Samstag, 2. Januar 2021

Aus der Schreibwerkstatt

(001) Rudolf Adolph – Martin Bodmer und die Weltliteratur Oltener, Nummerierte Auflage (Nr. 42), 1954 – 79 Seiten Einundsechzigste Publikation auf Veranlassung von William Matheson für die Vereinigung der Oltener Bücherfreunde Ausgehend vom Begriff der Weltliteratur im Werk Goethes schreibt der Autor ein Buch über Martin Bodmer, der darüber ein eigenes Buch, „Eine Bibliothek der Weltliteratur“ im Atlantis Verlag Zürich 1947 veröffentlicht hat, und er beleuchtet darin dessen Verhältnis zur Bücherliebhaberei. Bodmer war ein Büchersammler par Exzellenz und er hatte sich am Genfer See ein Refugium für seine Leidenschaft zu den Büchern angelegt. In einer Ausgabe der Marbacher Kataloge ist in zwei Bänden („Spiegel der Welt“) ein Querschnitt seiner Sammlung dokumentiert, der in einer Sonderausstellung des Schiller -National-Museums Marbach, Ende 2000 zu sehen war. Doch kommen wir auf das Buch von Adolph zurück, in dem sich Martin Bodmer mit der Idee einer Weltliteratur auseinandersetzt. An einer Stelle heißt es dazu, die Weltliteratur sei ein Spiegel der Welt, in dem sich das nachhaltige Geistesschaffen der Zeiten darstellt. Und Bodmer tat das mit ganzem Herzen, in dem er eine Leidenschaft entwickelte, die ihren Ausdruck in seiner Bibliothek, seiner Büchersammlung fand. Dass man sich mit einer Sammlung über ihr Anliegen hinaus, selbst entwickelt, sei dabei nur am Rande erwähnt. Auf jeden Fall aber, war der Aufbau seiner Bibliothek, die die wichtigsten Werke der Menschheit enthalten sollte, ein Hauptpfeiler seiner Auffassung über den Sinn und Inhalt einer Weltliteratur. Bücher waren darin der Hauptbestandteil seiner Sammlung, neben der auch Platz für die Musik in Notenbeispielen und vor allem Manuskripte ihren festen Platz fanden. Gerade in ihnen sei das Schöpferische des menschlichen Geistes auf eindrückliche Weise abzulesen, wie aus Geist Materie in Worten oder Noten wurde. Es empfiehlt sich dazu auch den Essay von Stefan Zweig über die Autographen zu lesen. Bei all seiner Sammelleidenschaft war es Martin Bodmer nicht vordringlich um Kostbarkeiten zu tun und man wird sich wundern, in seiner Bibliothek auch Ausgaben von Reclam-Heften zu finden, denn dem Sammler ging es um die Darstellung und Bewahrung der Entwicklung menschlicher Kulturgüter in jeglicher Schriftform, ohne dabei Anspruch auf die jeweilig kostbarste Ausgabe zu erheben. Über den Inhalt seiner Bibliothek kann in dieser Empfehlung kein umfangreicher Aufschluss erteilt werden, dafür sei dieses Büchlein und die genannten Schriften des Marbacher Literaturarchives und das Buch von Martin Bodmer selbst, „Eine Bibliothek der Weltliteratur“, als Zeugen seiner Leidenschaft dem Leser aufgerufen.
Der Baum der Erkenntnis - Beispielhafte Tuschezeichnung von Pedro, die dem Buch beigegeben werden

Sonntag, 20. Dezember 2020

Bibliophiler Einwurf

Aus dem in Arbeit befindlichem Buchprojekt "Bücherwelten" Die Empfehlungen zu Büchern werden gelegentlich durch Bibliophile Einwürfe bereichert, was das Lesen des Buches zu einem Kompendium über die Bibliophilie macht. Bibliophiler Einwurf - Die Vorstellung Die Vorstellung habe ich erfahren, als ich eine Bemerkung von Ottilie in Goethes „Wahlverwandtschaften“ las, dass ein Künstler, hier Architekt oder Baumeister, mit der Vollendung seines Werkes (Bauwerk) seinen Genius ohne eigenen Nutzen an einen Dritten, den Bauherren, abgibt. Wie verhält es sich bei diesem Gedanken mit den Literaten, die ihr Buch, wenn es vollendet ist, einem Verlag zur Veröffentlichung übergeben. Was passiert dann mit den in einem Schriftbild fixierten Gedanken und Gefühlen, die ein Autor zur Gestaltung in Worte, Sätze, Absätze zu einem Text verschmolzen hat? Was in ein Buch einfließt, ist ein stückweit Lebensweisheit des Autors, angereichert mit Erfahrungen und Entscheidungen. Mit dem letzten Punkt wird darunter ein Strich gezogen und was bleibt, sind Gedankenbilder und Erinnerungen, die die Seele des Autors wiederrum mit Erfahrungen anreichern. Und so ist jedes Ergebnis, jedes Buch, jedes Bauwerk, Skulptur oder Gemälde gleichsam ein Manifest der Lebensperiode eines schöpferischen Menschen, der an sich Selbst mit seinem Nachdenken und Tun, wächst und gedeiht. Dergestalt ist die Aussage oder Vorstellung Ottiliens dahingehend zu ergänzen, dass jeder Künstler, Architekt oder Literat, gleichwohl mit seinem Werk mehr als nur einen fremden Nutzen erzeugt, denn geistige Beschäftigung ist Entwicklung von Persönlichkeit die mitunter mehr verheißt, als ein Nutzen je erbringen kann.

Montag, 7. Dezember 2020

Aus der Werkstatt

Seit einem Jahr in Arbeit, wird das Buch Buchempfehlungen von A, wie Rudolph Adolph bis Z, Stefan Zweig enthalten, die gespickt werden mit Bibliophilen Einwürfen aus der Welt der Sammler und Bücherliebhaber. Hinzu kommen Arbeiten des Bild-Künstlers Pedro, Peter Götz, aus Pirna zum Thema Lesen und Bücherliebhaberei. Geplant ist die Fertigstellung dieses Projektes Mitte 2021.
Dieses Projekt befindet sich zur Zeit in der Überarbeitung, nachdem der Text vor wenigen Tagen fertig gestellt worden ist. Erzählt wird die Geschichte einer seltsamen Begebenheit über dem Urwald von Amazonien, um dessen Ursache zu ergründen, eine Expedition in den Urwald geschickt wird. Dort begegnen die Männer um Major Alves einer Gruppe Ureinwohner, die noch ein Leben fern jeglicher Zivilisation führen. Zur Überraschung der Männer finden sie dort auch eine junge Frau vor, die ihnen in vielerlei Hinsicht behilflich ist, später aber, nachdem man an Hand von Bodenproben wichtige Mineralien vor Ort gefunden hatte, zum Hindernis bei der Durchsetzung ihrer fatalen Pläne wird.
Dieses Heft ist fertiggestellt und kann inclusive Versand für 5,50 € bestellt werden. ES braucht keinen großen Roman (das Heft hat ca. 20 Seiten), um auf die aktuellen Probleme unserer Zeit aufmerksam zu machen. Veränderungen begleiten unser ganzes Leben und manchmal sind sie schmerzlich, aber dennoch notwendig, denn ohne Veränderung gibt es keine Zukunft.

Sonntag, 6. Dezember 2020

Buchempfehlung - 123

Buchempfehlung J. D. Salinger – Der Fänger im Roggen Verlag Volk und Welt Berlin, 3. Auflage, 1975 – 250 Seiten Es wird die Geschichte des Haupthelden Holden Caulfield, eines Teenagers, erzählt, dessen bitter-humorvolle Lebensbeichte den fragwürdigen Glanz einer Zeit abbildet, in der der einzelne Mensch wenig gilt. Zum dritten Mal vom Collage verwiesen, geht er auf eine Wanderung durch die trügerischen Niederungen einer Gesellschaft, in der Snobismus, Unaufrichtigkeit und Gier an der Tagesordnung sind. ... Auffällig in den Beschreibungen des Zeitverlaufes von Holden ist, dass er ständig nach Kontakten auf der Suche ist, mit denen er seine nutzlosen Stunden verbringen kann. Menschen dieser Geisteshaltung, resultierend aus der Überflutung ihrer Nerven durch eine scheinbar grenzenlose Angebotsvielfalt in ihrer Umgebung, können nicht mehr mit sich allein sein. Sie haben ihr Selbst verloren oder wie im Fall von Holden noch nicht gefunden, dass ihrem Leben einen brauchbaren Sinn verleiht. ...

Mittwoch, 4. November 2020

Buchempfehlung 116

Buchempfehlung - 116 Albert Camus – Die Pest Rowohlt Taschenbuch 22500 – 94. Auflage 2020, – 350 Seiten Es ist ebenso vernünftig, eine Art Gefangenschaft durch eine andere darzustellen, wie irgendetwas, das wirklich existiert, durch etwas, was nicht existiert, steht als Motto von Daniel Defoe vor dem Text. Eine Stadt wird von rätselhaften Ereignissen heimgesucht, die die Menschen in die Enge und zu neuen Entscheidungen drängt. Zuvor leben sie in einem geselligen und arbeitsfreudigen Ort, namens Oran, dessen Alltag plötzlich durch tote Ratten in eine Bedrängnis gerät. Die von den Tieren auch auf die Menschen übertragende Krankheit erweist sich mit der Zeit als ein böses Orakel, dem viele Menschen zum Opfer fallen. Der Arzt Rieux wird als erster mit der Krankheit konfrontiert und muss bald erkennen, dass es sich um die seit längerer Zeit in den Abendländern ausgestorbene Pest handelt. Gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung werden Schritte zur Eindämmung der sich ausbreitenden Epidemie beschlossen, was bald bedeutet, dass die Stadt Oran vor der Außenwelt abgeriegelt wird. „So musste jeder sich damit abfinden, von einem Tag auf den anderen und allein im Angesicht des Himmels zu leben. … Wenn man die Menschen sah, schien es, als empfänden sie zum ersten Mal und unmittelbar die Auswirkungen des jeweiligen Wetters. Ihre Miene wurde beim bloßen Auftauchen von goldenem Licht fröhlich, während Regentage einen dichten Schleier über ihre Gesichter und Gedanken legte. … In diesem Ausnahmezustand von Einsamkeit konnte niemand auf die Hilfe des Nachbarn rechnen, und jeder blieb mit seiner Sorge allein.“ Mit solchen Eindrücken wird der Seelenzustand jener Menschen beschrieben, die plötzlich durch den Ausbruch einer Epidemie mit ihrem vereinsamten Leben zurechtkommen mussten. Welch eine Parallele zum Zustand nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie.

Mittwoch, 14. Oktober 2020

Arbeitstitel Zonen

Auszug aus dem IV. Kapitel ...Für Wolf begann sich in dieser Zeit der Eingewöhnung an sein neues Leben Vorstellungen zu entfalten, mit wie wenig Mittel und Möglichkeiten der Mensch ein zufriedenes Leben zu entwickeln in der Lage war. Nachdem es ihm anfangs schwerfiel alten Gewohnheiten nachzugehen, wie vielfältigem Müßiggang oder täglichem Geschwätz aus vielfältigen Informationsquellen oder seinem Tun grundsätzlich eine Logik beizulegen, befriedete ihn seine neue Umgebung mit einem Gleichmaß an sinnvoller Beschäftigung. Alles, womit die Menschen um ihn herum beschäftigt waren, galt ihrem Überleben in dieser Wildnis und besaß die eigenwillige Bedeutung eines Nutzes, der ausschließlich ihrem Widerstand gegen das Unwirtliche ihrer Umgebung entsprach. Niemand handelte mit einer Ware, die er der Natur abgetrotzt hatte, um sich daraus einen Vorteil über seine Mitbewohner zu verschaffen. Stattdessen hatte jeder im Dorf seine feste Aufgabe, die allen uneigennützig diente. Die Männer gingen gemeinsam mit Pfeil und Bogen zur Jagd, während die Frauen die hauptsächliche Hausarbeit mit dem Bereiten der Speisen und dem Herrichten der wenigen Kleidung verrichteten. Den Kindern kam dabei die müßige Beschäftigung des Spielens und bei den größeren des Zuschauens und Lernens aller Verrichtungen im Dorfe zu....

Montag, 10. August 2020

Buchempfehlungen VIII

Auszug aus dem in Arbeit befindlichem Werk 11 - 100 Jünger Gutenbergs

Susanna Tamaro – Verso Casa
Pattloch Verlag – Auflage k. A., 2000, 125 Seiten
Die Autorin des berühmten Buches „Geh, wohin dein Herz dich trägt,“ legt hier mit zwei Essays und einem Interview ein Buch vor, das gleichermaßen, wie das oben genannte Buch, das Herz bewegt. Zum einen geht es um das Staunen, dass wir Menschen scheinbar verloren haben. Sie sagt dazu: „Hervorgerufen und verstärkt durch die Banalität des gegenwärtigen Denkens haben wir heutige Menschen das Staunen fast ganz verlernt – das erschreckende Zeichen unserer inneren Armut.“ Es ist kein Blick mehr übrig geblieben für den Reichtum und die Vielfalt der Lebensformen in der Natur. Nur das Große nehmen wir noch wahr, weil es sich unserm Augen nicht entziehen kann, während das Kleine, der Mikrokosmos, aus dem die Natur besteht, unseren Sinnen abhandengekommen ist.
Der zweite Teil des Buches widmet sich der Versöhnung, die alle Bereiche unseres Lebens durchdringen sollte, damit das Böse und Gemeine aus der Welt verschwindet.
„Die Freiheit, die wir erobert haben, hat dazu geführt, dass die Menschen jeden Respekt verloren haben – vor sich selbst, vor anderen menschlichen Wesen und vor dem, was sie sonst noch umgibt.“
Es ist wohltuend mal wieder solch ein Buch zu lesen, in dem nicht Mord und Totschlag, eine heimliche oder perfide Liebe, Abenteuer oder Horrorszenarien einen Text zu unserer Unterhaltung bestimmen. Haben Sie Mut dazu.

Die Parallelen zur Neuzeit sind unverkennbar.