Dienstag, 8. Mai 2018

Werkstattnotizen - 30

Kapitel 2 - Der Lilienstein

23.Mai.18

Marion W. liest vor...‚Beide hatten wir gut getrocknete Gedankenschindeln, an denen wir herumschnitzelten; wir erprobten so unsere Messer und bewunderten gleichzeitig die schöne gelbe Maserung der Kürbiskiefer. So behutsam gingen wir vor, dass wir die Gedankenfische nicht verscheuchten; prachtvoll kamen und gingen sie, wie die Wolken, die am Abendhimmel schweben, und die perlmutterfarben schimmernden Schäfchen, die sich dort bilden und wieder auflösen. So überarbeiteten wir die Mythologie, rundeten da und dort eine Fabel ab und bauten Luftschlösser, für die auf der Erde kein Platz war.‘...

18.05.18

Brigitte N. war indes wenig überrascht, dass sie als erste die Runde verlassen durfte, im Gegenteil, es war ihr ganz lieb, sich nicht um anderer Aufgaben scheren zu müssen. Dann vernahm sie, was sie tun sollte:
„In der Einleitung zu Schule der Gedanken ging es um die Vorstellung, Kraft derer ein Ereignis zu einem gewünschten Augenblick geführt werden könnte. Suchen sie nach einer jenen, mit deren Hilfe sie ein derartiges Ziel zu erreichen gedenken. Das wird in ihrem Fall möglicher Weise der Einfluss auf eine Person sein. Will sagen, verbiegen sie etwas, dass ihnen im Grunde genommen unmöglich erscheint.“

16.05.18

Mancher möge sich fragen, was will der Autor mit dieser Geschichte über eine Schule der Gedanken:

Ein Buch für keinen und jeden.

Noch wird der Plot nicht verraten, nur soviel, manchmal muss man seinen Standort verändern, soll Herkömmliches gegen Neues vertauscht werden.



08. Mai. 2018

Die Auserwählten treffen sich unterhalb des Lilienstein zu ihrer ersten Session.

Marion W. trifft auf Lion:
„Wie ich höre Frau Wohlebe wird es eine spannende Zeit, die uns in den nächsten Stunden bevorsteht. Die Bemerkung von Schopenhauer stammt aus dem Kapitel über das Selbstdenken, wie ich mich erinnere. Und er behauptet darin, dass das viele Lesen dem Geiste die Elastizität, wie sie ein fortlaufendes drückendes Gewicht einer Springfeder nimmt. Und weiter, um keine eigenen Gedanken haben zu müssen, wäre das Lesen das sicherste Mittel, in jeder freien Minute ein Buch zur Hand zu nehmen. Das ließe sich, wenn ich das so sagen darf, auf viele Handlungen der heutigen Menschen erweitern.“

Bei Schopenhauer gefunden:
Der ganze Jammer der heutigen Literatur in und außerhalb von Deutschland hat zur Wurzel das Geldverdienen durch Bücherschreiben. Jeder, der Geld braucht, setzt sich hin und schreibt ein Buch, und das Publikum ist so dumm, es zu kaufen. (Aus Paralipomena, Über Schriftstellerei und Stil)