Dienstag, 8. Mai 2018

Werkstattnotizen - 30

Zweites Buch
Kapitel 5 - Hugo Saar, Auf- und Abstieg einer Karriere

17. Juli 2018

Und so geschah es eines Tages, dass Hugo das Büro des Ortsvorstehers der Meinpartei betrat, um dort wegen seiner Mitgliedschaft vorzusprechen.

Kapitel 4 - Das Phänomen der fliegenden Gedanken

15. Juli 2018

Der Abschluss des 4. Kapitels erläutert die spannende Frage, wie das Gedankenlesen zwischen Mann und Frau seine Fäden spinnt.
„Wissen sie“ sagte Caspar, „was mich über Frauen einmal zu wissen drängt, auf welche Weise kommen ihnen die Begehrlichkeiten von uns Männern zu Bewusstsein. Sind es auch die fliegenden Gedanken, die ihnen unseren Willen zutragen oder was empfinden sie, wenn mein Blick ihre Beine streift?“
Barbara schenkte Caspar ein verständnisvolles Lächeln ehe sie ...

12. Juli 2018
Der Teil 1 steht kurz vor seinem Abschluss und den Teilnehmern wurde von Lion das Außerordentliche der Schule der Gedanken preisgegeben. Es wurden daraufhin Parallelen in der Geschichte gefunden, wie sie von einen Standpunkt betrachtet werden, der ein gänzlich neues Licht auf den Untergang der Kulturen im alten Ägypten oder der der Maya wirft.
"...Die Kulturen im alten Ägypten oder vielleicht auch jene der Mayas in Mexico sind möglicher Weise auch aus eben diesem Grund dem Untergang anheimgefallen.“
„Das ist aber eine gewagte Vermutung“ ließ sich als Erster Caspar vernehmen, „Denn die wissenschaftliche Forschung hat etwas anderes ergeben. In Ägypten sollen entweder Machtkämpfe nach dem Tod eines Pharaos den Untergang bewirkt haben, während andere Quellen von einer verheerenden Hungersnot durch das Austrocknen des Nils berichten. Auch bei den Mayas werden feindliche Invasionen als Grund für den Untergang des Reiches angeführt und ebenso wie in Ägypten ein über Jahrzehnte anhaltender Klimawechsel in Erwägung gezogen.“

22. Juni 2018

Lion gibt seinen Gästen etwas preis:
„Auch Einstein hat“ erklärte Lion, „als er auf dem Weg zur Entdeckung der Relativitätstheorie war, mit der rigorosen Verneinung der Annahme von Lorentz, als er einen Äther zur Erklärung physikalischer Gesetzmäßigkeiten schuf, einen neuen Weg des Denkens beschritten. Ziel unserer Schule der Gedanken soll es sein, einen ähnlichen Umschwung bei der Betrachtungsweise unserer Umwelt zu erreichen. Die alteingefahrenen Gedankengänge um Reichtum, Besitz und Gier sind zur Erhaltung der menschlichen Gesellschaft nicht mehr förderlich. Es braucht eine neue Herangehensweise an den Fortschritt, will die Evolution von Nutzen für die Menschheit sein.“

Kapitel 3 - Session

21.Juni 2018

Vom Ende des dritten Kapitels, das noch eine neue Überschrift erhalten hat

Denn Gedanken können Gefühle transportieren und Handlungen sensibilisieren. Ich will ihnen dazu ein Beispiel geben. Stellen sie sich zwei Personen vor, die jeder eine drei Meter lange Glasstange durch eine Tür und ein enges Treppenhaus tragen. Die geringste Unvorsichtigkeit durch Anstoßen an der Türlaibung oder den Wänden würde den Stab zerbrechen. ...

15.Juni 2018

In Anlehnung einer heutige Leserzuschrift an die Sächsische Zeitung zu Peter Schreier:
Ein Auszug aus dem aktuellen Projekt - Kapitel 3

„Dem würde ich nicht vollumfänglich zustimmen“ widersprach Caspar, „denn obgleich wegen der Kontakte vieles dafürspricht, sind Kontakte allein nicht ausschlaggebend für das geistige Niveau eines Menschen. Nehmen wir nur einmal einen Eremiten an, der jahrelang allein in den Bergen lebt, wie man es zum Beispiel dem Buddha oder dem Christophorus nachgesagt hat, die in ihrer Einsamkeit dem Nachdenken gefrönt und allein daraus tiefgründigere Gedanken hinterlassen haben, als es sich aus den vor ihnen erwähnten Möglichkeiten nachweisen lässt. Liegt da nicht der Verdacht nahe, dass das Gewicht unserer Gedanken aus einem geistigen Vermögen stammt, das sich Nachdenken heißt. Grundbedingungen dafür sind die Konzentration und das Wissen um Zusammenhänge, was nicht damit erlangt werden kann, wenn man sich den lieben langen Tag nur der Unterhaltung widmet. Ich meine damit Unterhaltung im Sinne von Kontakten, Unternehmungen oder sonstigen der Ablenkung dienenden Beschäftigungen. Solcherart sind sie im Zeitgeist immer häufiger anzutreffen und wir brauchen uns nicht zu wundern, dass ein Genie, wie Einstein zum Beispiel eines gewesen ist, immer seltener anzutreffen ist oder die Literatur keinen Thomas Mann, Balzac oder Charles Dickens mehr hervorbringt.

09. Juni 2018

"… bevor ich zum Beispiel auch nur einen Hebel an meinem Kran in Bewegung setze, habe ich darüber nachgedacht, in welche Richtung und zu welchem Zweck ich den Hebel betätige. Tue ich das nicht, besteht die Gefahr, dass der schwere Haken das Werkstück oder gar einen Menschen beschädigt. Also immer erst nachdenken, das heißt, Gedanken für einen Zweck aufbringen, ehe ich ihn zur Tat werden lasse.“
„Dagegen ist nichts einzuwenden“ sagte Lion ruhig und gelassen, „sie sind ein verantwortungsvoller Mensch und nicht von der Idee besessen, dass sich eine Handlung schon irgendwie fügen wird. Und mit Fügen meine ich eine gewisse Gedankenlosigkeit, wie sie sich neuzeitlich unter den Menschen ausbreitet. Aber das ist trotz allem nur die halbe Wahrheit zu meinem Anliegen einer Schule der Gedanken, denn ich will mit ihnen erreichen, dass wir erkennen, wie einflussreich unserer Gedanken auf unsere Umwelt sind. Was wir da unter unserer Schädeldecke tragen ist ein sehr lebendiges Ding, dass unglaublich aufnahmefähig ist und Gutes wie auch Schlimmes bewirken kann. Man sollte sehr sorgsam damit umgehen.“


01. Juni 2018

...welchen Einfluss wohl das Lesen auf die Gedanken der Menschen ausübt und wir bei unseren Gesprächen darauf zu sprechen kommen sollten.“
„Mit den Büchern und dem Lesen verhält es sich wie mit unserer Ernährung“ ließ sich Caspar vernehmen, „denn was und wie wir Essen hat zum Beispiel maßgeblichen Einfluss auf unsere körperliche Konstitution. Unsere Gesundheit speist sich daraus, während der Umgang mit den Büchern unser geistiges Vermögen bestimmt. Sich nur der Unterhaltung zu widmen bildet, wie bei einem Knochenbruch und seiner nachfolgenden Ruhigstellung der betroffenen Gliedmaße, die Muskelkräfte zurück, was im übertragenen Sinne auf unsere mentalen Fähigkeiten zutrifft. Wir sind dann nicht mehr in der Lage weitreichende Entscheidung abzuschätzen und verdingen dafür lieber das Abwarten oder die Delegation. Und um es gleich auf den Punkt zu bringen, die Menschen unserer Zeit delegieren bereits die auftauchenden Probleme um unsere gesellschaftliche Entwicklung auf nachfolgenden Generationen und sie warten zugleich nach dem Motto, es wird schon nicht so schlimm werden, lieber ab, statt notwendige Entscheidungen zur Rettung unserer Welt in der Gegenwart zu treffen.“

28. Mai 18

Der Boden. Nichts ist ständiger vorhanden als Haftung für und auf unserem Erdenrund. Eines kommt ihm dabei gleich und begleitet den Menschen ein Leben lang, das sind seine Gedanken, mit denen er seine Weltenordnung bildet.


Kapitel 2 - Der Lilienstein

23.Mai 18

Marion W. liest vor...‚Beide hatten wir gut getrocknete Gedankenschindeln, an denen wir herumschnitzelten; wir erprobten so unsere Messer und bewunderten gleichzeitig die schöne gelbe Maserung der Kürbiskiefer. So behutsam gingen wir vor, dass wir die Gedankenfische nicht verscheuchten; prachtvoll kamen und gingen sie, wie die Wolken, die am Abendhimmel schweben, und die perlmutterfarben schimmernden Schäfchen, die sich dort bilden und wieder auflösen. So überarbeiteten wir die Mythologie, rundeten da und dort eine Fabel ab und bauten Luftschlösser, für die auf der Erde kein Platz war.‘...

18.05.18

Brigitte N. war indes wenig überrascht, dass sie als erste die Runde verlassen durfte, im Gegenteil, es war ihr ganz lieb, sich nicht um anderer Aufgaben scheren zu müssen. Dann vernahm sie, was sie tun sollte:
„In der Einleitung zu Schule der Gedanken ging es um die Vorstellung, Kraft derer ein Ereignis zu einem gewünschten Augenblick geführt werden könnte. Suchen sie nach einer jenen, mit deren Hilfe sie ein derartiges Ziel zu erreichen gedenken. Das wird in ihrem Fall möglicher Weise der Einfluss auf eine Person sein. Will sagen, verbiegen sie etwas, dass ihnen im Grunde genommen unmöglich erscheint.“

16.05.18

Mancher möge sich fragen, was will der Autor mit dieser Geschichte über eine Schule der Gedanken:

Ein Buch für keinen und jeden.

Noch wird der Plot nicht verraten, nur soviel, manchmal muss man seinen Standort verändern, soll Herkömmliches gegen Neues vertauscht werden.



08. Mai. 2018

Die Auserwählten treffen sich unterhalb des Lilienstein zu ihrer ersten Session.

Marion W. trifft auf Lion:
„Wie ich höre Frau Wohlebe wird es eine spannende Zeit, die uns in den nächsten Stunden bevorsteht. Die Bemerkung von Schopenhauer stammt aus dem Kapitel über das Selbstdenken, wie ich mich erinnere. Und er behauptet darin, dass das viele Lesen dem Geiste die Elastizität, wie sie ein fortlaufendes drückendes Gewicht einer Springfeder nimmt. Und weiter, um keine eigenen Gedanken haben zu müssen, wäre das Lesen das sicherste Mittel, in jeder freien Minute ein Buch zur Hand zu nehmen. Das ließe sich, wenn ich das so sagen darf, auf viele Handlungen der heutigen Menschen erweitern.“

Bei Schopenhauer gefunden:
Der ganze Jammer der heutigen Literatur in und außerhalb von Deutschland hat zur Wurzel das Geldverdienen durch Bücherschreiben. Jeder, der Geld braucht, setzt sich hin und schreibt ein Buch, und das Publikum ist so dumm, es zu kaufen. (Aus Paralipomena, Über Schriftstellerei und Stil)

Montag, 30. April 2018

Gedanken - 7


Zur Facebook-Abmeldung

Wir führen ein so nichtswürdiges
Leben, weil wir die Dinge nicht
durchschauen. Wir nehmen den Schein
für das Sein.
Henry D. Thoreau


Das wirkliche Leben hat mich wieder und ist zurück in die Unabhängigkeit aus der Gier der Sozial Medien, die nur Versprechen gegen Enttäuschungen bereithalten und einem unbekannten Götzen dienen.

Mittwoch, 21. März 2018

Werkstattnotizen - 29

07.05.18
Kapitel 1 zu Lion ... - Die Gedanken sammeln sich - ist beendet. 8.860 Wörter -




05. Mai 2018
Teil 4 – Das Phänomen der fliegenden Gedanken

Es gibt etwas Seltsames in der Beziehung zwischen zwei, nicht unbedingt vertrauten, Menschen, wenn sich plötzlich eine Situation einstellt, in der jeder meint, der andere habe ihm das Wort aus dem Munde genommen. Dann vermeint die betreffende Person, man habe ihr die Gedanken gestohlen, die so punktgenau einen Vorgang, eine Meinung oder Beobachtung beschreiben, wie man sie augenblicklich selbst soeben gedacht hatte....



30.04.18
Teil 3 - Der Erfahrungsspeicher

Das menschliche Gehirn ist ein riesiger Erfahrungsspeicher, vergleichbar den digitalen Medien, die der Mensch mit seinem Wissensdrang künstlich erschaffen hat. Denn alles Tun ist ein Abbild des Gehirns, dass nur zulässt, was ihm guttut. Der Mensch weiß nur noch nicht, was Lebendiges er da unter seiner Schädeldecke mit sich herumträgt. Und wenn sich bisweilen seltsame und unerklärliche Dinge im Alltag des Menschen ereignen, sind dies unwillkürliche Handhabungen eines Geistes, der seine kombinatorischen Fähigkeiten kurz hat aufblitzen lassen. Mit anderen Worten, er wollte Schlimmeres verhindern. Man kann auch Gedankenkern dazu sagen, der in jedem Menschen vorhanden ist und der alles lenkt und leitet und nach dem sich sowohl der Charakter als auch alle Ziele im Leben richten.


12. April

Lebenslauf des Caspar H.
„Wie beginnt man eine Beschreibung seines Lebensweges, wenn der Anfang des Pfades im Dunkel des Bewusstseins liegt. Aus den Fotos und Erzählungen der Angehörigen lassen sich keine wirklich wichtigen Fakten herstellen, die unsere Gedanken und den Charakter prägten. Obgleich es für das Verstehen unseres Lebens von Belang wäre, was mit uns in den ersten Lebensjahren geschah, gibt es dafür keine sicheren Beweise. Und so setzen unsere Erinnerungen meist erst dann ein, nachdem unsere Seele schon ihre Formen aber auch Verformungen erfahren hatte. Gelegentlich lassen sich vielleicht aus den Erinnerungen unserer Eltern und deren charakterlichen Veranlagungen manches erraten, das zu der Persönlichkeit führte, mit der herumzuschlagen uns dann ein Leben lang vergönnt ist....Zwar schrieb schon Somerset Maugham, dass man mit Literatur keinen Leser zu erziehen vermochte, weil er im Grunde genommen von ihr nur unterhalten sein will, doch das war mir zu wenig für meine Fähigkeit, den Menschen, mit wohlüberlegten Texten, einen Spiegel vorzuhalten. Aber man wünschte keine Späne im Getriebe des Umsatzes.


08. April

Teil 2: Über geheimnisvolle Gedankenströme

Wie der Flügelschlag eines Vogels wallen die Gedanken eines Menschen hinter seiner Stirn. Von äußeren Reizen, wie Bildern oder Eindrücken und Informationen inspiriert, erhalten sie Anregungen, sich zu orientieren. Und da entstehen mitunter Situationen, bei denen man meint, sie seien zielbestimmt auf eine Beschäftigung gerichtet, die in ihrem Tun zwangsläufig nur so hätte von statten gehen können. Denn als ginge ihr eine bewusste Überlegung voraus, vereinen sich in solchen Augenblicken Sinn und Zweck zu einem Ergebnis, dass wie von einer Festlegung berufen sich planmäßig einstellt. Doch stattdessen zeigt sich Überraschung. Wie konnten wir so plötzlich wissen, dass genau jene Umstände notwendig waren, ein Ergebnis zu zeitigen, dem Zufriedenheit und Sicherheit anhaften. Geneigt, einer göttlichen Vorsehung Anerkennung zu schenken, besteht in solchen geheimnisvollen Momenten die Gefahr, dass man eine Vorstellung mit der Wahrheit vertauscht und einem gottgleichen Erschaffer allen Lebens seinen Glauben schenkt. Mag vielleicht vor Unzeiten, als die Menschen noch nicht so kenntnisreich um ihre Natur und Umwelt waren, aus solchen unheimlichen Momenten die Religion erstanden sein, der zum Nachdenken fähige Zeitgenosse sollte darin eine Aufgabe erkennen, sich seinen Gedanken mit unverhohlener Fantasie zu stellen.


07. April 2018

Aus dem Lebenslauf der Marion W.
...Lion suchte über das Internet alle möglichen Informationen über die Unbekannte zu erfahren.
Die Datenflüsse der Neuzeit gaben dazu reichlich Nahrung her, denn was ein Nutzer den elektronischen Medien einmal anvertraut hatte, lag dort für immer und ewig in einem Speicher, den abzurufen nur ein wenig Geschick und Ausdauer bedurfte, bis man sich ein Bild von scheinbar jeder beliebigen Person machen konnte.

02. April 2018
Schule der Gedanken

Teil 1 - Einführung
Als einen Gedanken betrachten wir einen Einfall oder eine Idee, ein Konstrukt eben, das im Prozess des Denkens entsteht. Interessant für meine Betrachtungen sei der Umstand, was dieser Prozess für unser Tun und Handeln bewirkt.
Zwar ist die Literatur voll von Beispielen, die ich zur Untersuchung heranziehen könnte, ich will hier aber einen besonderen Versuch wagen, der nahe am okkulten gelegen ist, wenig Beweisbares beinhaltet und zu jenen Dingen des Lebens gehört, denen atmosphärische Illusionen anhaften. Ich bemühe mich zwar hier des Begriffes der Übersinnlichkeit, meine allerdings etwas anderes zu beschreiben, bei dem kein Gespräch zu einer verborgenen Welt gesucht wird, sondern eine bestimmte Handlung vermittels von Gedanken gesteuert werden kann. Wer schon einmal den Versuch unternommen hat, das Verhalten eines Menschen durch Manipulation, d.h. gezielte Einflussnahme durch Vorbilder oder Versprechungen, zu bewirken, weiß in einem ersten Ansatz worauf ich hinauswill. Im Gegensatz dazu soll allerdings die Einflussnahme nicht durch ein verbales Geschick erreicht, sondern mit stummer Vorstellungskraft eine Handlungsfolge zu einem bestimmten Ergebnis herbeiführt werden. Pauschal ausgedrückt soll untersucht werden, auf welche Weise Gedanken dazu beitragen können, dass ein Ereignis zu einem gewünschten Augenblick führt.
Es ist hier nicht der Platz für einen philosophischen Exkurs und wir wollen zudem einem Allgemeinverstand mit diesem Artikel Rechnung tragen, weshalb Wert auf eine populäre Ausführung gelegt sei, dass in Folge seiner Veröffentlichung ein Diskurs unter meinen Lesern möglich werden kann. Zweifelsohne werden nicht alle Leser die Schule der Gedanken verstehen. Und wie es unterschiedliche Charaktere unter dem Geschlecht der Menschen gibt, die den Ansichten und dem Tun andersgeartete Verhaltensweisen entgegenbringen, so kann eine Schule der Gedanken nicht auf einen jeden Menschen maßgeschneidert werden. Es muss zu ihrer Fähigkeit eine Seele gehören, die zu den Unwahrscheinlichkeiten des Lebens bereit und nicht schon durch die strikte Logik alles Beweisbaren verfestigt ist.
Wir ahnen, dass, wie es dem Magnetismus eigen ist, unsichtbare Kräfte in der Natur vorhanden und physikalisch nachweisbar sind, doch darüber hinaus hält sie möglicher Weise noch einen Einfluss bereit, für dessen Wirksamwerden geheimnisvolle Kräfte erforderlich sind. Eine Mutmaßung als Zusammenspiel zwischen einem Medium und dem Menschen ist gemeint, der bestimmte empirische Voraussetzungen und Empathie eigen sind.
Fortsetzung folgt: Über Geheimnisvolle Gedankenströme


26.03.2018
Von der Demut des Dienens

Es soll hier nicht von der inneren Einstellung eines Menschen gegenüber irgendeinem Herren, Gott oder Schöpfer die Rede sein, sondern jener Haltung von Mensch zu Mensch das Wort verleihen, die als Brücke des Verständnisses über charakterliche Eigenarten zu schlagen ein Verhalten unterstützen sollte. Wie die Überschrift schon andeutet, geht es nicht um eine Anbetung, sondern sucht ein Tun zu beschreiben, dem positive wie auch negative Eigenschaften anhaften können und dem gelegentlich ein Sinnbild der Unterwürfigkeit vor dem geistigen Auge aufsteigt. Dem gegenüber steht eine andere Art des Verhaltens, die sich umkehrt und vom Wort her erhöht, der Hochmut. Anders als deren kleine Schwester, die Demut, hat er wenig mit dem Dienen gemein und fühlt sich auf eine Weise erhaben, die Ursache für manche, vielleicht sogar viele Probleme zwischen den Menschen ist. Aus ihr, der Hochmut, ragt ein Stachel, dem des Skorpions gleich, der einen Menschen vergiften und unter Umständen töten kann. Im Glauben, der Allwissende, alles Könnende zu sein, wird Ehrfurcht vor den natürlichen Dingen des Lebens von ihm mit Füßen getreten. Obgleich damit wenig geeignet, Vertrauen unter einen gesellschaftlichen Gemeinsinn zu säen, bestimmt Hochmut schon lange den Geist der Menschen und negiert alle Folgen, die sich aus seinem Tun gegenüber schwindenden Ressourcen ergeben. Doch kehren wir zum Grund und Boden zurück, dorthin, wo die Demut ihren Ursprung hat.
Der Philosoph Kant sagt über die Demut: Sie „ist so indirekt Indikator für die eigentliche Würde des Menschen als eines freiheitlichen Vernunftwesens.“ Als ein solches sich verstehen und begreifen ist angeraten, wenn der Mensch sich um die übermächtige Natur bemüht, weil sie ihm das Leben mit all ihren Schön- und Prächtigkeiten erlaubt.


„…magische Zuflucht, in die ich, so oft
ich geistig dazu bereit war, für Stunden
eingehen konnte, und wohin kein Ton
aus der aktuellen Welt drang.“
Hermann Hesse an Martin Hesse, 03.12.1943



21.03.2018
Das neue Projekt steht unter dem Motto, dass ich bereits in einem unveröffentlichtem Artikel als Schlusssatz gewählt hatte:
... dass sich der Mensch in erster Linie selbst verändern muss, bevor er seine Lebensbedingungen umgestalten kann.
Das Projekt enthält auch eine "Schule der Gedanken" und Gruppengespräche über das Zeitgeschehen. Ich weiß, dass ich damit vermutlich wieder wenig auf Gegenliebe stoßen werde, aber ich kann mich dem Geplauder der heutigen Literatur einfach nicht mehr anschließen. Unsere Lage auf diesem Erdenrund ist ernst, wann endlich beginnt die große Politik das zu verstehen. Für mich dient dieses Projekt der Selbstverständigung, mehr wird es nicht bieten können.

Das größte Glück auf Erden ist geliebt zu werden, schreibt Victor Hugo und ich ergänze, dass Glück zu bereiten, die eigentliche Bestimmung des Menschen sein sollte. Die Demut des Dienens.

22.03.18
Gilt auch für mich:
Je weniger man endgültig, je mehr man nur vorläufig, der Erinnerung und des Nachdenkens halber schreibt, desto mehr wird die Formulierung der verbindlichen Geschichte und der endgültigen Sätze zum Inbegriff des Glücks. (Aus Marbacher Magazin - Hermann Hesse Diesseits des Glasperlenspiels).

Donnerstag, 15. März 2018

Gedanken - 6

Ein Beitrag zu unserer Zeit.
Der Mensch hat seinen Aufenthalt auf der Erde schon lange verwirkt. Selenruhig wirft er ein Scheit nach dem anderen ins Feuer, darauf vertrauend, dass nichts Schlimmes dabei passieren und, dass sich schon irgendwer um den Brand kümmern wird.
Angetrieben von einer Lobby, die z. B. aus der Auto,- Banken- und Pharmaindustrie besteht, um nur die mächtigsten Verursacher dieses Feuers zu nennen, wird die Glut ständig am Leben und Auflodern gehalten, den Menschen damit einen Wohlstand und eine Sicherheit vorgaukelnd, die die Augen trübt, um die wahren Folgen zu erkennen.
Menschen, die mit Worten, Beiträgen oder Büchern darauf hinweisen, dass die Menschheit dabei ist, sich abzuschaffen, werden einfach ignoriert oder mundtot gemacht. Mit welchen Mitteln das geschieht, hat der Fernsehfilm, Gefangen – Der Fall K. mit Jan Josef Liefers in der Hauptrolle, eindrücklich geschildert. Sein Recht und seine Gedanken werden durch eine Lobby von Rechtsanwälten, Ärzten und Finanzberatern dem Wahnsinn anheimgestellt, so dass sich Basti, wie der Filmheld heißt, bald in einer geschlossen Anstalt wiederfindet, aus der es kein Entrinnen mehr gibt. Das ist nur ein Beispiel zügelloser Machenschaften, mit denen versucht wird, eine bestehende Gesellschaft mit allen Mitteln am Leben zu erhalten.
Gerade ist die Buchmesse in Leipzig eröffnet, wo es wieder eine Schwemme an Büchern zu besichtigen gibt, die mit Ihren Inhalten ein Abbild unserer Gesellschaft wiederspiegeln. Ein Überfluss, der zu 99 % von den eigentlichen Problemen auf dieser Welt abzulenken hilft. Das eine Prozent, dass Bücher von Autoren betrifft, die über den Tellerrand hinwegzusehen in der Lage sind, ist mit Sicherheit auch dabei, doch wer wird sie finden. Und wenn, dann ertönen ihre Stimmen unerhört im Wust der Besucher, die an Belanglosigkeiten vorbeischlendern und nicht merken, dass man ihnen zwar nicht ihren Glauben nehmen will, sie aber glauben macht, was sie glauben sollen.
Sie werden vermutlich diesen Beitrag, wie meine vorigen bereits auch, wieder nicht veröffentlichen, doch Sie sollen wissen, dass es Menschen und Autoren gibt, die sich Gedanken um unsere gemeinsame Zukunft machen und Ansätze dazu bieten, dass sich in erster Linie der Mensch selbst verändern muss, ehe er seine Lebensbedingungen umgestalten kann.
Pirna, am 16.03.18 Harald Kugler

Samstag, 3. März 2018

Gedanken - 5

Meinung zur Zeit

Immer wieder erscheinen Bücher, in denen unsere Zeit analysiert wird. Aber es ist längst kein Geheimnis mehr, dass das ständig angestrebte Wachstum, eine Grundbedingung der Marktwirtschaft, den Untergang der Menschheit bewirkt. Immer mehr Arten sterben dafür aus, weil der Mensch den Lebensraum auf der Erde für sich und seine Bequemlichkeiten beansprucht.
Die Zeit ist reif und längst überfällig, dem Menschen ans Herz zu greifen, dass er endlich versteht, was die Natur tagtäglich auf diesem Erdenrund zu erleiden hat. Nur wenn etwas schmerzhaft das Wesen der Menschen angreift, beginnt er wirkungsvoll darüber nachzudenken. Aber das ist wohl das Schwierigste mit der menschlichen Natur, sie erziehen zu wollen. In diesem Wort steckt das Verb „ziehen“, und das ist auf die persönliche Freiheit des Einzelnen bezogen das Problem an der Sache. Die Menschen haben sich dank der gesellschaftlichen Möglichkeiten zu selbstbewussten Individuen entwickelt, die sich ungern vorschreiben lassen, was sie zu tun und was sie in ihrem Lebensinhalt zu verändern haben. Aber wenn der bisherigen Wachstums-Entwicklung Einhalt geboten werden soll, muss gerade an der Psyche der Menschen eingehakt werden, dass sie sich in ihren Gewohnheiten auf „weniger ist mehr“ umstellen. Nur festzustellen, dass Wachstum den Untergang bedeutet reicht nicht aus, denn es interessiert im Grunde genommen keinen, weil die Auswirkungen des heutigen Tuns in der Zukunft liegen, einer Zeit, die wir alle, bis auf unsere Enkel vielleicht, nicht mehr erleben werden.
Schreibt man hingegen ein Buch über die Machenschaften der Marktwirtschaft (s. Projekt anbei) und versucht Lösungsansätze zur mentalen Veränderung der Menschen aufzuzeigen, interessiert das keinen Verlag und man muss auf einen Druckverlag zu eigenen Kosten ausweichen, dass wenigstens ein paar Leser erreicht werden. Der Hauptgrund dafür ist, dass auch bei den Verlagen die Gesetze der Marktwirtschaft greifen, es muss sich rechnen lassen, so dass mit kritischen Texten kaum ein Leser hinter dem warmen Ofen hervorgelockt werden kann. Und so drehen wir uns im Kreise eines Strudels, bis sich vielleicht irgendwann ein mutiger Verleger findet. Bis dahin beschäftigen wir uns mit der Regierungsbildung, den Fahrverboten für Dieselautos, Börsennotierungen und natürlich Neuerungen in der Mobilfunkbranche. Themen, die zeitgemäß sind und die von den notwendig mentalen Veränderungen ablenken aber zugleich zur Verfestigung des bestehenden Glaubens an die Marktwirtschaft beitragen.

Sonntag, 11. Februar 2018

Werkstattnotizen - 27

Ein streitbares Heft 19 in der Reihe der Einbogendrucke


Das Phänomen des Ostens – ein Essay

Um von Anbeginn dieses Textes richtigzustellen, welche geografische Region mit dem Titel gemeint ist, sei das folgende Zitat von Alexander Block angeführt:
„Für einen selbst wie auch für andere ist es von Interesse, sich zuweilen an die Geschichte der eigenen Werke zu erinnern. Umso mehr, als wir glücklichsten oder unglücklichsten Kinder unseres Jahrhunderts unser Leben überdeutlich eingeprägt in unserem Gedächtnis tragen. Unsere Jahre waren viel zu unauslöschlich gefärbt, leider, als dass wir sie vergessen könnten.“1
Als die Menschen dieser Region noch nicht vordergründig von einer marktwirtschaftlich geprägten Erwerbskultur geprägt waren, glomm in ihren Seelen noch eine Flamme, in deren Schein sich uneigennütziges Interesse an Kultur widerspiegelte. Die Buchläden zum Beispiel, überschaubar aufgestellt, ließen Neuerscheinungen schnell im eigens dafür hergerichteten Regal erkennen und machten nicht durch bildmächtige Aufmachungen von sich reden, sondern brachten ihren Plot auf eine gedankliche Frequenz, die hinter dem Spannungsbogen noch eine neue Erkenntnis für den Leser bereithielt. Buchhändler/-innen und Kunde waren sich meist über ihre Büchervorlieben vertraut und es kam einem familiären Verhältnis gleich, wenn eine gesuchte Neuerscheinung für den Stammkunden vorgehalten wurde. Vertrauen auf und gegen Vertrauen wurde ein Gemeinsinn im Handel gelebt, in dem nicht der Überfluss das Maß aller Dinge war, sondern der Mensch mit seinen Wünschen und seiner Anerkennung im Vordergrund stand. Gutmütig und geduldig, weil die Zeit in einem Maß verlief, dem Gefühl und Herz noch zu folgen vermochten, konnte man auch mehrere Wochen auf eine Buchlieferung warten. Umso erfreulicher und dankbarer war man dann für den Tag, an dem der lang ersehnte Band endlich in den Besitz gelangte. Eile hatte in dieser Zeit eine andere
1 Alexander Block aus „Vergeltung“


Maßeinheit, die sich die Bürger dieses Landes dann später leider aus den Händen nehmen ließen und sie gegen einen Algorithmus eintauschten, der ihrem Leben eine ungewollte Beschleunigung verhieß.
Nun nach Jahren zu ihrer Zufriedenheit befragt, einem marktwirtschaftlichen Instrument zur Datenermittlung mit optimierenden Hintergrund, macht sich Verwunderung breit, dass die so zutiefst herbeigesehnte große Freiheit nicht das Maß aller Dinge und Demokratiegestaltung von Politikern mit viel Eigennutz behaftet ist, Ängste und Gefährdungen aus der Zuwanderung Fremder in die Gedankenwelt der Bürger Einzug halten und die Zweiklassengesellschaft von mehr als der Hälfte der Bevölkerung im Lande gelebt werden muss. Die Kultur erhält bei solch einer Umfrage schon überhaupt keinen Stellenwert mehr.
Und noch einmal, als die Menschen dieser Region noch nicht vordergründig von einer marktwirtschaftlich ausgerichteten Erwerbskultur geprägt waren, besaß Zufriedenheit eine andere Wertigkeit in der Bedeutung ihres Wortsinnes. Nahe gelegen an der Tugend Bescheidenheit und unterstützt von Zweckmäßigkeit, bildete sich dieses Lebensmerkmal zu einer Einstellung der Menschen, die sich aus Genügsamkeit, Bescheidenheit und ehrlichem Frohsinn speiste, dem Ängste fremd waren. Dass die damalige Demokratie keine war, kam einem Frevel gleich, der Betrug am Menschen zum System machte. Solcherart Politik kann auch im Nachhinein nicht gutgeheißen werden.
Der Titel, um den es mir mit diesem Essay zu tun ist, dem Phänomen des Ostens nachzuspüren, trägt sich aus diesen begonnenen Gedanken, dass den Bürgern der Neuen Bundesländer ein gelebter Gemeinsinn und eine Gutmütigkeit innewohnt, die die Marktwirtschaft von Anbeginn ihrer gesellschaftlichen Prägung auf dieses Zuzugsgebiet für ihre Zwecke der Gewinnoptimierung ausnutzte. Wie anders ist es zu erklären, dass nach 28 Jahren noch immer mit unterschiedlichem finanziellen Maß zwischen Ost und West bei
der Beschäftigungsentlohnung der Menschen gemessen wird. Wie kann bei solch einer Konstellation Zufriedenheit erwartet werden, wenn bei der Bewertung der Menschen bei gleicher Leistungsvollbringung schamlos auf deren Abhängigkeit spekuliert wird.
Aber kommen wir auf den Buchhandel zurück, denn er eignet sich wie kein zweites Beispiel für diese Geschichte. Viele kleine Buchläden und Antiquariate prägten damals vor 28 Jahren die Leselandschaft und ihre Inhaber verkauften mit Leib und Seele, was sie zuvor meist auch selbst gelesen hatten. Empfehlungen waren deshalb wie ein Bindeglied zwischen Leser und Verkäufer und nicht von einer Bestsellerliste vorgegeben, deren Zustandekommen unbekannter Herkunft und damit unpersönlich ist. In der Fülle und im Überfluss der Angebote, bestehend aus zahlreichen Ratgebern, Erfahrungsberichten, Schmökern über die Liebe oder Geschichten, Horror- bzw. mysteriöse Geschichten, Krimanalromanen ohne Zahl und Ende, um nur einen winzigen Teil der Buchlandschaft zu bezeichnen, wird jedes Signal unterdrückt, dass einem besonderen Buch innewohnt. Beim damaligen Buchhändler des Vertrauens fand sich die Suche nach einem Buch gut aufgehoben und es fehlten all die Randglossen von Bestseller, Prominenz, Kultautor oder Werbeauftritten, hinter oder unter denen sich ein Verkaufszweck organisiert. So wird Zufriedenheit demonstrativ gemacht, die in ihrem heutigen Wortsinn aus Verkaufszahlen besteht und nicht das reale Befinden der Menschen dieses Landes widerspiegelt. Was Wunder, wenn Zufriedenheit dann eine unerwünschte Vorsilbe erhält. Und setzt man die globale Betrachtungsweise an, kommt in dieser gegenwärtigen Umfrage ein Allgemeinbefinden der Befragten zum Ausdruck, das mehr verrät, als dem Zweck dienlich ist.
Treten wir nun zum Resümee an, bei dem Jammern, wie den ostdeutschen Bürgern vielmals unterstellt wird, ausdrücklich als Wort untersagt ist, denn es geht mir um das Phänomen der ostdeutschen Mentalität, die sich im Verlaufe weltumspannender Abgrenzung im besonderen Maße ausgebildet hat. Ohne eine
umfassenden Studie an dieser Stelle ihren berechtigten Raum einzuräumen, will ich nur das Allgemeine und nicht das Besondere anreißen und es als ein Phänomen herausstellen, das in seiner Ausprägung eine Stimmung erklärt.
Aufgewachsen in weitestgehend behüteten Verhältnissen, die frei von einem Kampf auf dem Arbeitsmarkt waren, hat sich bei diesen Menschen eine Einstellung manifestiert, die man trotz allem als märchenhaft und paradiesisch gefärbt bezeichnen kann. Mangel wurde durch Genügsamkeit, Gemeinschaft oder Organisationstalent ausgeglichen und das scheinbar Unabänderliche ihrer territorialen Eingrenzung als gegeben hingenommen. Wenn auch die Sehnsucht über die Ländergrenzen hinaus bei Vielen vorhanden war, so trug sie doch im Einzelnen einem Behütetsein Rechnung, wie sie Menschen eigen ist, die in einfachen Verhältnissen aufwachsen und in der Heimat fest verwurzelt sind. In all diesen, im letzten Absatz erwähnten, Tugenden kommen Grundfeste der menschlichen Seele zum Ausdruck, die dem Wohlbefinden ein Lager und den Menschen der heutigen Zeit ein Gefühl der Sehnsucht bereiten. So gesehen ist das Phänomen des Ostens ein unter einmaligen Bedingungen erworbenes Lebensgefühl, das möglicherweise Zukunft vorausnimmt.

Einbogendrucke, Heft 19, im Eigenverlag zu Pirna

Harald Kugler, Buchautor aus Pirna

Und hier der Auszug zu einer ersten Lesermeinung:


„Verstehen kann diese Zeilen nur, wer im Osten
lebte und dieses mit allen Stärken und Schwächen
verinnerlicht hat. Und auch von denen wird diese
Zeilen nur der akzeptieren, der nicht verdrängt, der
sein Bestreben, verstehen zu wollen nicht einer
sinnentleerten Hochglanzkunst, nicht dem
Irrationalen und der Verkehrung der menschlicher
Werte in ihr Gegenteil und einem Fetisch (Marx)
geopfert hat, kurz, wer seinen kulturellen
Anspruch nicht zugunsten der Angepasstheit und
des Bequemen aufgegeben hat.“
Abel Doering

Mittwoch, 7. Juni 2017

Werkstattnotizen - 26




22.01.18 Rezension zum Darwin-Projekt oder das Boa-Manuskript


Harald Kuglers Roman „Darwin-Projekt oder Das Boa-Manuskript“ ist eine faszinierende Geschichte, die dem Leser nicht nur eine spannende Lesezeit, sondern auch Gedankenanstöße liefert, die zum Nachdenken über alle Lebensbereiche anregen.
Zwei junge Männer finden bei ihren Gebirgswanderungen aus Zufall einen Teil eines Manuskripts, das sich als Protokoll von Sitzungen gewisser „GEOs“ entpuppt, die in sechs Sitzungen, den sogenannten „Boas“, über die mögliche Einflussnahme auf die gesellschaftliche Entwicklung und die Evolution des Menschen reden. Dabei verfolgen diese einflussreichen Persönlichkeiten ihre eigennützigen Zwecke. Über die Unglaublichkeit dieses Vorhabens erschüttert, begeben sich die Finder auf die Suche nach den weiteren Teilen und stoßen dabei nicht nur auf neue Verbündete, sondern auch auf Verfolger, die nicht vor illegalen Mitteln zurückschrecken, um ebenfalls in Besitz des Manuskripts zu gelangen. Je mehr die inzwischen kleine Gruppe von Wissbegierigen erfährt, umso unglaublicher und unfassbarer wird das, was sie zu lesen bekommen. Doch auch ihre Verfolger bleiben nicht untätig …
Das „Darwin-Projekt oder Das Boa-Manuskript“ hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Schon das erste gefundene Boa lässt den Leser erahnen, dass die weiteren Teile von einer Brisanz sein werden, die in der heutigen Zeit für einen immer größer werdenden Kreis von Menschen von immenser Bedeutung sind. Denn die Frage nach bewusster Manipulation der Massen stellt sich immer mehr.
Bis zum Schluss bleibt es jedoch spannend, wie die „GEOs“ ihre Pläne weiter ausbauen und dabei zur Einflussnahme auf die Entwicklung des Menschen keinen Lebensbereich auslassen. Das vom Autor brillant entwickelte und erdachte Zusammenspiel von menschlichem Entwicklungsdrang, dem Wunsch nach geistiger Erfüllung und materieller Sicherheit auf der einen Seite und den Lebensbereichen Kunst und Kultur, Werbung, Marktwirtschaft, Politik und Gesundheitswesen auf der anderen Seite ist für den Leser so gut nachvollziehbar, dass das entwickelte Szenario durchaus genauso stattgefunden haben könnte. Dies führt nicht nur zu einem Leseerlebnis, bei dem die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht erhalten bleibt, sondern auch zum ausführlichen Nachdenken über die heutige Gesellschaft, deren Einflüsse und Werte sowie der Frage: „Was wäre, wenn …“
„Darwin-Projekt oder Das Boa-Manuskript“ ist ein überaus empfehlenswertes Buch, das im Leser noch lange nachklingt und bei bewusstem Umgang mit dem Inhalt eine Gesellschaft hinterfragt, die ihrem selbst erschaffenen „Gott“ folgt und dabei allzu oft vergisst zu hinterfragen, wem sie eigentlich dient.

Petra Liermann

In der Sächsischen Zeitung vom letzten WE (20./21.01.18) war ein interessanter Artikel über Modrow, dem ehemaligen Bürgermeister von Dresden, der jetzt 90 Jahre alt wird und die ehemaligen Machthaber der DDR gut kannte. Er schreibt zum Schluss etwas über die Chinesen, was sehr aufschlussreich ist und mich mit meinem Buch bestätigt:
"China, ...zeigt heute eine Alternative zum Kapitalismus von heute (Li Xinping sagt, er wolle ein Land schaffen mit einem mittlerem Reichtum - mit dem Ansatz, ein schöneres Leben für alle Bürger zu entwickeln). Ob das die Chinesen in der Mitte diesen Jahrhunderts dann Sozialismus nennen oder anders, wird sich zeigen. Worum es mir geht: Angesichts der globalen und auch der deutschen Situation reicht es nicht, immer nur in den Kategorien eines besseren Kapitalismus zu denken, sondern in Kategorien einer grundsätzlich alternativen sozialeren Gesellschaft vorzustoßen. Es geht schließlich um das Leben und Überleben auf unserer Erde." Einen Text wie diesen, habe ich versucht in meinem Roman auszumalen. MfG von H. Kugler



Aus dem 3. Boa
Finch Schön: Was gilt mir alle Theorie, wenn mein Gefallen auf dem Spiel steht. Ändern vermag ich das Große und Ganze ohnehin nicht, was soll ich da rühren und in ein Getriebe eingreifen, dessen Mechanismus mir fremd ist. Nach der Gier kommt das Genießen, und ich werde einen Teufel tun, meine Pfründe zu beschneiden. Mit Brot und Spielen wird zudem die Langeweile genommen und sie erfüllen die Seele mit Freude und Lust.

Aus dem 4. Boa
Lexus Baader: Werte sind flüchtig und unbestimmt wie der Wind, weshalb ihr Charakter dem Fließen des Wassers gleicht. Man glaubt sie mit den Händen greifen zu können, da rinnen sie schon wie Sand durch die Finger. Es gibt nichts, was treuloser ist. Das ist zugleich eine große Herausforderung für Schaffende, ständig neue Ideen zu haben, dass den Menschen ihre Neugier erhalten bleibt. Das beste Mittel dazu sind Vorbilder, die in der Öffentlichkeit etwas darstellen. Dies reiht sich an unsere vorige Sitzung, in der wir über Brot und Spiele sprachen. Womit ich gleichzeitig anzudeuten suche, dass all unsere Sitzungen ein Ganzes zu einem bestimmten Zweck sind.