Mittwoch, 27. Januar 2016

Bibliophiles - 2

Zitat:
"Das Verlegen ist wie die Liebe: es hört nimmer auf,
auch wenn's schief geht bleibt das Herz daran hängen."
Hans von Weber
Wer so von seinem Beruf sprechen konnte, der bewies damit, dass er ihn nicht "ausübte" wie ein nüchterner Geschäftsmann, sondern ihm verfallen war mit seinem ganzen Sein und Denken. Dieser Satz ist im "Imprimatur" Band IX aus dem Jahre 1940 über Hans von Weber zu lesen. Neben zahlreichen mit hoher Handwerkskunst hergestellten Büchern und Liebhaberausgaben, erinnert sei nur an die Bücher der "Hundertdrucke", hat Hans von Weber in seinem Hyperion-Verlag 1909 auch eine Zeitschrift mit dem einprägsamen Titel "Der Zwiebelfisch" kreiert. Als eine bibliophile Rarität stellt sich dessen erster Jahrgang dar, der aus vier Heften besteht, von denen jedes anders in Druck, Format, Papier und Umschlag gestaltet ist. Dies war auch das ursprüngliche Ansinnen des Verlegers für dieses Vorhaben mit dem Untertitel "Eine kleine Zeitschrift für Buchwesen und Typographie." Doch bereits mit dem zweiten Jahrgang wurde das für Zeitschriften übliche Gleichmaß eingeführt. Es soll hier nicht der Ort sein, den Verlag und seine Arbeit umfänglich vorzustellen, Interessenten können dies im besagten Artikel von Heinrich F. S. Bachmair (S. 72 ff.) viel genauer erfahren. Mir geht es mit dieser kleinen bibliophilen Aufmerksamkeit um Erinnerung und Nachdenken, was die Buchkultur für Kleinode geschaffen hat, die gelegentlich wieder einer Betrachtung lohnen.

Mehr dazu auch in meinem Bibliothekskatalog Nr. 501, 502

Montag, 25. Januar 2016

Werkstattnotizen - 3

Zum Nirgendwoland


Der Stoff erweist sich schwieriger als anfänglich gedacht, denn es ist nicht damit getan, alle gesellschaftlichen Strukturen aufzubrechen. Die menschliche Natur müsste vor allem umerzogen werden, dass sie nicht mehr nur auf sich polarisiert, sondern bereit zur Selbstaufgabe ist. Das widerspricht in gewisser Weise aber dem Selbsterhaltungstrieb. Worum geht es im Nirgendwoland:

Nach dem zweiten Weltkrieg bestand in Deutschland die einmalige Chance eines gänzlichen Neubeginns. Eine Republik aufzubauen, ohne Parteienapparat oder jeglicher Bevormundung, in strikter Selbstverantwortung der Bürger. Solch ein Versuch wird hier gewagt und das Land nennt sich nach den Stammvätern (die Familie der Protagonisten trägt symbolisch denselben Nachnamen) Germanische Solidarische Republik. Während das Land wenig später an diesem Versuch scheitert und eine Partei doch wieder Verantwortung und Führung übernimmt, bleibt im vom Tagebau nahezu isolierten Kremmlau die erdachte Ordnung bestehen. Der Ort versucht seine Eigenständigkeit zu bewahren und unternimmt dazu einige wesentliche Neuerungen. Es wird unter anderem ein Ablass eingeführt, der aus Gewinn und uneigennützigen privaten Spenden besteht, usw. usf..

Ein Gedankenkonstrukt, wie es hätte sein können, am Rande eines riesigen Tagebaus, der symbolisch alles Leben verschlingt, um aus seiner Nutznießung den Fortschritt ein Stückweit, ja in welche Richtung zu bringen?

Donnerstag, 21. Januar 2016

Bibliophiles - 1

Zitat:
Und scheint es auch oft zum Lachen,
Was für verschollene Sachen
Sie wieder möchten lebendig machen,
So kommen doch aus vergangener Zeiten Schicht
Viel freudige und schöne Gebilde ans Licht.
Hermann Hesse "Poetischer Büchersturz"
In den Gefilden meiner Bibliothek finde ich manchmal besonders liebenswerte Bücherschätze, die ans Licht zu ziehen Anliegen dieser Veröffentlichung sein soll. Obgleich, es ist längst geschehen und in einer meiner bibliophilen Erzählungen (Eine Bibliotheksgeschichte in "Bibliophilen-Abend") schon verarbeitet. Die Rede ist vom "Der Bücherhirt", der kleinsten Zeitschrift für Bibliophilen, Bibliomanen, Bibliomisen, Bibliophoben und Bibliophagen. Erschienen 1927 in nur fünf Heften zu 200 Exemplaren. Herausgegeben von F. S. Bachmair und Günther Hildebrandt.
Beitrag aus dem allerersten Heft, das diese Idee auch umgesetzt hat und das Heftchen zu etwas Besonderem werden lässt:
"Ein Englischer Bibliomise hat gefunden, dass alle Bücher falsch paginiert sind. "Was hat man davon", meint dieser Herr, "dass man weiß, man habe so und so viel Seiten gelesen? Was einen wirklich interessiert, dass ist doch zu wissen, wieviel Seiten noch übrig bleiben." Er will also Bücher so paginieren, dass ein Buch z. B. mit Seite 300 beginnt, mit Seite 299 u. s. f. durchbeziffert wird bis zur Seite 1, die die letzte Seite des Buches ist. Auf diese Weise weiß der Leser immer, wieviel Seiten er noch zu lesen hat. Buchhändler und Verleger sollen von diesem Vorschlag nicht entzückt sein. Die Autoren auch nicht. Um unseren Lesern den englischen Vorschlag praktisch vorzuführen, haben wir das vorliegende Heft nach dem neuen Rezept paginiert."

Interessenten: Siehe auch im Bibliothekskatalog unter der Nummer 498

Montag, 18. Januar 2016

Werkstattnotizen - 2

Zitat: O Brüder ...
Bedenkt, wes hohen Namens Kinder ihr seid
Und nicht gemacht, um wie das Vieh zu leben!
Erkenntnis suchet auf und Tüchtigkeit.

Dante "La divina commedia"
Für die Geschichte um das Nirgendwoland habe ich eine fiktive Landschaft ersonnen, die strikt von den Gegebenheiten um Senftenberg und seiner Tagebaulandschaft abweicht. Die hier dargestellte Skizze zeigt die Örtlichkeit mit ihrer isolierten Lage, die abgerissenen Dörfer und rechts unten auch den Fundort der Tropfsteinhöhle, die für die Erzählung eine besondere Rolle spielt.


Ich wurde auf Lesungen immer mal wieder danach befragt, wie wirklichkeitsnah die verwendeten Örtlichkeiten in meinen Erzählungen sind. Sie sind es in der Regel nicht, weil ich mir das Spielerische bewahren möchte, das dem Fantasiespiel des Nachdenkens innewohnt. Zudem bedarf es dann auch keiner detailgetreuen Schilderungen, die nach meinem Dafürhalten für eine Reisebeschreibung von Nöten, in einer erdachten Geschichte jedoch fehl am Platz sind.

Donnerstag, 14. Januar 2016

Werkstattnotizen - 1

Zitat: "Wie es bei Schriftstellern nur allzuoft vorkommt, war der Arbeitsaufwand auch der einzige Ertrag, der meine Tätigkeit abwarf."
Henry D. Thoreau "Walden"

Karriereleiter ins Ungewisse
Mitunter ist es hilfreich zu wissen, dass es auch in der Vergangenheit immer wieder Beispiele gab, die von der Erfolglosigkeit bei den Autoren zeugen. Seit drei Jahren widme ich mich in freien Stunden dem Schreiben, nicht genug, dass ich schon Anerkennung erwarten darf. Dennoch, und in solchen Momenten meldet sich mein Ego zu Wort, braucht es zum Durchhalten gelegentlich einiger verbaler Streicheleinheiten.

Hier für den Interessierten eine Statistik zu meinem jüngsten Projekt, nicht weil ich mich rechtfertigen will, nein, es gewährt mir wenigstens einen bisschen Genugtuung gegen meine Zweifel.

Bisher verzeichnet meine Schreibkladde seit dem 13. Oktober 2015 74 tägliche Wortaufzeichnungen, eine Manie, die ich mir auferlegt habe, um mir selbst mein Tun zur Rechenschaft zu bringen. 53.841 Wörter habe ich seitdem zu Papier gebracht, von denen ich noch nicht weiß, welchen Wert sie für mein Projekt besitzen. Ihre richtige Ordnung ist auch erst noch herzustellen. Wenn ich nun die Statistik bemühe, ergeben sich daraus 727 Worte auf vierundzwanzig Stunden gerechnet. Nun bleibt mir gegenwärtig zum Schreiben erst eine Zeit von zwei bis drei Stunden am Tag, da für den Broterwerb und die Erholung auch noch Zeit gemünzt werden müssen. Wie zufrieden ich damit sein kann, dafür habe ich bislang noch kein verwertbares Maß.

Mittwoch, 13. Januar 2016

Nirgendwoland

Menschen die in der Wurzel erstarrt und vertrocknet sind, die sich nicht mehr versetzen und wandeln können, hören auf, Gedanken zu haben und produktiv zu sein. 
Hugo Ball "Die Flucht aus der Zeit"
In meiner Schreibwerkstatt häufen sich seit dem 13. Oktober 2015 Manuskriptblätter zu meinem neuesten Buchprojekt, das den Arbeitstitel "Nirgendwoland" trägt.

Nirgendwoland

Es ist dies ein Roman/Erzählung bestehend aus Fiktion und Wirklichkeit. Mit der Lebensgeschichte der Familie Stammvater will ich den Versuch unternehmen, eine Gesellschaft aufzuzeigen, die ohne Machtgehabe von Parteien in Eigenverantwortung selbst gesteckte Ziele zu erreichen sucht.
Der Zeitraum der Handlung erstreckt sich von 1923 bis in die siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts (so der Plan). Ort der Handlung ist die Gegend um Senftenberg.

Dienstag, 12. Januar 2016

Alphabet der Fantasie

Mit einem in meiner Bibliothek aufgefundenem Zitat möchte ich meinen Blog eröffnen:

„Bücher von heute sind das Volk von morgen.“

Das passt ganz gut auf mein letztes Buchprojekt, das sich noch in verlegerischer Arbeit befindet und den Titel trägt:

Codex Dresdensis – Einleitung
Anrufung der Götter Folie 6

© SLUB Dresden/Mscr.Dresd.R.310
Alphabet der Fantasie

Das Buch beschreibt Sehnsüchte und handelt vom Fantasiespiel des Nachdenkens.
Kay, der Protagonist, kann plötzlich aus beliebigen Bildern, wie aus dieser Maya-Handschrift, Geschichten erfinden. Eine Reise führt ihn nach Mexico, wo er in einer am Opfer-Brunnen von Chichén Itzá entdeckten Höhle lebensgefährliche Abenteuer erlebt.

Bereits bei Max Dauthendey findet sich folgender Satz in seinem Buch „Raubmenschen“: Rassen, die nicht das Fantasiespiel des Nachdenkens und Sichversenkens in die schweigende Welt und sich selbst als Lebenskunst erlernt haben, …, fürchten sich vor der Einsamkeit mit ihrem Ich wie vor einem Gespenst.