Mittwoch, 28. Dezember 2016

Gedanken - 4

Nachdenkliches zum Zeitgeschehen:

07.12.2016
Es trafen sich im Blick zwei Freunde. Das waren Kleinauf und Großrunter, deren Sichtweisen auf die Welt unterschiedlicher nicht sein konnten. Kleinauf hatte von seinem Standpunkt schon einen verhornten und starren Hals, während Großrunter gönnerisch und nicht ohne höhnisch gespielten Schmerz das Treiben in den Niederungen betrachtete. Beiden allerdings war gemein, dass sie aufeinander angewiesen waren, denn Kleinauf waren die Hühneraugen am Fuße von Großrunter.

09.12.2016
Was ist bloß aus uns geworden.
Abhängig von einer Welt, die wir kaum mehr kontrollieren können, während die Macher derselben es ganz gut verstehen, jeden unserer Schritte zu kontrollieren.
Spielpuppen zur Manipulation jeglicher Art, die wir sind, werden wir auf digitale Plattformen, in imaginäre Postfächer oder in Warenkörbe gehetzt. Sie sagen uns, was wir tun und welche Wünsche wir haben sollen.
Wenn ein Mensch stirbt, merkt es ein Baum nicht, doch wenn ein Baum vernichtet wird, fühlte der Mensch den Verlust in der Seele. Merken wir das noch?

20.12.2016
„Wenn du für den Menschen schreibst, belädst du ein Schiff. Doch nur recht wenige Schiffe erreichen den Hafen. Sie versinken im Meer“, schreibt Saint Exupéry in den Sand der Wüste. Was will uns das heißen? Wir brauchen Bücher, in denen die Worte einer Geschichte nicht vorzeitig ihre Leuchtkraft verlieren. Mir scheint, der Franzius Verlag arbeitet daran. In diesem Sinne schöne Weihnachten Euch allen, die ihr Freunde, Leser oder Begleiter seid.

28.12.2016
Aus einem Artikel der gestrigen Sächsischen Zeitung zum Buch von Roger Willemsen (1956-2016) „Wer wir waren“, erscheint beim S. Fischer Verlag posthum.
„Ja, wir wussten viel und fühlten wenig“, schreibt Willemsen, eine beängstigende Retrospektive einer fiktiven Sicht aus der Zukunft auf die Gegenwart. „Emsig bemüht sich abzulenken, mehr mit Selfies als mit Selbsterkenntnis beschäftigt“, kommentiert Rainer Kasselt dazu. Erklärt sich daraus das wachsende Phänomen nach fantastischer Literatur und mystischen Geschichten, die zu Bestsellern werden, während nachdenkliche Literatur in den Bücherregalen verkümmert und wenig Aussichten darauf hat, eine interessierte Leserschaft zu erreichen? Der Roman „Das Glasperlenspiel“ ein nobelpreisgekrönter Roman von Hermann Hesse, hätte es heute beispielsweise wahrlich schwer, akzeptiert zu werden. Und Willemsen fügt hinzu: „Lasst euch nicht verführen von Wahn und Werbung, kapituliert nicht, erklärt euch nicht einverstanden mit der Welt, wie ihr sie vorfindet.“ Ein schönes Schlusswort, wie ich finde, für das ausklingende Jahr 2016.