Montag, 10. August 2020

Buchempfehlungen VIII

Auszug aus dem in Arbeit befindlichem Werk 11 - 100 Jünger Gutenbergs

Susanna Tamaro – Verso Casa
Pattloch Verlag – Auflage k. A., 2000, 125 Seiten
Die Autorin des berühmten Buches „Geh, wohin dein Herz dich trägt,“ legt hier mit zwei Essays und einem Interview ein Buch vor, das gleichermaßen, wie das oben genannte Buch, das Herz bewegt. Zum einen geht es um das Staunen, dass wir Menschen scheinbar verloren haben. Sie sagt dazu: „Hervorgerufen und verstärkt durch die Banalität des gegenwärtigen Denkens haben wir heutige Menschen das Staunen fast ganz verlernt – das erschreckende Zeichen unserer inneren Armut.“ Es ist kein Blick mehr übrig geblieben für den Reichtum und die Vielfalt der Lebensformen in der Natur. Nur das Große nehmen wir noch wahr, weil es sich unserm Augen nicht entziehen kann, während das Kleine, der Mikrokosmos, aus dem die Natur besteht, unseren Sinnen abhandengekommen ist.
Der zweite Teil des Buches widmet sich der Versöhnung, die alle Bereiche unseres Lebens durchdringen sollte, damit das Böse und Gemeine aus der Welt verschwindet.
„Die Freiheit, die wir erobert haben, hat dazu geführt, dass die Menschen jeden Respekt verloren haben – vor sich selbst, vor anderen menschlichen Wesen und vor dem, was sie sonst noch umgibt.“
Es ist wohltuend mal wieder solch ein Buch zu lesen, in dem nicht Mord und Totschlag, eine heimliche oder perfide Liebe, Abenteuer oder Horrorszenarien einen Text zu unserer Unterhaltung bestimmen. Haben Sie Mut dazu.

Die Parallelen zur Neuzeit sind unverkennbar.

Donnerstag, 6. August 2020

Werkankündigung

Die geheime Bibliothek

Ein privates Projekt, das aus dem Schicksal geboren worden ist, von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen zu werden. Das hat den Autor der Romane und Erzählungen zu einer Werkausgabe veranlasst, die einzigartig in ihrer Anlage ist, weil sie mit den Büchern, die die Bibliothek enthält, nicht nur persönliche Erfahrungen, sondern auch die Zeitgeschichte in den Fokus der Betrachtungen gezogen hat. Sie ist zugleich das Dokument eines Lebens und widerspiegelt Leidenschaften, die in ihrer Ausprägung nicht immer Freunde und Anerkennung gefunden haben.
Das Leben ist wie eine Probe, deren Vorstellung niemals stattfindet.
Die fabelhafte Welt der Amelie

Und in Abwandlung: Die Leidenschaft ist ein Fluch, dessen Ursache ein Unbescholtener niemals versteht.


Alles erscheint im Selbstverlag. Die Bücher können über meine E-Mail harald.kugler@web.de bestellt werden

Im ersten Teil des Bibliophilen-Abend werden von einer Gruppe Bücherliebhaber in einem Separee bei Zigarre und Wein Geschichten über Begegnungen mit Büchern erzählt. Eine Widmung auf dem Vorsatzpapier führt zum Erbe eines Vaters und die Gier nach Büchern zu einem Opfer. Menschen finden über Texte zu ihrer Biografie oder zu Verhaltensänderungen. Es ist von Sammelleidenschaften die Rede und vom Reich der Märchen bis hin zu den Erinnerungen beim Schreiben eines Kataloges.
Softcover 452 Seiten -- 20 €

Im zweiten Teil des Bibliophilen-Abend, die „Magie der Bücher,“ werden von derselben Gruppe Bücherliebhaber im Separee Geschichten über den Einfluss von Büchern auf Leser, Sammler und Autoren erzählt. Der Verlust eines geliebten Buches führt eine Katastrophe herbei und ein anderes versetzt den Leser in einen Rausch. Während die Handlung einer Geschichte in das Reich der Sinne führt, erzählt eine andere von der Magie der Worte. Und ein überraschendes Ende findet schließlich die Titelgeschichte.
Softcover 260 Seiten -- 12,49 €

Der dritte Teil des Bibliophilen-Abend beinhaltet den Versuch, den Geist der Bücher in einer alten Klosterbibliothek aufzuspüren. Calvin, der Bibliothekar des Klosters und sein Vorgänger Pater Jakobus sind ihm begegnet und dabei auf Hinweise zum Vermächtnis der Bücher gestoßen. Beiden erschließt sich in geheimnisvollen Situationen eine Überraschung mit Folgen.
Softcover 100 Seiten -- 8,49 €

Das Buch widmet sich der Schilderung eines Weges auf der Suche nach der Gefährtin eines Lebens, wie es schon Christian Wagner in seinem Gedicht „Die Geschlechter“ dargestellt hat.
Ist dies nicht ein frevles Schicksalswalten, Menschtum in zwei Teile zu zerspalten.
In zwei blut’ge Hälften zu zerreißen? Eine Mann, die andre Weib zu heißen …
Softcover 164 Seiten -- 10 €

In Gefährten der Seele wird das Schicksal eines Paares geschildert, dass an der Suche nach dem passenden Partner scheitert. Unerkannt führt ein Vagabund seine Dasein, wie es vielen, scheinbar gescheiterten, Existenzen passiert, die eines Tages ein Leben auf der Straße führen, weil etwas in ihrem Leben nicht zusammengepasst hat. Als Außenstehende fragen wir uns manchmal, wenn wir solchen Menschen begegnen, was ist mit ihnen geschehen, dass sie der Zivilisation entsagen.
Softcover 172 Seiten -- 10,49 €

Erzählt wird die Lebensgeschichte des Paares Clara und Anders Weisshaupt, die 1965 in der DDR beginnt und 1997 während eines Ausfluges in die Sächsische Schweiz eine jähe Wende erfährt. Zugleich geht es um einen Ausstieg aus der Konsumgesellschaft, den Umgang der Menschen mit der Natur und dem kritischen Umgang heutiger Werte.
Softcover 112 Seiten -- 8,49 €

In den tolldreisten Geschichten werden die beiden Projekte „Kaleidoskop einer Leidenschaft“ und „Bücherweisen“ zu einem Buch zusammengefasst. In 24 Geschichten werden die Eigenarten, Ängste, Erfahrungen und Liebelein von Büchersammlern beschrieben und auf vergnügliche Weise erzählt. Es sind Schicksale der besonderen Art, wie man sie erlebt, wenn man sich einer Leidenschaft wie der Bibliophilie hingibt.
Softcover 240 Seiten -- 12,99 €

Im Darwin – Projekt wird nach der Vollständigkeit eines Manuskriptes gefahndet, dessen Teile drei Wanderer in verschiedenen Teilen Europas zunächst fanden und dann danach suchten. Bei diesem Manuskript handelt es sich um einen geheimen Text, der sehr an ein Manifest der Marktwirtschaft erinnert, in dem dessen Regularien diskutiert und beschrieben werden. Ein spannendes Buch, dass zudem das aktuellen Zeitgeschehen unter die Lupe nimmt.
Softcover 224 Seiten -- 12 €

In diesem Buch geht es nicht nur um die Macht und Auswirkungen der Menschlichen Gedanken, sondern auch um ihren Einfluss auf die heutige Gesellschaft, ihre Möglichkeiten und Gefahren.
Unter Leitung des Redakteurs Lion Frey werden die Geschichten von vier sehr unterschiedlichen Menschen erzählt, die auf eine sie prägende Vergangenheit zurückblicken.
Eine spannende Geschichte, die nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern auch die „Kopfarbeit“ des Lesers positiv beeinflussen kann.
Softcover 256 Seiten -- 13,49 €

Projekt befindet sich noch in Arbeit

Projekt befindet sich noch in Arbeit

Projekt befindet sich noch in Arbeit

Wird fortlaufend ergänzt und ist noch in Arbeit


Mittwoch, 24. Juni 2020

Buchprojekt 89 - Grad

- Auf Verlagssuche -


Rezension Lektorin Petra Liermann
In seiner unvergleichlichen Art hat Harald Kugler in diesem Kurzroman gleich mehrere Themen verarbeitet, die Menschen in der heutigen Zeit immer wieder beschäftigen bzw. beschäftigen sollten. Obwohl es um so schwierige Herausforderungen wie Trauerbewältigung, „Ausstieg“ aus der Konsumgesellschaft und den Umgang des Menschen mit der Natur geht, wirkt der Roman zu keiner Zeit schwermütig oder belehrend. Der Leser wird durch die Geschehnisse, die der Protagonist Anders Weisshaupt erfährt, zum Hinterfragen des eigenen Lebens angeregt, aber auch zum kritischen Umgang mit heutigen Werten, Systemen und Verhaltensweisen. Eingebunden in eine schöne Liebesgeschichte zweier Menschen, die viel über die Grundlage einer funktionierenden Beziehung offenbart, lernt der Leser wie nebenbei einiges über zwei sehr unterschiedliche politische Systeme kennen, die gerade Menschen in Deutschland heute noch beeinflussen.

Ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legt.


Sonntag, 24. Mai 2020

Buchempfehlungen VII

Buchempfehlung: - 81
Arthur Schopenhauer – Die Welt als Wille und Vorstellung II. Teil

Insel Verlag – 22-24. Tausend, Jahr k. A., – 14 Seiten

Das Werk selbst mit eigenen Vorstellungen zu empfehlen, ist ein Vorhaben, dass sich allein durch Selbstgenügsamkeit für den Leser erschließt, denn die Gedankengänge des Autors sind so unübertrefflich, dass es ein waghalsiges Unternehmen wäre, sich an einer Beurteilung zu versuchen. Das Buch sei aber für meine Unternehmung, Bücher von Wert für einen Leser zu empfehlen, unerlässlich, denn zu einen ist der Stil dazu angetan und zum anderen der gedankliche Inhalt von lehrhafter Schwere, dass ich nicht auf die Erwähnung dieses Buches in meiner Reihe verzichten möchte. Eine Buchstelle aus dem 15. Kapitel des zweiten Buches möge meine Aussage bestätigen, die mir zudem vom Inhalt her passend auf das Anliegen meiner Bücherempfehlungen erscheint: „Könnte dem Publiko die selbsteigene Einsicht hierin verliehen werden; so würde es nicht mehr die ihm zu seiner Bildung kärglich zugemessene Zeit vergeuden an den Produktionen gewöhnlicher Köpfe, also an den zahllosen Stümpereien in Poesie und Philosophie, wie sei jeder Tag ausbrütet; es würde nicht mehr, im kindischen Wahn, dass Bücher, gleich Eiern, frisch genossen werden müssen, stets nach dem Neuesten greifen; sondern würde sich an den Leistungen der wenigen Auserlesenen und Berufenen aller Zeiten und Völker halten, würde suchen sie zu kennen und verstehen zu lernen, und könnte so allmälig zu ächter Bildung gelangen. Dann würden auch bald jene Tausende unberufener Produktionen ausbleiben, die wie Unkraut dem guten Weizen das Aufkommen erschweren.“
Kann man treffender die zu Tausenden pro Jahr den Buchhandel überschwemmender Publikationen charakterisieren, die dem Leser aus marktwirtschaftlichen Gründen, das wohltuende Lesen erschweren? Von Bildung ganz zu schweigen. Doch kommt es unserer Gesellschaft überhaupt darauf an, kluge Geister zu unterstützen, wo doch Umsatz so notwendig wie das Blut im menschlichen Körper ist, dem Wachstum des Kapitals mit allen Mitteln zu dienen. Diese Frage möge jeder Leser für sich beantworten. 24.05.2020

Sonntag, 26. April 2020

Ein Kleinod der DDR-Buchkultur

Textauszug zum Buchprojekt "Stickelberger"


Ein sonderbares Verhalten hat sich meiner Person bemächtigt, dass darin besteht, dass ich ehemalige kostengünstige Buchausgaben, die in der DDR erschienen sind, zu erhalten suche. Insonderheit sind das vor allem die Reclam-Bändchen, die bb-Taschenbuchausgaben, Taschenbücher der Weltliteratur (TdW) oder die schwarzen Spektrum-Ausgaben des Verlages Volk und Welt. Schon füllen diese Bände ein halbes Bücherregal und ich nehme sie wieder gerne zur Hand und fühle dabei eine Vergangenheit, die mir vor vielen Jahren mit solchen Büchern meine Liebe zu den Büchern geweckt hatte. Mit Bedauern, aber auch mit Scham gedenke ich meiner Entscheidungen, gerade diese kleinen, schmalen Zeugnisse der DDR-Bücherwelt nach dem Öffnen des bundesdeutschen Buchmarktes aus meiner Bibliothek verbannt zu haben. Nun ist ein neues Sehnen nach ihnen entstanden und ich frage mich, was wohl die Ursache dieses Wunsches ist, gerade diesen Büchern wieder habhaft zu werden. Entstanden und verlegt zu einer Zeit, die meine Vergangenheit war und die ein gesellschaftliches System wiederspiegelt, dass in der Geschichte versagt und manch Ungerechtigkeit verursacht hatte, sind diese Bücher doch unschuldig daran, dass ihre Herren einer Befreiung der Menschheit vom Joch der Ausbeutung nicht gewachsen waren.
Aber vielleicht ist es genau dieser Ansatz, angesichts der gegenwärtigen Situation in der Welt, in der dringend nach Alternativen zur Bewahrung der Menschheit gesucht wird, die sich mit ihrem Fortschritt auf der Basis der Marktwirtschaft derart übernommen hat, dass die auf der Erde verfügbaren Ressourcen schon heute eine Leihgabe aus dem Erbe nachfolgender Generationen ist. Der Autor Cibulka hat es vor Jahren schon auf den Punkt gebracht, als er feststellte, dass die neue Generation es fertigbringen muss, umzudenken, denn wenn sie es nicht kann, seien die Tage der zivilisierten Menschheit gezählt.
Sei es, dass ich vermittels der Bücher eines gescheiterten Systems darauf verfallen bin, den Ansatz, den das System der DDR im Schilde führte damit zu rechtfertigen, dass ein humanes System, bei dem die Menschlichkeit im Vordergrund und nicht der monetäre Gewinn im Fokus steht, eine Alternative zum Abgrund darstellt, auf den der Kapitalismus unweigerlich zusteuert. Und ich frage mich, warum ich dieses bb-Taschenbuch „Das Impressum“ der Nummer 438, dass ich vor wenigen Stunden aus einem öffentlichen Bücherschrank gefischt habe, wie eine Offenbarung in meinen Händen hin- und herwende. Vielleicht ist es der Sinn des Wortes Impressum, was besagt, dass es die Verantwortlichen eines Buches, hier respektive eines Gesellschaftssystems, aufzählt und mir kommt dabei in den Sinn, wie die Geschichte des kleinen unbedeutenden Landes DDR wohl verlaufen wäre, wenn in seinem verantwortlichem Gremium solche Menschen wie Thomas Morus, Alexander von Humboldt, Friedrich Bülow, Mahatma Gandhi oder Albert Einstein gesessen hätten. Aber das ist eine Fiktion, vielleicht auch nur ein Wunschdenken oder einfach die Sehnsucht nach einer Zeit, die noch immer ihren Beweis schuldig geblieben ist. Ihre Bücher aber sind und bleiben hingegen beredets Zeugnis einer Epoche, die eine Chance in den Händen gehalten hatte. Dergestalt sind diese meist schmalen Bände in Softcover nur ein Denkmal, mit dem ich mein Verhalten vor mir selbst entschuldige und Enttäuschungen zu kaschieren suche. Vielleicht aber sind sie auch eine Flucht vor der Wirklichkeit, wie man vor Dingen und Problemen flieht, auf deren Grund die Hilflosigkeit lauert.

Donnerstag, 23. April 2020

Buchempfehlung VI

Ein Buch aus gegebenen Anlass

Buchempfehlung: - 71
Waldemar Bonsels – Himmelsvolk
Schuster & Löffler Berlin – 111.-120. Auflage, 1996, – 215 Seiten
„Der ganze Zustand unserer zivilisierten Welt drängt zu einer Erneuerung des Lebens von Grund auf. Da bedeutet es eine wahre Erlösung, auf einen Menschen zu stoßen, der ohne Blindheit und Lebensscheu, ohne falsche Romantik und Weltflucht, als Dichter ein Reich der Schönheit und Reinheit über dem Reich der Lebensnot aufbaut, dem Dichtung, Deutung und Gestaltung ganz gegenwärtigen Lebensstoffes ist, und dem aus der Not der Zeit das Erlebnis der Natur als Stoff seines Dichtens zuwächst. Weil in ihm die Sehnsucht nach Erneuerung des Lebens Stimme wird und er zugleich als wirklicher Dichter seine Sehnsucht zu gestalten zu zwingen vermag – deshalb grüßen wir Waldemar Bonsels als einen Pfadfinder zu neuen Zielen, zu Menschlichkeit und Natur, dem durch die Größe seiner Empfindung ein Hymnus auf die Allmacht des menschlichen Herzens erwächst. (Münchner Zeitung ca. 1915)

Sonntag, 29. März 2020

Corona

Gerne auch zum Kopieren und weiterverbreiten

Denn was nützt es den Menschen, so er die ganze Welt gewänne, und nähme doch Schaden an seiner Seele (und seinem Körper).
Gustav af Geijerstam 1910

Der Bote
Zu lesen war unlängst in einer hiesigen Zeitung der Artikel eines Apothekers aus Dippoldiswalde über die derzeitige Pandemie, der darin fragte, ob es normal ist, regelmäßig Fernreisen zu machen und ob es nicht manchmal einfach ausreichend wäre, in der näheren Heimat, zum Beispiel in der Sächsischen Schweiz, zu wandern. Dem muss man allerdings die Realität entgegensetzen, dass der wirtschaftliche Markt eine Globalität geschaffen, die jeden Winkel der Erde erschlossen und erreichbar gemacht hat. Dem Menschen in seiner grenzenlosen Neugier und seinem Willen vom in Besitz nehmen-, muss haben-, muss sehen- und muss erleben wollen, was ihm diese Globalität nutzbar gemacht hat, ist somit kein Ziel zu weit, sich dort für wenige Tage aufzuhalten. Wenngleich er meist wenig oder fast nichts von den dort vorherrschenden Kulturen versteht, so genügt ihm doch der einmalige Anblick und ein Foto als Beleg, dass er den Gran Canyon, die Pyramiden oder den roten Felsen der Aborigines betrachtet, am Nordkap weilte oder das Taj Mahal aus der Nähe gesehen hat. Reisen in ferne Länder ist dem Menschen zur zweiten Natur geworden und so nimmt es nicht Wunder, dass er seinen Körper den jeweilige klimatischen Gegebenheiten aussetzt und sich mit ihnen infiziert und, wie geschehen, einen Virus in seinem Organismus mit nach Hause bringt und zur weiteren Verbreitung beiträgt.
Nun ist ihm dieses Verhalten nicht anzukreiden, denn verantwortlich dafür ist das globale System, dass ihm diese Möglichkeiten geschaffen und entwickelt hat, ein System, dass ohne Rücksichtnahmen zur Mehrung von Reichtum alle Register seiner Fähigkeiten zieht und dabei Verbindungen knüpft, die die Erdkugel mit einem Netz zur Ausbeutung von Ressourcen und Arbeitskräften überzieht.
Nun hat die Natur der Menschheit einen Boten geschickt und es ist vielleicht nicht verwunderlich, dass der Bote zuerst im fernen China auftauchte, jenem Land, dass in den letzten Jahren eine über alle Maßen wirkende Entwicklung genommen und die ihren wirtschaftlichen Einfluss auf alle Teile der Welt ausgestreckt hat. Dieser Bote, ein winzig kleiner Virus hatte es leicht von dort seinen Weg über alle Teile der Welt zu nehmen, denn zahlreich waren und sind die Konsumenten, die sich der globalen Logistik bedienen und den Boten in all ihre Herkunftsländer transportieren. Ein System, dass die Forschung erbarmungslos für ihre Zwecke der Bereicherung ausnutzt, achtete bislang wenig oder gar nicht auf mögliche Folgeerscheinungen und hat den Ausbreitungswillen der Menschheit bisher uneingeschränkt unterstützt. Nun ist ein kleiner Virus in die Zentrale ihres Wirtschaftssystems eingedrungen und hat das Räderwerk erstmals empfindlich an seinem Funktionieren gestört. Die Menschen haben oder mussten darauf reagieren, ihre Gesundheit geriet in Gefahr und mit ihr der Konsum ins Wanken.
Aber was ist nun die Nachricht des Boten? Wünsche werden laut, die davon erzählen, was der Bote in die Gegenwart trägt und bewirkt und eine nie gekannte Bescheidenheit bei den Menschen in ihren tagtäglichen Gewohnheiten erzwingt. Das Leben hat sich plötzlich verlangsamt und Formen angenommen, die dem Miteinander der Menschen eine neue, nie erahnte Form der gegenseitigen Abhängigkeit verleiht. Von einem Tag auf den nächsten muss es anspruchsloser zugehen und das Leben der Menschen wurde in allen Bereichen ihrer Wünsche eingeschränkt. Sie müssen mit weniger zufrieden sein und ihr Aktionsradius wurde auf die Heimat begrenzt.
Geben diese neuen Bedingungen den Menschen eine neue Chance und begreifen sie vielleicht, dass die Ursachen von allem, im Gesellschafts-System begründet liegen und die viel gerühmte Marktwirtschaft versagt hat, der Menschheit eine Zukunft zu garantieren. Die gnadenlose Ausbeutung der Natur mit seiner Ausweitung über den gesamten Erdball bringt Verstrickungen mit sich, die scheinbar nicht mehr beherrschbar sind und Probleme erzeugen, die durch die Globalisierung in alle Teile der Erde getragen werden.
Nun, da eine Pandemie ausgebrochen und das Leben der Menschen bedroht ist, beginnen sie darüber nachzudenken, ob ihr Tun und Streben von sinnvollem Inhalt ist und war. Plötzlich zählen wieder ganz normale Werte, Werte von so einfachem Inhalt, die kaum aufwendig, aber dafür umso ehrfürchtiger sind.
Die Wortbedeutung von Corona heißt Kranz, bedeutet aber auch eine Gruppe von Bekannten und Freunden. Über diese Beziehungen wird der Mensch im Grunde genommen zum wirklichen Gesellschafter und wenn er sich in Zukunft auf diese Bedeutung und Solidarität beruft, dann hätte er vielleicht den Willen des Boten verstanden.