusliche Tradition schon gleich nach Beendigung der Schule. Es mochte die zufällige Bekanntschaft mit dem alten Schuster Paul Herbig gewesen sein, die Wolf seine Vorliebe für Leder erkennen und daraus seinen Berufswunsch entscheiden ließ. Schon als Knaben sah man ihn des Öfteren in der Schuhwerkstatt beim alten Meister Herbig sitzen, der den Jungen bald ins Herz und nach Schulende mit ihm einen Lehrvertrag geschlossen hatte. Zu dem Duft, der den Lederschuhen entströmte und in der Seele des kleinen Wolf ein einprägsames Gespür fand, zog es den Knaben auch wegen des Erzähltalentes des Meisters in die Werkstatt, um bei ihm interessante Geschichten zu hören. Aufmerksam und voller Hingabe saß Wolf zu dessen Füßen und lauschte, während Meister Herbig das Leder schabte oder Nägel in eine Schuhsohle besorgte, mit vor Spannung aufgerissenen Augen den Erzählungen über Fabelwesen und tapfere Helden. Besonders angetan war Wolf von dem Märchen der Gebrüder Grimm, „Der Meisterdieb“, das er beim Schuster zu häufigem Wiederholen anregte, weil ihn die Lösung der drei im Märchen gestellten Aufgaben durch das „Handwerk“ des Meisterdiebs faszinierte. Obgleich die Tatsache eines Diebstahles Leid beim Betrogenen hinterließ, übte die geschilderte Ausführung des „Handwerkes“ auf Wolf eine Anziehung aus, die seine Gedanken auf eine Nachahmung dieser Kunstfertigkeit lenkte. Zunächst allerdings erwachte mit der Zeit Wolfs Neugier, woher der Meister Herbig all seine Geschichten nahm, die er so lebendig zu erzählen wusste. Ein Schmunzeln überzog das Gesicht des alten Mannes, der sich bei dieser Frage ertappt sah, dass er zu diesem Behufe seine kleine Büchersammlung bemühte, die er dem Knaben schließlich verlegen präsentierte. Zum ersten Mal nahm Wolf filigran gearbeitete Lederbände in die Hand, denn der alte Schuster besaß ein halbes Dutzend dieser Bücher, die teils recht abgegriffen, aber immer noch eine Augenweide für den Betrachter waren. Vom ersten Moment an fühlte sich der Knabe zu den Lederbänden der Gebrüder Grimm, den schönsten Sagen des klassischen Altertums von Gustav Schwab oder den schweren Bänden mit den Märchen von Brentano angezogen. Sein kleines Näschen schnüffelte über die ledernen Buchdeckel und die Finger befühlten tastend die weiche Oberfläche der Einbände. Der alte Schuster beobachtete den Knaben dabei erstaunt und vergnügt, wie er seine Bekanntschaft mit diesen Büchern auf eine seltsame, aber vertrauliche Weise schloss.
Dieses scheinbar so belanglose Erlebnis erweckte in Wolfs Seele Begehrlichkeiten und legte den Grundstein für ein lebenslanges Verhängnis. Der Junge ward fortan von den in Leder ummantelten Druckerzeugnissen in einen Bann gezogen, dem er all seine Mittel und Möglichkeiten aufopferte. Als er später selbst an der Schusterwerkbank stand und das Leder ihm längst zum vertrauten Arbeitsgegenstand geworden war, garte ein beständiges Verlangen um diese Könige der Buchbindekunst, dass ein Großteil seiner Gedanken während der Arbeit beständig um die Anreicherung seiner inzwischen begründeten Bibliothek kreisten. Allerdings trug er sich dabei vor allem daran schwer, dass es nicht so sehr die Mittel für die Bücher waren, um die sich seine Bemühungen drehten, als vielmehr die Art ihrer Beschaffung den Kern seiner Überlegungen bildete. Ein um das andere Mal huschten Erinnerungen an die Erzählung vom Meisterdieb durch seinen Kopf und er sann darauf, mit welchen Einfällen er sein Begehr nach Lederbänden stillen konnte. Bislang stöberte Wolf über Trödelmärkte oder suchte dem Zufall für seine Lust auf die Spur zu kommen. Doch all dies brachte nicht die erhoffte Ansammlung zustande, deren seine Begehrlichkeit nach diesen Büchern bedurfte. Im Hause seiner nunmehr bereits vor einiger Zeit verstorbenen Eltern galt der Buchbesitz der Bibel für ausreichend, so dass Wolf mit diesem dürftigen Grundstock seine Büchersammlung begründet hatte. Weitere kirchliche Werke kamen in kurzer Zeit hinzu, als er gelegentlich beim Besuch von Gotteshäusern verwaiste, in Leder gebundene Gesangsbücher fand, die er heimlich unter dem Wams davontrug. Da sie in großer Vielzahl auf den Kirchenbänken lagerten, schämte er sich nur maßvoll seines Vergehens. Der Herr würde es bestimmt gutheißen, nahm er sich doch seines Gedankengutes in stiller Bedürftigkeit an, weil seine Tat doch dem Glauben an eine gute Sache diente. Recht bald allerdings waren diese Gaben erschöpft, denn für einen Büchersammler zählte das Einzelstück als Prunk, das keinen Doppelgänger nötig hatte. Und so musste Wolf auf andere und neue Gelegenheiten sinnen.
Diese ergaben sich, als Wolf eines Tages die drei Antiquariate in Elbingen entdeckte. In Sonderheit dass diese Bücherhöhlen stets wenige Besucher zählten, offenbarten sich in den verschlungenen Reihen der Bücherregale günstige Momente, in denen sich Wolf alleine mit seinen Absichten wähnte, ein begehrliches Stück aus feinstem Leder aus dem Regal zu ziehen und einem vorbereiteten Versteck am Körper anzuvertrauen. Dazu hatte er sich eigens einen langen Mantel zugelegt, der inwendig über zwei tiefe Taschen verfügte, deren Ausmaß jeweils einem Oktavband von größerem Umfang entsprach. Lange hatte er über dieses Versteck nachgedacht und ihm fein säuberlich mit Schusterzwirn auch jenen Halt verliehen, der notwendig war, dass ein schwerer Lederband formgerecht umhüllt wurde. Zur Versteifung des Mantelversteckes hatte Wolf dünne Pappe ins Futter genäht, so dass ein Behältnis ähnlich einem Buchschuber entstanden war, in den das Buch passgerecht Aufnahme fand. Damit die Mantelseiten im Gleichgewicht hingen, mussten es jedes Mal zwei Bücher sein, die ihren neuen Eigentümer auf diese heimliche Weise fanden. Obgleich die Antiquare von Berufs wegen mit guter Erinnerung ausgestattet waren, rechnete Wolf aufgrund der Fülle des Bücherbestandes mit später Entdeckung des Verlustes und es sollte auch nicht wundernehmen, wenn ein Bücherdiebstahl auf ewig unentdeckt blieb. Diese Annahme hatte in vielen Jahren, in denen Wolf den Läden seine Besuche abstattete, eine anscheinend berechtigte Vorstellung, denn nie wurde er einer seiner Taten bezichtigt. Stets wenn er die Antiquariate besuchte, brachte er zur Akzeptanz seines Besuches ein schmales Lederbändchen mit ins Licht des Kassenbezirkes, bezahlte einen bescheidenen Preis und entführte unter seinem Mantel zwei weitere gewichtigere Exemplare aus diesem Bücherhort. Es war dies ein kalter, weil unbemerkter Abschied für den jeweiligen Antiquar von einem Teil seines Besitzstandes, wie Wolf sein Verhalten für sich umschrieb. Obgleich Wolf im Alltag von Ehrlichkeit geprägt war, trug er für sein frevelhaftes Tun um die Bücherdiebstähle keine Sorge im Herzen, denn wie im Märchen der Meisterdieb nur vom Überfluss der Reichen nahm, so betrachtete Wolf die unermesslich scheinende Bücherfülle in den Antiquariaten als einen Umstand, der ihn zu seinem Handeln berechtigte. Auch machte er sich nie Gedanken darüber, dass ein Fehlen der Bücher den Antiquaren würde auffallen können, was er nur leichtfertig und mit wenig Geschick durch Verschieben der übrigen Bücher auf dem Regal zu verdecken suchte. Denn nie hatte ihn ein Ladeninhaber beim nächsten Besuch beargwöhnt, was seine Meinung zu seinem Verhalten schließlich aufkommen lassen hat.
Inzwischen war der Bestand der häuslichen Bibliothek bei Wolf erheblich angewachsen und der Raum neben seiner Schuhmacherwerkstatt reihum mit Regalen voll der schweren Lederbände angefüllt. Es war eine Bücherlandschaft in den Jahren entstanden, die sich dem Auge darbot, wie sie eine gräfliche, in Jahrhunderten gewachsene kleine Bibliothek nicht hätte schöner aufbieten können. Zwar fehlten hier die alten wertvollen Glanzstücke aus den frühen Jahrhunderten der Buchdruckerkunst, die eine Bibliothek zum Hort eines schwerreichen Erbes machen, weil die Antiquare derartige Ware unter besonderem Verschluss hielten. Doch Wolf war mit Äußerlichem zufrieden, wenn es nur aus Leder bestand. Und so reihte sich auf seinen Regalen ein Abglanz verlegerischer Launen zu Büchern aus der jüngeren Vergangenheit, die als Sonderausgaben oder Gelegenheitsstücke entstanden sind. Schon lange gab sich Wolf auch mit Halbfranzbänden zufrieden, denn so ergiebig, wie es seinem Geschmack an Ganzlederbänden gefallen hätte, erwiesen sich die besuchten Antiquariate leider doch nicht. Allerdings legte er bei diesen Halblederbänden einen besonderen Wert auf die Buchrückengestaltung und dass möglichst ein breiter Rand des Buchdeckels vom Leder überspannt war sowie Lederecken den Band zierten. Solcherart Bücher waren leichter in den Regalen der aufgesuchten Läden zu finden als die Ganzlederbände, denen meist ein besonderer und geschützter Bereich im Antiquariat vorbehalten war. Dieser Umstand brachte Wolf manchmal an den Rand der Verzweiflung und einmal wäre es gar bald geschehen, dass der Inhaber des Ladens ihm auf die räuberischen Schliche gekommen wäre. Ein frisch aufgearbeiteter Lederband, der Wolf ob seines schönen Zustandes gleich nach Betreten des Ladens aufgefallen war, wurde wohl versehentlich auf eine Tischablage verbracht. Er wollte eben seine Hand begehrlich nach dem Buch ausstrecken und seine Entdeckung unter dem Mantel in Verwahrung bringen, als der Antiquar hinzutrat. „Ein schönes Stück, nicht wahr?“, teilte dieser seine Begeisterung für das Werk mit. Nachdem Wolf kein offenkundiges Interesse an dem Buch bezeigte, schloss der Ladenbesitzer es wieder in einen Glasschrank. Es war dies ein sonderbarer Zustand, denn Wolf schien wie gelähmt, als er seine Absichten durch die Anwesenheit des Antiquars zerstört sah, so dass er eine gewisse Gleichgültigkeit gegen das schöne Buch ausstrahlte, die den Antiquar zu seinem Entschluss, das wertvolle Buch in Verwahrung zu nehmen, berief. Nun wehte vom Glasschrank eine Häme gegen Wolf, der seinen Blick nur zögerlich zur Beherrschung brachte und sich beständig von dem dunkelbraunen Lederband angezogen fühlte. Ein Begehren war ihm vor Augen wie eine Seifenblase zerplatzt und ein Verlustgefühl brannte ihm auf der Seele, dem er nur entgehen konnte, indem er an diesem Tag beinahe fluchtartig den Laden verließ. Man mag in diesem Verhalten bereits krankhafte Auswüchse mit körperlichen Leiden erkennen, die Wolf plagten, und so wird es nicht wundernehmen, wenn wir erfahren, dass die Büchersucht nach Lederbänden bei Wolf das Ausmaß der Gier bereits weit überschritten hatte und er auf dem Wege war, sich zu einem sonderbaren Kauz zu entwickeln. Diese innere Verwandlung zeigte sich auch in seinem Äußeren. Noch nicht einmal fünfzig Jahre alt, schlich Wolf in gebückter Haltung durch die Straßen des Ortes, und wer ihm begegnete, ging seiner Erscheinung mitleidsvoll aus dem Wege. Seine Kleidung war schmuddelig, die Haare ungepflegt und unter seinen Fingernägeln bargen dunkle Ränder die Reste seiner handwerklichen Tätigkeit. Nur noch Stammkunden und vereinzelte Neugierige suchten seine Schusterwerkstatt auf und verabreichten ihm Arbeit für seinen Lebensunterhalt. Einer Frau hatte er in seinem Leben, in dem nur die Leidenschaft für das Leder seine Berechtigung fand, bislang keinen Platz eingeräumt. Und wie man es gelegentlich den Hundebesitzern nachsagt, dass sich ihr Äußeres aus dem Besitz ihrer Lieblinge prägt, so hinterließen auch die Produkte des Gerberhandwerkes in Wolfs Gesicht mit seinen porigen und von alters wegen erworbenen Falten und Dellen ihre unübersehbaren Spuren.
Da geschah es eines Tages, dass, als Wolf vor seinen mit den prachtvollen Büchern angereicherten Regalen stand, ein Gedanke wie der Blitz aus heiterem Himmel in seinem Kopf auftauchte. Mochten es vielleicht die zunehmenden gesundheitlichen Beschwerlichkeiten des Alltags gewesen sein, die in diesem Moment an sein Bewusstsein klopften: Wolf erkannte plötzlich und unerwartet die Gewissheit von der Endlichkeit allen Daseins. Es war so einfach und unerlässlich, dass wir unser Leben mit dem Tod beenden, dachte er, während all die Bücher hier vor seinen Augen bleiben und ein weiteres Weilchen bei einem nächsten Besitzer fristen werden, bis ein Zufall oder ein Entschluss ihre Gegenständlichkeit vernichtet. Wolf sank auf seinen Lesestuhl und starrte mit einem befremdlichen Gefühl auf die über die Jahre angesammelten Lederbände. Er würde keines von ihnen dahin mitnehmen können, wohin sein Lebensweg ihn unweigerlich führte. All die Mühen und Findigkeiten, in den Besitz dieser Bücher zu kommen, hatten etwas Lächerliches an sich, blitzte ein Gedanke durch seinen Kopf. Er hatte dafür bewusst Menschen hintergangen, ihnen genommen, was ihr Eigentum war, zu diesem Preis, dass er nur eine Zeit lang Freude am Besitz dieser Bücher nahm. Welch ein Widersinn steckte hinter diesem Verhalten, dachte Wolf. Und als würden seine Gefühle durch diesen Gedanken gespült, entwichen ihnen all die Bestandteile, die zur Wertigkeit seines Befindens gegenüber den Büchern in seinem Leben geführt hatten. Wolf spürte plötzlich eine Leere in seinem Innern, und dort, wo bis vor wenigen Minuten noch sein Stolz über seine Bücher vorgeherrscht hatte, gähnte ihm nun höhnisch der Spott entgegen. Mit hängenden Schultern und scheinbar in den letzten Minuten schlagartig um mehrere Jahre gealtert, wirkte sein Gesicht zerfallen, grau und wie von einem Hauch des Todes heimgesucht. Wolf saß an diesem Tag noch eine geschlagene Stunde wie versteinert inmitten seiner Bücherregale, während seine Gedanken mit einem befindlichen Halt für seine neue Situation beschäftigt waren. Was sollte nun werden, dachte er, mit all diesen Büchern, die er zusammengestohlen und geraubt hatte? Er konnte doch nicht einfach in die Antiquariate gehen und sein Diebesgut an ihre ursprünglichen Eigentümer verkaufen. Auch empfand er den Vorschlag des Augenblicks, die Bücher einfach reumütig zurückzubringen, als sei er geläutert und bitte nun für sein Verhalten um Entschuldigung, für unwürdig. Zu solch einer Unterwürfigkeit fühlte er sich nicht in der Lage. Was er getan hatte, dazu wollte er nun bis an sein Lebensende stehen, wäre es doch sonst ein Eingeständnis dessen, dass er ein verfehltes Leben geführt hatte. Obgleich verführt durch Gier und Unersättlichkeit, nahm er diese Erkenntnis in Verantwortung und suchte keine Ausflüchte zu seiner Entlastung. Er hatte es so gewollt und nun trug er ganz allein an dieser Last. Kurz tauchten Erinnerungen an seine Eltern auf, die sich mit einem einzigen Buch in ihrem Leben begnügt und ihr Dasein auf eine ehrliche und natürliche Weise geführt hatten. Der Geruch des Leders hatte ihn offensichtlich um seinen Verstand gebracht. Am Ende dieser Muße schaute Wolf mit einem Blick, der nichts Ehrbares mehr verhieß, auf die hehren Bucheinbände um sich herum. Mühsam hatte sich Wolf schließlich aus seinem Lesestuhl erhoben und war mit einem Gleichmut an seinen Bücherregalen vorbeigelaufen, als handelte es sich um einen beliebigen Gebrauchsgegenstand.
Von Stund an brach für Wolf eine Welt zusammen, und was einst all seinem Begehr und seiner Beschäftigung galt, dem Leder, verwandelte sich in einen Gegenstand der Abscheu. Der strenge Geruch in seiner Schuhmacherwerkstatt schürte einen Kummer in seiner Seele, dem Gleichgültigkeit gegenüber seiner Arbeit folgte. Die Kunden beschwerten sich zunächst und blieben bald ganz aus, weil die Sohlen, die Wolf neu belegte, dem nächsten Gebrauch nicht standhielten. So hatte Wolf immer mehr Zeit, über sein Schicksal nachzudenken und kaum mehr Pfennige in seiner Kasse, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Wolf magerte zusehends ab und war bald nur noch ein Schatten seiner selbst. Seinen Bibliotheksraum mit den erhabenen Ledereinbänden betrat Wolf während dieser Zeit nur noch selten und wenn, dann mit einem gleichgültigen Blick, der bald gar etwas Feindseliges erkennen ließ. Es war der Neid auf die scheinbare Unvergänglichkeit dieser Bücher, der an ihm zu fressen begonnen und seinem Gesicht Ausdruck verliehen hatte.
Dann kam der Tag, an dem ihm diese Bücher mit ihrem Vorhandensein als Last auf der Seele lagen und Wolf darüber nachsann, wie er sie aus seinem Besitz bringen können würde. Verkaufen kam für ihn nicht infrage, denn die zumeist gestohlene Ware konnte an die hiesigen Antiquariate nicht veräußert werden. Um sich weitere ähnliche Kontakte in anderen Ortschaften zu erschließen, besaß Wolf weder die Kraft noch die Geduld, und es war ihm auch der Mühsal zu viel, die er für seine unzähligen Bücher hätte aufbringen müssen. Jedes einzelne Buch erwies sich nun als Gepäck, das ihm auf der Seele lag und von dort seine Gedanken berührte.
Als er eines Tages in schleppenden Schritten durch die Stadt lief, fiel sein Blick auf den Laden eines Altstoffhändlers, in dessen Hof Wolf Berge von Papier und auch geschnürten Büchern erkannte. Immer wieder schaute er hinüber auf den Ablageplatz, während sich in seinen Gedanken eine Idee formte, deren Vollendung das Herz eines Bücherliebhabers zerreißen musste. Doch dieser Gedanke nistete sich in seinem Kopf wie eine Brut ein, die fortan mit ihrem Begehr nach Leben keine Ruhe mehr gab. Rat- und rastlos lief Wolf zu Hause von einer Zimmerecke in die andere, bis sein Entschluss, es mit dieser Art der Entsorgung seiner Bücher zu versuchen, feststand. Er wollte ein einziges Regal für diese Schmach opfern und danach in seiner Seele erspüren, was dort geschah. Obgleich sich sein Bewusstsein hinsichtlich der Bücher in den letzten Wochen gewandelt hatte, mochte in einem Winkel dieser Verfassung noch ein Fünkchen verblieben sein, dass die einstige Glückseligkeit gegen seine in Leder gebundenen Bücher noch zu entfachen in der Lage war. Beim Packen der Taschen loderte plötzlich eine Erinnerung an die einstigen Tage jener freudvollen Beschäftigung auf, dass Wolf in seinem Tun innehielt, sanft über den Buchkörper des in seinen Händen haltenden Bandes strich und im nächsten Moment eine Träne den Buchdeckel benetzte. Hastig hatte er sich gegen diesen Gefühlsausbruch mit dem zwanghaften Fortsetzen seines Packens gewehrt und war in Eile geraten, wie man sie von seinem schwächlichen Körper hätte nicht mehr erwarten können. Dann stand Wolf mit zwei Taschen schwer bepackt vor dem Grundstück des Altstoffhändlers, der gerade in diesem Augenblick mit einem Kunden in Streit über eine Abrechnung geraten schien. Laute Worte drangen an Wolfs Ohr, dessen soeben noch gestraffter Oberkörper bei dieser Beobachtung merklich an Spannung verlor. Als sei die Szene für Wolf gespielt, wähnte er sich als Zuschauer eines Dramas, dessen Handlung ihn zum Besinnen zwang. Steif und starr verfolgte er den Fortgang des Streites und hörte bald nichts mehr davon, weil eigene Gedanken dazwischenriefen. Noch bevor die Auseinandersetzung auf dem Hof ein Ergebnis erkennen ließ, hatte Wolf seine beiden Taschen mit den Büchern wieder in den Händen und lief nach Hause.
Die seltsame Einflüsterung, die Wolf während des Alltagsdramas auf dem Gelände des Altstoffhändlers in seinen Gedanken ereilt hatte, führte zu einer wundersamen Versöhnung des Schusters mit seinen Büchern. Auf dem Heimweg zum angestammten Domizil seiner Bücher war Wolf ein Einfall widerfahren, der, je näher er seiner Wohnung kam, immer genauere Konturen in seinem Kopf annahm und er erstmals wieder nach Wochen des Trübsinns und der Mutlosigkeit vor seiner Zukunft so etwas wie Freude und Genugtuung verspürte. Ein Gefühl, das ihm über so viele Jahre im Angesicht seiner Bücher vertraut war und das ihn an jenem denkwürdigen Tag, als ihm die Tatsache des Überlebens seiner Bücher unter der Gewissheit seiner Vereinsamung ins Bewusstsein drang, verlorengegangen war. Warum, so dachte Wolf, sollten wir, die Bücher und ihr Herr, nicht auf ewig zusammenbleiben können, vereint zu Asche und Staub, untrennbar in eins vermischt? Der Sturmwind des Feuers würde diese Arbeit verlässlich verrichten.
Als käme er von einer großen Besorgung zurück ins Heiligtum seiner Bibliothek, verbrachte Wolf die aussortierten und dem Altstoffhändler geweihten Bücher wieder fein säuberlich ins Regal. Dann saß er noch bis gegen Mitternacht vor seinen Buchschätzen und erweckte all jene noch gedanklich fassbaren Erinnerungen an jene Zeiten, als seine Sammlung aus ihrem Anfang mit der Bibel seiner Eltern beinahe wöchentlich um einige Bücher zum ersten gefüllten Regal anwuchs. Nach und nach reihte sich Diebesgut an heimelig eingewöhnte Bestände, die längst das Ruchbare ihrer Herkunft an einen geistigen Frieden verloren hatten. Neue Regalböden mussten angeschafft werden, bis schließlich eine stattliche Bibliothek aus Lederbänden den Raum mit ihrem schweren Duft nach natürlichen Gerbstoffen anfüllten.
Auf dem Tischchen neben seinem Lesestuhl lag unter der Lampe ein Bündel mit langstieligen Kerzen bereit, die Wolf in den nächsten Minuten auf die Regalbretter vor seine eingerückten Bücher verteilte. Die Kerzenflämmchen würden die Holzbretter schnell erreichen, so war sein Plan auf dem Weg zur gemeinsamen Vergänglichkeit.
Als die Feuerwehren in den Morgenstunden eintrafen, brannte bereits der Dachstuhl lichterloh und das Löschwasser vermochte nur noch eine Ausweitung des Feuers auf die Nachbarhäuser zu verhindern. Wolfs bleiches Skelett fand man gegen Mittag inmitten von Asche und Staub.

Montag, 24. September 2018

Werkstattnotizen - 31




23.11.2018

„Ein Werk muss lange Wurzeln haben in meinem Leben, geheime Verbindungen müssen laufen von ihm zu frühsten Kindheitsträumen, wenn ich mir ein Recht darauf zu erkennen, an die Legitimität meines Tuns glauben soll“, sagte Thomas Mann in seinem Vortrag über seinen Roman „Joseph und seine Brüder“ am 17. November 1942 in Washington. Diesen Gedanken nehme auch ich für mich in Anspruch, wenn ich über mein Tagebuchprojekt „Wie einer wird, was er ist“ nachdenke. Wurzeln, die in jungen Jahren im heimatlichen Boden nach Halt für ein Leben suchen, verlassen uns nie, auch wenn sich viel Erde über ihnen anhäuft.
Mein genanntes Buchprojekt ist nunmehr im Druck und kann von Interessierten, die vielleicht nach einer Déjà-vu-Situation suchen über meine Homepage www.harald-kugler.de bestellt werden.


14.11.2018

Und nun schon eine Rezension zum Tagebuch:

Rezension Petra Liermann zum Tagebuch

„Wie einer wird, was er ist“

Warum sind "Wessis" und "Ossis" immer noch verschieden? Wie sind sie zu Zeiten der DDR mit dem politischen System umgegangen und was hat ihr Leben ausgemacht? Aber vor allem: Wie wird aus einem Menschen ein Autor? Was bewegt ihn und was treibt ihn an?
Diese und andere Fragen kann wohl niemand besser beantworten als ein Autor wie Harald Kugler, der bis zur Wende in der DDR gelebt und gewirkt hat und dessen Herzblut dem Schreiben, aber auch den Büchern gehört.
"Wie einer wird, was er ist" ist ein Tagebuch, das sich weniger den Äußerlichkeiten denn den Gedanken eines Menschen widmet, der seine Liebe zu Büchern und den Wunsch nach Veröffentlichung seiner eigenen Werke lebt. Eingebettet in politische Entwicklungen erhält der Leser einen Einblick in die Seele eines Schriftstellers und erlangt so auch ein Verständnis für Gedanken, die geprägt sind vom Leben im sozialistischen System der ehemaligen DDR, wobei dies nicht gleichbedeutend ist mit dessen unkritischer Annahme.
Ein sehr zu empfehlendes Buch, in dem sich nicht nur Autoren wiederfinden werden, sondern das gerade in der heutigen Zeit die Unterschiede erklären kann, die immer noch eine scheinbar unüberwindbare Grenze zwischen Ost und West ziehen.


09.11.2018
Ich habe mich entschlossen, meinem Tagebuch bis 1989 noch einen Anhang mit zwei darauffolgenden Jahren beizufügen. Die Eintragungen sind doch so interessant, dass ich sie nicht der Vergessenheit anheimfallen lassen will.

004 Freitag – 27.04.1990
Was macht uns den bundesdeutschen Partnern gegenüber so hilflos? Es ist nicht nur das Geld, vielmehr meine ich damit ihre Gewandtheit, ihr Selbstbewusstsein, dass in ihrer Vergangenheit am Weltbewusstsein geschult wurde. Sie kennen die Umstände besser als wir, weil sie sich tagein, tagaus an ihnen messen mussten (durften). Wir dagegen lebten in einem Staat, der seine Bürger gegen den größten Teil der Welt abschottete und ihnen jegliches Bewusstsein für die eigene Verantwortung abnahm. Alles war unter den gegebenen Bedingungen festgelegt, vorausgeplant und der eigenen Verantwortung enthoben. Wir brauchten nur zu folgen und so folgerichtig war dann auch unser Weg. Nun plötzlich das Ende. Wir stehen da und wissen nicht wirklich wohin. Was anfangen mit der plötzlichen persönlichen Freiheit. Haben wir es doch nicht gelernt zu fragen, was will ich aus mir machen und was ist von den vielfältigen Möglichkeiten, die diese Welt bietet, gut für mich. Das eigene Schicksal am Schopfe packen ist so fremd, wie die neue Zeit für uns beinahe unwirklich ist.


02.11.2018

007 Ostersonntag – 03.04.1988
Es kommt selten genug vor, dass man Menschen begegnet, die dass, was wir gemeinhin als Seele bezeichnen, so auszuweiten oder zu berühren vermögen, dass wir Regungen darin verspüren, die bis dahin in einem Winkel von ihr geschlummert haben, den wir bis zu dieser Begegnung noch nie betreten haben. Die Begegnung mit anderen Menschen ist für einen Menschen immer sehr kostbar, es kommt derweil allerdings darauf an, ob wir zu dieser Begegnung auch wirklich bereit und verständnisvoll genug sind. Vielmals sind wir zu sehr mit uns selbst beschäftigt (Bemerkung am 02.11.2018 – Und die modernen Medien mit ihren Smartphones und I-Pads und Tablets forcieren und verselbstständigen diese Unaufmerksamkeit in einer Form, dass immer weniger Menschen zu Aufmerksamkeiten gegenüber ihrer Umwelt fähig sind. Die digitale Welt scheint dafür gemacht worden zu sein, dass die Menschen ihre Umwelt nicht mehr wahrnehmen und von den eigentlichen Problemen bewusst abgelenkt werden).

28.10.2018

002 Sonnabend – 03.01.1987


Ich bin tief beeindruckt von diesem Filmereignis gestern im Fernsehen gewesen. Ein Film für die Sinne eines Empfindsamen, dem das Gespür nach menschlicher Wärme noch erhalten geblieben ist. Im Grunde genommen bestand der Film aus einer Reihe von Episoden, die in Vergangenheit und Gegenwart verwoben davon erzählten, wie gefühlsarm die Zivilisation geworden ist.


25.10.2018
015 Donnerstag – 24.07.1986
Größte Härte und zarteste Weichheit, grauestes Einerlei und nuancenreiche Farbigkeit: Aus ihrem Zerschmettern entsteht eine neue Welt.
Man muss den Gefühlen nachspüren, doch dann fehlen dem Ungeübten meist die Worte. Das Empfinden vergeht, noch ehe der treffende Ausdruck dafür gefunden ist. Es ist ein Jammer, dass wir unsere Sprache nicht besser verstehen. Dem Menschen bleibt noch viel zu tun. Sollte es dem Menschen gelingen, naturfühlig zu werden, dann erst beginnt sein neues Zeitalter.

23.10.2018
Das Tagebuch wimmelt von Eintragungen über und von Schriftstellern aller Zeitperioden. Bücher sind ein Fundgrube und mein Tagebuch entwickelt sich immer mehr zu einer solchen:
Ernst Bloch sagt bezeichnender Weise:
„… das es bisher noch kein menschliches Leben gegeben hat, sondern nur ein wirtschaftliches, das die Menschen umtrieb und falsch machte, zu Sklaven, aber auch zu Ausbeutern.“ Und weiter dazu: „Auch die Widerspenstigsten nimmt das Kapital auf seine Flügel; einigen scheint dies in der Tat eine Erhebung.“


16.10.2018
Ergänzung zu einer Eintragung vom 14. Januar 1985
Der Proceß
Wir hätten alle den Roman „Der Proceß“ von Franz Kafka aufmerksamer lesen sollen, der dem Leser besagt, dass der Mensch für alles, was er in seinem Leben tut oder unterlassen hat, seine gerechte Strafe erfährt. Allerdings, wenn ich es bedenke, wie ich aus einer Statistik erfahre habe, dass 50 % der Menschen keine Romane lesen, wie sollen sie da erkennen können, wenn sie sich mit ihrem Verhalten schuldig machen und sich lustvoll an der Natur versündigen. Die Natur macht uns aber allen den Prozess und dieser wird in kürzerer Frist verlaufen, als es uns die Erdgeschichte erzählt. Die Saurier habe es ohne ihre Intelligenz auf Millionen Jahre ihres Bestehens gebracht, die Menschheit schafft ihren Untergang mit ihrer Intelligenz in weniger als 20.000 Jahre.
Seit 1978 führe ich regelmäßig Tagebuch und berichte darin auch gelegentlich über das Winterwetter. Seine aufmerksame Betrachtung erlaubt mir einen zur obigen Aussage treffenden Schluss, denn je mehr die Mobilität des Menschen mit seinen Kraftfahrzeugen, Flugzeugen und Kreuzfahrtschiffen zunimmt und mit ihren Abgasen die Luft verpestet, umso weniger Schneereich, kalt und feucht verlaufen die Jahre. Das ist zwar keine gesicherte Erkenntnis, aber der Verlauf der Jahreszeiten offenbart den Prozessbeginn.


27.09.2018

019 Dienstag – 20.07.1982
Ein schöpferischer Prozess ist mit viel Einsamkeit verbunden. Es gibt Stunden, in denen man wie es scheint, sinnlos vor sich hinstarrt, in denen nichts, aber auch nicht das Geringste geschieht, doch innerlich ist der ganze Körper bis zum Zerspringen angestrengt. Der ihm aufgesetzte Geist sucht verzweifelt nach Ideen, verwirft Formulierungen und streitet mit dem Behagen, dass sich mit dem bereits Erdachten zufriedengeben will. Das geschieht alles unter der Haut und niemand, auch nicht der nahestehende Mensch, erfährt von dieser Qual. Nachdenken scheint mir das höchste Glück auf Erden, grübeln, eine Idee verfeinern, schleifen jedes Wort, jede Formulierung, bis der harte Kern übrigbleibt, der meinen Anforderungen, und mögen sie auch auf Grund meiner geringen Schreiberfahrungen noch gering ausfallen, genügt. Letztlich bin ich es selbst, der damit zufrieden sein muss. Das Gefecht mit dem geschriebenen Wort, bei dem nicht immer der Stärkere gewinnt, ist eine Herausforderung für jeden, der sich dem ernsthaften Schreiben widmen will.


26.09.2018
Beinahe jeden Tag bin ich baff über meine damaligen Tagebucheintragungen. Gestern bin ich auf jene Zeit gestoßen, als ich mich mit dem Brief von Dieter Noll an Erich Honecker, zuerst veröffentlicht im Neuen Deutschland, beschäftigt hatte. Der Schriftsteller war mir persönlich bekannt und ich habe ihn mehrmals besucht. Über all das berichtet mein Tagebuch und noch über vieles mehr.


Über viele Jahre habe ich akribisch Tagebuch geführt und mein Befinden analysiert, über den Erwerb und das Lesen von Büchern geschrieben und dem Alltag Begebenheiten abgelauscht. Nun will ich den Versuch wagen, aus diesen Erinnerungen jenen Menschen herauszufinden, der ich damals war und aus dem sich mein Ich entwickelte, dass mir heute aus einem Spiegel, wenn auch mit mehr Falten behaftet, entgegenblickt.
Oft wird in diesen Zeilen von Literatur und literarischen Begegnungen die Rede sein, denn dieses Medium hat mich schon von Kindesbeinen an begleitet. Und ich entsinne mich, dass ich - ähnlich wie seinerzeit der Dichter Hermann Hesse seinen Eltern gegenüber geäußerte hat, ein Dichter werden zu wollen - einen ebensolchen Ausspruch in einer Eisdiele zu meiner Mutter gesagt habe. Literatur ist etwas Großes und Bedeutendes, die mit ihren Texten die Seele weitet, das Herz empfänglich und den Geist lebendig macht. Eine Dreifaltigkeit, die mehr bewirkt als jede Religion.